Einblicke in die Bloggerwelt – auf dem Webmontag Leipzig #wmle

„Macht kleine, geile Blogs auf!“, mit diesem Satz hat Sascha Lobo vor zwei Jahren eine kleine Welle losgetreten. Ausgehend von der re:publica riefen viele Blogger die Rückeroberung des Internets aus.

Zwei Jahre später nun stehe ich auf einem Webmontag in Leipzig und soll darüber reden, ob und wie Bloggen nun also wieder etwas Tolles ist.
Der Webmontag Leipzig #wmle versprach einen Einblick in die Bloggerseele(TM).
Und nun bin ich mir nicht sicher, ob mir das mit meinem Vortrag gelungen ist, aber ich fand den Abend und die Diskussion wirklich toll. Rückblickend übrigens stelle ich durchaus fest, dass sich sowohl meine Welt als auch meine (Blogger-)Seele seit den ersten Zeilen in diesem Blog im Dezember 2000 mehrmals gewandelt hat.

Und auch die Blogszene ist eine vollkommen andere. Begrüßte das gute Dutzend Blogs von damals noch jeden neuen Blogger herzlich mit einer Linkparade, ist es heute wesentlich ‚egoistischer‘ – Linkgeiz ist nicht erst seit diesem Jahr ein Stichwort. In 2013 ist die Bloggerszene in mehrere kleine Lager zerklüftet – wir haben die Traditionalisten wie den Schockenwellenreiter, den ich ohne Umwände als meinen „Blogopa“ (in jeder erdenklich positiven Weise gemeint) bezeichnen würde. Wir haben die privaten Blogger, die Profi-Blogger mit journalistischem Anspruch oder übertrieben großem Ego, und die Kommerz-Blogger.
… habe ich Jemanden „SEO“ rufen hören – diese Art der Blogger stufe ich unter Kommerz ein.
Totreden mag ich die Szene übrigens nicht. Im Gegenteil, Blogs sind vitaler denn je. Auf der anderen Seite ist die gemeinsame Basis aller Blogs wiederum tatsächlich auch so winzig wie nie.

Was ich nun eigentlich bin? Ich bin privater, Profi- und Kommerz-Blogger, neben den anderen Dingen, die ich in meinem Leben tue.
Den Unterschied zwischen all denen sehe ich vor allem in der Herangehensweise. Sebastian Vogt hat in seinem Vortrag um die Kommerzialisierung von Blogs, den richtigen Satz gesagt: „Wir [die Kommerz-Blogger] sehen uns an, welche Themen gefragt sind, und richten dazu einen Blog ein – und mit dem wollen wir Geld verdienen.“

Der normale Weg des Bloggens ist ja eher der andere – ich habe ein Thema, dass mir am Herzen liegt und sehe mich anschließend nach der Monetarisierung um. Kommerzblogger gehen das „Self-Publishing“ dann eher wie ein professioneller Verlag an: Welt sonderien, Produkt launchen, Geld verdienen. Grob gesprochen. An diese Herangehensweise ist übrigens nichts auszusetzen, weder moralisch und erst recht nicht wirtschaftlich.

Aber wir waren beim Thema „Seele“.
So viel gibt es am Ende da überhaupt nicht. Ich habe ein wenig geredet, und irgendwann ergab sich eine Diskussion. Um den Stand der Blogs, wem sie das Leben schwer machen und welche möglicherweise auch qualitativen Unterschiede sie gegenüber den Presseerzeugnissen haben. Ein Gast meinte gar, die Blogs seien am Untergang des Journalismus schuld. Über dieses Gerichtsverfahren, ehrlich, bin ich schon lange hinaus. Blogs leben qualitativ ebenso wie Zeitungen von den Menschen, die sie machen. Großer Unterschied in meinen Augen: Ein Blog transportiert immer auch eine wahrnehmbare Persönlichkeit – wie auch immer diese in den Texten zutage tritt.

Bloggen ist – und damit kommen wir zum Eingang dieses Artikels zurück – auch im Jahr 2013 durchaus eine stabile und starke Konstante im Netz. Wir haben jede Menge private und professionelle Blogs. Aus dem Gedanken heraus, wieder mehr im eigenen Blog zu schreiben, und damit eben „das Netz zurück zu erobern“ ist auch die Iron Blogger-Bewegung entstanden. Auch in Leipzig gibt es eine solche „Blog-Motivations-Gruppe„, welche ich natürlich auch nicht unerwähnt lassen durfte …

Im Anschluss nach meiner kleinen, unvorbereiteten Philosophenrunde sprachen Sebastian Vogt und Uwe Ramminger über die Möglichkeiten, Blogs zu monetarisieren. Wer sich „Neues“ versprach, war fehl an dem Abend – aber die beiden gaben einen hervorragenden Rundumblick inklusive Einschätzung. Und die daraus erwachsene Diskussion und jede Menge Fragen zeigten viel Interesse.

Insgesamt fand ich den Abend spannend. Denn er zeigt mir, dass auch nach 13 Jahren Bloggen in Deutschland noch immer zuweilen tiefe Gräben, viele Fragen und unzählige Fallen in dieser Blogwelt verlaufen, auftauchen und lauern.
Zudem habe ich wie immer einige spannende Menschen kennenlernen dürfen. Danke :)

Ebenso zum Thema geschrieben haben:
Steve R
Thomas Wagner

Wer sich übrigens einführend mit dem Thema Kommerzialisierung von Blogs beschäftigen will, sollte sich das Buch Blog Boosting von Michael Firnkes zulegen. Das Buch ist kein Werk, welches Sensationen oder große Geheimnisse verkündet, aber es ist einfach geschrieben und gibt einen ziemlich guten Rundumschlag für den Einstieg ab. (Und nein, der Link oben geht zwar zu Amazon, ist aber kein Affialiate Link ;)

Zum Schluss noch die Links, die ich an dem Abend kurz gezeigt und besprochen hatte:
Google recommends shutting down blogs (Satire!)
Privat vs. Persönlich: Was nicht in dieses Netz gehört
Die Sache mit der Kreativität und der Darstellung des eigenen Ichs
Die Sache mit dem Content

Und, noch einmal zum Thema Advertorial: Musterantwort für Blogger um Produktplatzierungen zu beantworten

Und dann war da noch Daniel Baezol, der sich an diesem Abend dank eines Bieres, Neugier und Fragen zu einem Projekt hinreißen lassen hat. Lest dazu mehr bei Thomas – Daniel will die Ergebnisse seines neuen Blogs ‚dein-messer.de‚ dann in zwei Monaten vorstellen. Ich bin gespannt!

Allgemein
05. September 2013

Thomas Gigold ist Blogger, Social Media Experte und Vater von drei Kindern. Alles, was Sie sonst noch über ihn wissen sollten, steht hier: Über Thomas Gigold


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