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27 Mai 2024

Vom sterbenden Lokaljournalismus

Es ist schon reichlich erstaunlich, dass Zeitungsverlage in den letzten 20 Jahren vor allem dort gespart haben, wo das Herz und die einzige Daseinsberechtigung für ihre Zeitungen lag: im Lokaljournalismus. Die Menschen interessiert, was vor ihrer Haustür passiert … Das Sterben des Lokalteils indes geht unvermindert weiter. Der Verlegerverband BDZV befürchtet, dass bis 2025 satte 40% der Kommunen zu sogenannten Nachrichtenwüsten werden könnten, weil es vor Ort keine Redaktionen mehr gibt.

Und das ist dramatisch. Denn dort, wo keine lokalen Medien mehr vorhanden sind gibt es einen Anstieg von Korruption, Umweltvergehen, Wirtschaftskriminalität und politischem Extremismus.

In der ARD Mediathek gibt es eine hörenswerte Diskussion zum Thema.

Eine Lösung habe ich übrigens nicht.
Offenbar müssen sich Bürger mittlerweile selbst organisieren, um Ersatz zu schaffen?


26 Mai 2024

Wochenendliste 21/24

Mai ist „National Bike Month“ – zumindest in der USA –, habe ich diese Woche gelernt. Ansonsten floß die Woche recht zäh mit wenig Motivation dahin; keine Ahnung woran das lag. Am Ende konnte ich mich wenigstens dazu bewegen meine Anmeldung für das #neuseenclassics Radrennen abzugeben. Das Rennen läuft am Sonntag und ich glaube, diesmal ist das Ziel eher ankommen als irgend ein Rekord. Ich fühle mich aus irgend einem Grund diese Saison nicht 100% fit … Nächste Woche wird kurz, ein (bayerischer) Feiertag & ein Tag Urlaub. Mal sehen; vielleicht erzeugt das wieder ein bisschen mehr Fluß im Arbeitsalltag.

Gesammelte Tabs im Browser mit Links, die es nicht zu einem Beitrag geschafft haben, aber cool sind und Raum haben sollen.

Aus den Blogs

  • Ute schreibt über den Business Traveler, der trotz Teams und Slack noch überall hin travelt, da steckt jede Menge Business drin! Einfach schön.

Digital

  • 72177403. Das war meine ICQ Nummer. Damals, als ich ab 1999 irgendwo in diesem WWW unterwegs war … Am 15.11.1996 ging der Dienst online. Am 26. Juni 2024 wird es endgültig abgeschaltet. Echte Digitalgeschichte.
  • Ehrlich gesagt bin ich hin und her gerißen: Der Verein Digitalcourage fordert den Bundestag mit einer Petition auf, das Recht auf Leben ohne Digitalzwang ins Grundgesetz aufzunehmen. Man will damit bewirken, dass gesellschaftliche Teilhabe – das Vereinbaren von Terminen, das 49 Euro Ticket, … – „nicht davon abhängig ist, dass wir Internet haben, ein Smartphone bei uns tragen oder eine bestimmte App installieren“. Grundsätzlich finde ich das irgendwie korrekt; auf der anderen Seite ist die Realität auch, dass wir fast alle ein Smartphone haben; und dann denke ich auch: nicht jeder Quark gehört ins Grundgesetz …

Aus der Welt

  • Über dieses unsägliche Sylt-Video will ich nicht reden.
    Nur so viel: Es geht nicht um “Ausländerfeindlichkeit”, wenn man „Ausländer raus!“ ruft, sondern Rassismus. Denn man meint alles “fremd(ländische)” – ob mensch dabei einen deutschen Pass hat oder nicht spielt schlichtweg keine Rolle bei dem Hass.
  • Moschus, Käse und Urin – Aus duftenden Babys werden muffige Teenager; als Elter kennt man das. Eine Studie hat nun untersucht, welche chemischen Verbindungen dafür verantwortlich sind … SO genau wollte ich es nicht wissen, aber hey …

