Tesla zeigt ersten Teaser zum Lkw, doch die Revolution wird steinig

Tesla will nicht stoppen und greift nun nach dem Markt mit schweren Nutzfahrzeugen. Doch die Revolution im preissensiblen Markt wird nicht einfach.

Tesla hat ein erstes Teaser-Bild zu seinem Sattelschlepper veröffentlicht, der im September erstmals gezeigt werden soll. Das Bild und erste spärliche Informationen hat CEO Elon Musk während eines TED Talk in Vancouver präsentiert.


Hier der volle TED Talk – alles wichtige und meine Einschätzung: weiterlesen!

Das Bild deutet auf eine flach abfallende Front hin (also kein Hauben-Lkw), die mit L-förmigem Tagfahrlicht kommt. Das Concept hat keine Spiegel. Der im Realverkehr eingesetzte Sattelschlepper wird auf die jedoch nicht verzichten können – allein schon aus rein rechtlichen Gründen. Noch sind wir nicht soweit, dass Kameras als Spiegelersatz genügen.

Musk selbst beschreibt den Lkw als „agil“ – er könne wie ein Sportwagen beschleunigen. Gerade Beschleunigung ist aber nicht zwangsläufig die notwendige Kernkompetenz eines Lkw, hier wiegt Zugkraft mehr.
Auch davon aber verspricht Musk reichlich. Sein Lkw würde jede aktuelle Diesel-Maschine ausstechen.
Das Netzwerk aus Superchargern aber auch Batterie-Wechsel-Stationen könnten dafür sorgen, dass die Lkw auch lange Strecken mühelos bewältigen könnten, verspricht Musk.

An der Batterie-Wechsel-Mechanik haben sich bisher bereits einige Start-ups und Firmen versucht; bisher mit überschaubarem Erfolg.

Natürlich soll auch der Tesla Truck mit automatisierten Fahrassistenz-Systemen kommen. Auch hier erzählt Musk aber noch keine Details.

Tesla will den Nutzfahrzeugmarkt revolutionieren – das wird nicht leicht

Tesla will nach dem Model 3, welches sich aktuell im Vorlauf des Serienstarts befindet, einen schweren Lkw und danach einen Pick-up Truck in Serie schicken.

Weder zu technischen Daten noch zu einem möglichen Start hat sich Musk während des TED Talks geäußert. Truck unter den Tesla-Fans werden aber sicherlich eher nach 2020 als davor mit den ersten Fahrzeugen rechnen müssen.

Tesla wird sich im Markt für schwere Nutzfahrzeuge nicht leicht tun. Während man beim Pkw über den Luxusmarkt einstieg und Fuß fasste, wird dies im Bereich der schweren Lkw wenig möglich. Sich einen Tesla Truck auf den Hof zu stellen, ist für Spedition keine Frage des *Image* – ein Lkw muss Geld verdienen.

Die Herausforderungen sind nicht wenige.

Schlüssel für Speditionen sind neben Standzeiten natürlich die Total Cost of Ownership – also alle Kosten, inklusive Anschaffung, die während des Betriebs für ein Fahrzeug auflaufen.
Nun sind Elektrofahrzeuge natürlich weniger Wartungsintensiv, ausschlaggebende Faktoren sind hier aber vor allem Lade-Infrastruktur, -zeiten und -kosten. Ebenso wichtige Faktoren: die Verfügbarkeit von Reparaturservices und Dienstleistungen rund um Flottenmanagement.

Auch der Energieverbrauch lässt sich weniger gut kalkulieren, wie bei einem 2 Tonnen schweren Pkw, da das Gesamtgewicht wesentlich stärker schwankt.

Und zum Schluss lassen sich Fahrassistenz-Systeme nicht einfach vom Pkw auf den Lkw übertragen. Hier spielt zum Beispiel wieder das Gesamtgewicht aber ebenso die Länge des Gesamtzugs etc. mit hinein. Systeme für Lkw müssen weit mehr Faktoren einberechnen und schlauer sein, als jene aus einem Pkw.

Es wird spannend zu sehen sein, wie Tesla in diesem Bereich agieren wird.

Nicht vergessen darf man auch: diesmal ist Tesla nicht der erste.
Der seit einiger Zeit zum Volkswagen Konzern gehörende Lkw-Bauer MAN hat zur IAA den MAN eTruck vorgestellt – eine TGS Sattelzugmaschine mit Elektroantrieb.
Seit Februar sind die ersten Fahrzeuge im Kundeneinsatz, um Erfahrungen mit rein elektrischen Lkw im mittleren und schweren Verteilerverkehr von 12 bis 26 Tonnen (zulässiges Gesamtgewicht) zu sammeln.