Geben ist seeliger denn nehmen: Über Crowdfunding.

Zunehmend mehr Unternehmen suchen ihre Finanzierung nicht mehr in Business Angels oder Investoren, sondern über Crowdfunding-Plattformen. Die größte und sicherlich auch jene, die in diesem Jahr für übermäßig viel Aufmerksamkeit gesorgt hat, ist Kickstarter. Nicht zuletzt hat Kickstarter als Unternehmen recht gut funktioniert, weil man einigen Projekten einen sprichwörtlichen “Kickstart” hat hinlegen lassen. So konnte u.a. die E-Paper-Uhr Pebble, das Spiel Double Fine Adventure und das Movie-Projekt The Goon nicht nur viel Aufmerksamkeit, sondern auch viel Geld einsammeln.

Leider funktioniert nicht jede Geld-Sammel-Aktion so verlässlich. Denn natürlich ist der Erfolg – oder eben auch Misserfolg – auf einer Crowdfunding-Plattform stark abhängig von PR, den Leuten dahinter und – ich würde wetten, auch der Plattform selbst.

Zwei spannende Ideen habe ich vor ein paar Wochen entdeckt:

1 Second Everday ist eine kommende (iPhone-)App, mit der man jeden Tag einen Videoschnipsel aufnehmen kann. Innerhalb eines Jahres hat man dann also 365 Sekunden – etwas über 6 Minuten. Und in einem Jahrzehnt dann eine Stunde. Ein Lebensjahrzehnt komprimiert in einer Stunde Video. Die Idee finde ich spannend, auch wenn wir natürlich nicht wissen, was in einem Jahrzehnt alles passiert – technologisch. Ob es dann überhaupt noch Sinn macht.
Mit ein wenig Kickstarter-Zauberei jedenfalls hat es die App bisher auf über 10.000 Unterstützer und von den gesuchten 20.000 auf 55.000 US-$ gebracht.

Ein davon gänzlich gegensätzliches Beispiel ist Moj.io. Über die App habe ich gerade begeistert bei AutoKarma drüben geschrieben. Kurz: Moj.io lässt sich über die Diagnose-Schnittstelle des eigenen Autos anschließen, und anschließend kann man via Smartphone-App auf Daten wie Öl-Stand oder Beschleunigungswerte zugreifen, aber das eigene Fahrzeug beispielsweise auch lokalisieren. Selbst bei teuren Neuwagen sind solche Funktionen nicht zwangsläufig mit an Bord – den Zugriff auf Fahrzeuginformationen via Smartphone schon überhaupt nicht. Ein Markt ist da eigentlich vorhanden – trotzdem schaffen es die Gründe offenkundig nicht, die gesuchten 100.000 US-Dollar aufzutreiben. Bisher sind gerade einmal 1/4 des Geldes vorhanden – und die Uhr tickt. Ich würde mal vermuten das liegt zuweilen auch an der Auswahl der Finanzierungsplattform – denn Mojo.io hat sich für Indiegogo entschieden. Die haben in diesem Jahr auch einige Fundings zusammen gebracht, aber wesentlich häufiger in einem “Gutmensch”- als einem “Nerd”-Bereich.

Es gibt unheimlich viele spannende Dinge da draussen. Und ich habe in diesem Jahr durchaus einige davon unterstützt. Joscha Sauers Trickfilmprojekt zum Beispiel. Oder auch die beiden gerade genannten Projekte. Warum? Weil ich denke, dass uns kleine Beiträge nicht weh tun, wenn wir die Träume anderer unterstützen können. Weil ich zwar nicht an Gott, aber Karma glaube. Weil ich denke: Hey, wir geben haufenweise Geld für Mist aus, wieso nicht auch für Verrücktheiten, tolle Idee oder begeisterte Menschen? Und im besten Fall springen dann ja auch ein paar Kleinigkeiten für uns raus, etwas, dass uns ein schönes Gefühl gibt.

Bei Moj.io wird es offenbar leider nicht reichen. Dabei würde ich das Ding sofort kaufen. Ich hoffe, die Jungs bekommen das Geld irgendwie zusammen – wenn es nicht über Crowdfunding klappt, dann vielleicht “traditionell”. Als Nerd und Autonarr ist das Ding quasi ein universelles Spielzeug …

Ich finde Crowdfunding aber unheimlich spannend und treibe mich gern abends mal auf Kickstarter rum. Weil es inspirierend ist, und weil es toll ist, was für Ideen Menschen haben, und dass es andere Typen als mich gibt, die für vielleicht verrückte Sachen noch immer genügend Vertrauen aufbringen, um den Sprung zu wagen.

Habt ihr in diesem Jahr derlei Projekte unterstützt? Welche?

Allgemein
26. Dezember 2012

Thomas Gigold ist Blogger, Social Media Experte und Vater von drei Kindern. Alles, was Sie sonst noch über ihn wissen sollten, steht hier: Über Thomas Gigold