Mobilität

  • Radfahren als „definitely my longevity drug“: Eine neue Studie zeigt, dass sich Radfahren bei Älteren positiv auswirkt – Probanden hatten „signifikant“ weniger oft Osteoarthritis oder Knieschmerzen.
  • Fahrräder dürfen jetzt Blinker haben … für mich eher total lustig, dass sie das bisher nicht durften. Jedenfalls kommt die Änderung jetzt, weil sich die Unfälle mit E-Bikes häufen … früher musste man mal sicher eine Hand vom Lenker nehmen können, um auf dem Schulhof den „Fahrradpass“ zu bekommen, heute ist selbst das zu viel, weshalb – Zitat – es häufig „in schwierigen Situationen zur Beeinträchtigung der Fahrstabilität“ käme. Dem beuge man nun vor. Statt Blinker könnte man halt auch Infrastruktur anpassen, um die „schwierigen Situationen“ zu verringern, aber hey … Blinker sind billiger und belassen die Verantwortung halt wieder beim Radfahrer, easy.

24 Mai 2024

2x Retro-Kino

Die finalen Trailer für Beetlejuice und für Axel F – Beverly Hills Cop sind da … Ersterer wird im Kino laufen, Zweiterer bei Netflix.

Axel F … Naja, Will Smith und Martin Lawrence schicken ihre Bad Boys jetzt in insgesamt 30 Jahren auch zum vierten Mal aufs Schlachtfeld, da darf der Beverly Hills Cop auch nochmal. Wieso nicht. Für einen Abend auf der Couch sollte der reichen.

Aber bei Beetlejuice II hoffe ich wirklich inständig, dass der gut wird. Vor der Kamera steht der Orignal-Cast, hinter der Kamera Tim Burton; das Drehbuch kommt von Alfred Gough und Miles Millar, die von „Wednesday“ kommen und direkt auch Jenna Ortega als neue Hauptdarstellerin mitgebracht haben. Ich hab‘ eine gewisse Hoffnung …


Flächenverbrauch in Deutschland

„Windkrafträder verschandeln die Landschaft“ ist ein stetig wiederholter Slogan der Windkraftgegner.
Persönlich finde ich Kohlekraftwerke mit ihren riesigen weißen Wolken-Ausstößen viel seltsamer, wenn sie bei strahlend blauem Himmel mehr als 30 Kilometer hin sichtbar sind. Schaue ich nach Süden sehe ich an klaren Tagen das schicke Kraftwerk Lippendorf, und im Westen das Kraftwerk Schkopau – stören mich beide jetzt weit mehr als die schätzungsweise 300 Windkrafträder, die hier in der Gegend stehen … egal.

Was ich eigentlich – jenseits meiner privaten Befindlichkeit – sagen wollte: Christian Victor hat auf einer Karte mal visualisiert, wofür wir in Deutschland Flächen nutzen. Und es ist schon erstaunlich, dass für Golfplätze mehr Flächen verbraucht werden als für Solarparks oder Windenergieanlagen.
Von der Absurdität, wie viel Flächen für die Herstellung von Fleisch benötigt werden, fange ich jetzt lieber nicht an …

Hinweis: Die Zahlen sind teilweise aus verschiedenen Jahren, aber die Proportionen verschieben sich dadurch nicht wesentlich.


23 Mai 2024

Rechtes Gedankengut im Osten? Niemals!!1elf!

Wer vor den Wahlen in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen mal Bock auf richtig miese Laune hat, der kann sich die Pressemitteilung ‚Autoritäre Dynamiken und die Unzufriedenheit mit der Demokratie‘ in Ost-Deutschland der EFBI (Else-Frenkel-Brunswik-Institut, Hintergrund) anschauen.
Ich zitiere nur mal aus dem 1. Absatz:

„Ein Viertel fühlt sich als Verlierer der Wende, nicht mal die Hälfte möchte sich als Gewinner bezeichnen. Rückblickend ist die Zufriedenheit unter den Befragten mit ihrem Leben in der DDR hoch.“

Digga, alte Menschen müssen mittlerweile mindestens 60 Jahre sein, damit sie überhaupt etwas über Berufsleben in der DDR behaupten und sich als „Gewinner / Verlierer“ bezeichnen könnten … Ich bin 3 Tage nach dem Mauerfall 9 Jahre alt geworden. Als was anderes als Gewinner könnte ich mich bitte bezeichnen?

