20 Jahre: mein Weblog.

Vor 20 Jahren schickte ich der Welt ein erstes Signal, dass ich jetzt blogge … Was daraus einmal erwächst hätte ich mir nie zu träumen gewagt. Ein persönlicher Rückblick.

5. Januar 2001. Nach knapp zwei Wochen basteln, experimentieren und nachdenken wage ich den Schritt hinaus: ich starte offiziell ein Weblog.

Bloggen 2001 – eine virtuelle WG

Seit Dezember bastle und schreibe ich bereits. Aber an diesem Tag sendet mein Weblog zum ersten mal einen “Ping” an den Aggregator weblogs.com – und lässt damit die Blogosphäre wissen: da ist jemand Neues.
Es vergehen wenige Stunden, da entdecken mich die ersten.
Nach zwei Tagen kennt mich die ganze deutsche Blogwelt – u.a. Jörg, der SchockwellenreiterRoland von ronsens, a-log, Melody … – alle sagen in ihren Blogs kurz Hallo, und man liest sich.

Das war bloggen vor 20 Jahren: eine kleine virtuelle WG – jeder mit eigenem Zimmer, Treffpunkt Kommentarspalten. 28 Blogs gab es Ende Januar 2001 im deutschsprachigen Raum.

In den Jahren danach wuchs die deutsche Bloglandschaft. Alte Ikonen wurden durch neue ersetzt, manche verschwanden, viele blieben: RolandJohannesder Schockwellenreiter, … noch da.

Was ich meinem Weblog verdanke

20 Jahre später bin auch ich immer noch hier. Nicht mehr so aktiv wie damals. Aber: Dieser Gemeinschaft – dieser Erfahrungen Bloggen – habe ich unheimlich viel zu verdanken. Ich habe neue Perspektiven entdeckt, gelernt andere Meinungen zu akzeptieren und damit umzugehen. Ich habe nur drei Monate später durch eine nette Bloggerin die Chance bekommen mich als Programmierer bei einer Agentur zu bewerben (wurde genommen und habe dort knapp 5 Jahre gearbeitet). Ich habe mich mit Technologien beschäftigt, die mir heute noch weiterhelfen (RSS, HTML, PHP, …) und meine Nase in Sachen gesteckt, die ich sonst nie entdeckt hätte.
Ja, ich legte damals den Grundstein für mein Leben heute. Ohne dieses kleine Weblog hätte es Projekte wie medienrauschen oder das RSS Verzeichnis nicht gegeben. Ohne es hätte ich mich wahrscheinlich nicht so intensiv mit Technologien, Internet-Recht oder dem, was mal Social Media werden sollte, auseinander gesetzt. Ohne dieses kleine Blog hätte es kein IAA Blog gegeben – den direkten Grundstein dessen, was ich heute beruflich mache.

Auch, wenn das etwas pathetisch klingen mag: aber die deutsche Blogosphäre war für mich lange etwas wie (m)eine kleine Familie. Da gab es witzige Onkels und Tanten, aber auch einige Menschen, die damals durchaus so wichtig waren wie Schwestern und Brüder.

Bloggen brachte mich zu Menschen, die mich lange begleiten oder begleitet haben. Ganz besonders dabei sind Menschen wie Daniel GroßeDaniel Fiene, aus ganz alten Tagen Simone. Aber auch solche, die seit 20 Jahren bisher immer nur Teil meiner virtuellen Realität sind, deren Leben einen immer wieder streifen und „man sich kennt“ – Jörg, oder Johannes sind zwei von vielen. Und dann gibt es auch Menschen, die Spuren hinterließen, die heute aber nicht mehr da sind – Joerg-Olaf Schäfers zum Beispiel.

Seit 1999 bin ich online, und hatte damals auch schon eine Online-Identität in Chats und Foren. Ohne dieses kleine Blog hier jedoch, all die kleinen Texte, Anekdoten, (zuweilen seltsamen) Meinungen, – ohne diese Blog hier draussen -, ohne den 05. Januar 2001, gäbe es mein Leben wie es heute ist nicht.

Einfach: Danke

Danke dafür. Ja, an dieses Blog. Aber vor allem an BLOGGER – alle im allgemeinen, weil sie das Netz nach dem Modell formten, wie es einstmal gedacht war. Weblogs haben das Netz demokratisiert. Aber ja, auch und vor allem Danke an all jene, die meinen Weg kreuzten. Und das waren mehr, als ich in einem Blogbeitrag aufzählen könnte – sorry also an all jene, die sich hier nicht wieder finden. Ihr habt – ob gewollt oder nicht – immer Puzzelstücke überreicht, die mich zu dem machten, was ich heute bin. Mit Kommentaren, Blogbeiträgen, Diskussionen, Mails, geteilten Gedanken … Deshalb – der Beitrag hätte hier so viel kürzer sein können: Danke.

20 Jahre. Wow.