⭐️ 4.5/5

David Epstein

Ich würde mich als Generalist in meinem Fach bezeichnen: Kaufmann, Programmierer, Social Experte. Im Buch erklärt Epstein, wieso Analogien und ‚der breite Blick‘ auf Dinge wichtig sind – und nicht immer die Spezialisierung die Lösung ist. Das erzählt Epstein – typisch für US-Ratgeber – ausschweifend und wiederholend.

Im ersten Drittel geht es dabei vor allem auf die Unterschiede zwischen ‚Verstehendem Lernen‘ und ‚Auswendig Lernen‘ (sowie die Phänomene der lernfreundlichen und unfreundlichen Umgebungen und der Innen und Aussenperspektive) ein, um sich anschließend auf das zu stürzen, was wir „Universalgenies“ kennen: Waren Michelangelo oder van Gogh erfolgreich obwohl oder weil sie sich mit so vielen Themen beschäftigen und sich ausprobierten (lt. Epstein, der auch weitere, jetztzeitiger Menschen porträtiert Letzteres).
Das Mantra: Es ist wenig sinnvoll einem Traum oder langfristigen beruflichen Ziel hinterher zu jagen – weil wir so Chancen und Entdeckungen auslassen, und weil das verkennt, dass nicht nur Wege sondern auch wir und damit unsere Ziele sich ändern. Umarme lieber wer du bist, als wer du in 10 Jahren sein kannst. Und scheue dich nicht vor einem ‚krummen‘ Lebenslauf: „Wäre van Gogh mit 34 gestorben, und nicht mit 37 – das Durchschnittsalter damals betrug 40 -, er wäre nicht mehr als eine Fußnote in der Geschichte geblieben.“ Hätte er also nicht dauernd Neues ausprobiert, seine Pläne geändert sondern wäre seinem vorgegebenen beruflichen Weg gefolgt – wir hätten ihn nie als den fantastischen Künstler kennenlernen dürfen, der er war.
Statt – wie es aktuell eher üblich ist – sich früh für einen Karrierepfad zu entscheiden, sollten sich junge Menschen für berufliche Wege mit einem hohen Chancen-Risiko-Profil beschreiten, weil diese einen hohen Informationswert besitzen.

Epstein lobt risikobehaftete Entscheidungen, denn auch aus dem Scheitern zieht man Lehren. Ein zuhöchst amerikanischer Ansatz, der in Deutschland ja eher verpöhnt ist: „Wir scheitern, wenn wir nur deswegen an Aufgaben festhalten, weil uns der Mut fehlt, etwas anderes zu tun“.
Zum Schluss kommt Epstein dann nochmal auf das richtige Verhältnis zwischen “Datenvertrauen und Bauchgefühl“, und die richtige Mischung aus eben diesen. Am meisten in Erinnerung bleibt mir in dem Abschnitt wahrscheinlich die Carter Racing Exercise, die Managment-Blindspots aufzeigen soll.

Epstein arbeitet mit vielen Studien, Lebensläufen und Übungen, die er vorstellt um seine Punkte zu setzen. Und die lautet am Ende wie folgt (tl;dr) – sich an den Leser wendend: Haben Sie nie das Gefühl, Sie würden irgendwem hinterher hinken. Vergleichen Sie sich mit der Person, die Sie gestern waren – nicht mit jüngeren Menschen, die Sie nicht sind. Jeder hat sein eigenes Tempo. Planen Sie lieber Experimente, lesen und lernen Sie, gehen Sie mit offenen Augen durch die Welt und haben Sie den Mut gesetze Ziele zu ändern. Denn eins vermittelt Epstein in seinem Buch ganz deutlich: Dass eine Gruppe von Spezialisten oftmals zu weniger guten Ergebnissen kommen als einzelne Generalisten. Vor nichts also sollte man mehr Angst haben als geradlinigen Lebensläufen.