Noch nicht genug miese Laune?
Dann wird diese Studie des EFBI (PDF) dagegen helfen! In der wurden 3.546 Menschen aus den neuen Bundesländern zu ihren Einstellungen gegenüber bestimmten Aussagen befragt. Und ich lasse nur mal 2 Grafiken hier liegen – mehr will ich überhaupt nicht dokumentieren …

Zustimmung zur Frage „Ausländer kommen hier nur her, um unseren Sozialstaat auszunutzen“ – 44% manifest, 21% latent
Zustimmung zur Frage „Auch heute noch ist der Einfluss der Juden zu groß“ – 11% manifest, 22% latent

Nein, natürlich sind nicht alle Ossis so. Ich wurde in Thüringen geboren, habe in Bayern und Baden-Württemberg gelebt und bezeichne Sachsen/Sachsen-Anhalt (ich wohne 2 Kilometer hinter der Grenze in Anhalt) heute als meine Heimat. Was mich aber richtig abfuckt ist der niemals latenten sondern offene Rassismus im Osten. AfD Wähler sind hier keine Protestwähler, es sind Nazis. Die Mär des Protestwählens kann mir niemand begründen, der sich auch nur mal 5 Minuten mit unserer Demokratie auseinander gesetzt hat; selbst wenn man mit den „etablierten Parteien“ unzufrieden ist. Hier wird nur noch Stimmung fabriziert … 

Ich will dagegen halten. Indem ich hier vor Ort eine andere Stimme abgebe. Indem ich hier vor Ort meine Kinder zu Demokraten erziehe und hoffe, sie tragen mit ihrem Aktivismus und ihren Stimmen in Schulen und Demos mit dazu bei, dass wir das irgendwie gemeistert bekommen.

Um so wichtiger ist, dass jede:r, die/der sich nicht zu den Verlierern der Wende zählt, und/oder für ein offenes Weltbild eintritt in den kommenden Wochen wirklich wählen geht. Zeigt, dass wir das Feld nicht rassistischen Vollidioten überlassen, sondern auch im Osten noch gesunder Menschenverstand verortet ist.


22 Mai 2024

Woke, AI

Felix Beilharz hat sich mal die Aufgabe gemacht und die – recht oberflächlichen – Fragen des Wahl-O-Mat durch die aktuellen LLM-KIs zu lenken. Die sollten zu jeder der Fragen eine Meinung abgeben. Am Ende listet Felix die für die KI empfohlenen Parteien.

Stellt sich raus: alle KIs haben einen leicht links-grünen Einschlag.
Bedeutet das, dass die KIs jetzt woke sind? Wie es Elon Musk ja gern erzählt?

Ich denke eher, es zeigt, dass KIs (hoffentlich doch) schlichtweg auf Fakten beruhen – und nicht auf Einbildungen, Gefühlen und Theorien, wie die meisten rechten und konservativen Spins. Insofern stimme ich Felix in seiner Auswertung da vollkommen zu. Zum anderen glaube ich, finden viele Diskussionen um rechte Meinungsbilder eher in für die KI verschlossenen Räumen statt.

Irgendwie passend dazu: Jon Stewart hatte in der Daily Show dieser Woche ein schönes Stück darüber, was für ein lohnendes Geschäft es mittlerweile ist, sich in Büchern, Podcasts und Fernsehen über die „woke“ Cancel Culture aufzuregen, das alles sagen zu dürfen, während man jede Kritik an Konservativen (oder Donald Trump) aber cancelt und niederschreit. Eine Mechanik, derer sich ja AfD und CDU mittlerweile auch gern bedienen … Stichwort: Leitkultur, richtig Charlotte Merz?


Heute habe ich gelernt: Es gibt tatsächlich eine Industrienorm über die Zubereitung einer Tasse Tee. ISO 3103 – und es gab darüber auch Streit, weil Irland der Schritt „Teekanne anwärmen“ darin fehlte. Zurecht der Gewinner des ironischen Ig Nobel Prize für Literatur 1999.

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21 Mai 2024

Vor 15 Wochen stolperte ein junger Mann namens ‚Robinga Schnögelrögel‘ in meinen Instagram Feed – und lederte ordentlich über ‚Insektenhotels‘ ab, die man in Baumärkten kaufen kann. Seitdem folge ich ihm und lerne viel über Biodiversität. Die taz nennt es Biounterricht auf Speed … ich finde es gar nicht so speedig, nur massiv unterhaltsam.

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19 Mai 2024

"Sich das Leben ohne Auto leisten können"

Welche absurden Diskussionen wir führen, wenn wir über die Verkehrswende reden, macht dieser Artikel in der taz deutlich. Darin geht es um ein Pilotprojekt in Leipzig, in welchem – wie in Barcelona – sogenannte ‚Superblocks‘ für weniger Autoverkehr und mehr Lebensqualität sorgen sollen.

Im Artikel kommt folgende Passage vor:

„Ich find’s scheiße!“ Die Bühnenbildnerin versichert: „Klar ist die Verkehrswende wichtig.“ Aber sie befürchte zum einen, dass die Mieten steigen, wenn das Viertel durch einen Superblock aufgewertet werde. „Am Ende wohnen nur noch Leute hier, die sich eine Alternative zum Auto leisten können.“

Ich weiß überhaupt nicht, wo ich anfangen soll … Deswegen lasse ich das jetzt hier einfach mal so stehen.
Du lebst in Leipzig 1,5 Kilometer von der Innenstadt und dem Verkehrsknotenpunkt des ÖPNV entfernt und argumentierst, man müsse sich ein Leben ohne Auto leisten können, für dass du im Schnitt 300 Euro im Monat ausgibst. Der Satz hat mich echt gekillt. Fahrrad und 49-Euro-Ticket sind der neue Porsche.

Ach, … Mensch.
Wenn wir uns nicht mal darauf einigen können, dass die Steigerung von Lebensqualität ein Ziel sein kann, dann weiß ich mittlerweile auch nicht mehr.


Wochenendliste 20/24

Die einzige Fünf-Tage-Woche im Mai geht zu Ende – recht ruhig insgesamt; die Kinder gehen jetzt in die Pfingstferien. Und ich bin noch immer unentschieden, ob ich mich jetzt doch noch zur #neuseenclassics anmelden soll…

Gesammelte Tabs im Browser mit Links, die es nicht zu einem Beitrag geschafft haben, aber cool sind und Raum haben sollen.

Digital

  • In China boomen Deepfakes von Verstorbenen – Chinesische Unternehmen bieten KI-generierte Avatare von verstorbenen Angehörigen an, um Menschen bei der Verarbeitung ihrer Trauer zu helfen. Und irgendwie erinnert mich diese Welt immer mehr immer mehr an Black Mirror; dieses KI-Szenario zum Beispiel.
  • Apple wird durch die neuen EU-Regeln dazu gezwungen, in Europa alternative App-Stores und Browser anzubieten. Und weil es nur in der EU dazu gezwungen ist, macht es das auch nur hier … Wer Alternativen anbieten will, braucht allerdings auch Büro und Angestellte in Europa
  • Twitter ist jetzt offiziell X.com – beim neuen Twitter geht man wohl die letzten Schritte, um den alten Namen endgültig aufzugeben. Aus Marketingsicht noch immer die absurdeste Geschichte der letzten Jahre … 

Mobilität

Welt

  • Atomenergie ist grüne Energie“ ist mein liebster konservativer Spin. Weil: Einfach totaler Quatsch. Mal abgesehen von der ganzen Tschernobyl-Geschichte wissen wir in Deutschland einfach nicht wohin mit dem ganzen Atommüll. Ein Endlager ist nicht in Sicht. Derweil droht das Atommüll-zwischen-lager Asse mit vollzulaufen. Dort lagern mehr als 100.000 Fässer mit radioaktiven Abfällen.
  • Zuletzt die wichtige Frage: Sind Tacos und Burritos ein Sandwich? In den USA hat man sich zu der Frage vor Gericht gestritten, und da wurde entschieden: Ja!. Es gibt in der Wikipedia übrigens eine Liste von Sandwiches … so lange wie dort „Thüringer Bratwurst im Brötchen“ als Sandwich gilt, kann ich die allerdings nicht Ernst nehmen.

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