01 Dezember 2022

The GAME is on

Nach 1,5 Jahren bei Jung von Matt Spree für Hyundai wende ich mich einem neuen Ziel zu. Oder besser: einem bekannten. Als Creative Director Social für BMW.

Das lief nicht wie geplant

Ich bin ehrlich: Eigentlich war das anders geplant.
Als ich im März 2021 bei Jung von Matt Spree unterschrieb war ich überzeugt auf meinem Posten als Director Social etwas bewegen zu können. Und auch, wenn ich eigentlich niemand bin, der auf persönlicher Ebene langfristige Ziele formuliert, dachte ich doch daran, mindestens drei Jahre in Berlin zu bleiben.

Leider ist es nur die Hälfte davon geworden.
Denn während ich im beruflichen Alltag rationale Entscheidungen treffe, habe ich mich bei meiner eigenen Karriere immer auf mein Herz verlassen. Und das sagte mir nach ein paar Monaten, dass es sich nicht wohl fühlt.
Ich habe in den letzten Monaten mit einem tollen, fähigen Team aus Kreativen, Social Experten, Projektmanagern und Strategen für einen wirklich netten Kunden in Korea arbeiten dürfen. Doch habe ich auch festgestellt, dass ich andere berufliche Schwerpunkte verfolgen will, als die auf diesem Posten gefragten.
Diese Feststellung und Auseinandersetzung mit dem, was ich eigentlich will und was ich tue, hat zu viele Facetten, als das ich sie hier auflisten könnte.
Kurz gesagt: Ich war nicht unter einem professionellen Gesichtspunkt am falschen Platz, sondern unter einem persönlichen. Es fühlte es sich nicht erfüllend an und war nicht das, was ich wollte.

Das sind sehr bedeutungsschwangere Worte. Ich weiß. Es ist durchaus ja ein Privileg, sich von einem Gefühl leiten lassen zu können, um einen Job zu wechseln. Aber mir ging es im Beruf nie um Geld oder Prestige. Mir ging es darum, das zu tun, an dem ich Freude habe und damit möglichst das Beste für einen Kunden daraus zu machen. Etwas zu erschaffen, mit dem ich und mein Kunde zufrieden sein können.

Was ich tuen werde

Ich übernehme in Zukunft eine Rolle als Creative Director Social für BMW.
Dabei heuere ich bei Looping Group an und kehr nach einer kleinen Auszeit wieder in den Schoss des Autobauers mit blau-weißem-Signet zurück.

Ich freue mich auf ein neues Team das in München und London sitzt. Von dort aus betreut es die globalen Kanäle von BMW sowie die einiger Sub-Marken und Top-Angestellten des Konzerns.

Ich schaue mit warmem Herz und voller Tatendrang auf die neue, alte Heimat.
In den letzten 1,5 Jahren hat sich bei BMW viel getan und die neue Struktur bringt ebenfalls neue Herausforderungen mit sich (siehe unten).

Ich habe von 2005 bis 2021 auf den verschiedensten Projekten und Posten für BMW gearbeitet. Und auch, wenn ich eigentlich nicht geplant hatte zurück zu gehen, fühlt es sich doch an, wie nach Hause zu kommen.

Danke

An dieser Stelle ein ausdrückliches Danke an alle bei Jung von Matt. Ihr habt mich mit offenen Armen aufgenommen, mich unterstützt und in den letzten Wochen mit nichts als Verständnis auf meine Entscheidung reagiert. Dafür bin ich wirklich dankbar.
Es war eine fantastische Zeit mit dem trojanischen Pferd, die ich nicht missen will. Ich hab‘ eine Menge gelernt. Und dank des Konstrukts meines neuen Aufgabenbereichs bleibe ich dem Jung von Matt-Universum zumindest mit einer Ecke meines Fusses ja verbunden.

Ich freue mich auf meine neue Herausforderung, die – da bin ich mir sicher – von meinen Ansprechpartnern bei BMW ganz ohne Onboarding direkt los gehen wird. Dass mir auch nach so vielen Jahren das Vertrauen entgegen gebracht wird und mich bereits so viel Vorfreue erreicht, ehrt mich.

The GAME im Detail

Agenturen, die auf eine jeweilige Firma zugeschnitten werden gibt es in den letzten Jahren häufig. Antoni beispielsweise hat für jeden Kunden quasi einen eigenen Ableger: 99 für Aldi, heaven für Bett1, garage für Mercedes, …

Und so formten vor nicht einmal zwei Jahren die Liganova-Mutter Experience One und die Werbeagentur Jung von Matt (Hamburg) eine auf BMW zugeschnittene Agentur: The Game Group – kurz The Game.
Die neue Agentur vereint für BMW sämtliche PR- und Marketingkommunikation auf globaler Ebene und hat die kreative Federführung in diesen Bereichen. Für PR und Social Media von BMW hat The Game sich mit der Looping Group zusammengetan, die diese Aufgabe seit April 2021 aus München und dem neu gegründeten Büro in London heraus erfüllt.
Seit Mai diesen Jahres führt von dort aus Piggy Lines The Game als Creative Director (CCO). Und zum Jahreswechsel übernimmt Looping die Anteile von Jung von Matt an The Game und rutscht damit in der Bedeutung der Partnerschaft noch einmal nach oben.

Während The Game alles Kreative, PR, Social und Kampagnen macht, kümmert sich The Marcom Engine – ein Zusammenschluss von Serviceplan, Berylls Strategy Advisors und Mediamonks – um die datengetriebene Realisierung für die Märkte und Produktionen.

Meine neuen Aufgaben

Meine neue Stelle ist direkt unter dem CCO von The Game angesiedelt und soll Kreation, Strategie und Social enger verzahnen sowie die ‚Go-To‘-Stelle für Social Know-How innerhalb von The Game sein.
Zudem werde ich die Verantwortung für einen regelmäßigen Newsletter übernehmen.

Und dann natürlich: Leading an international team of social creators and working closely with Looping’s ECD and The Game’s CCO, you will be responsible for ensuring all content being placed on clients social channels drives maximum impact and meets strategic and creative objectives


27 November 2022

Meine Woche (KW 47/2022)

Leben

Ende.

Die letzte Woche bei Jung von Matt noch auf Produktion verbracht. Am Freitag ging es dann nach Hause, ein paar Tage Füße hochlegen.

Diese Woche hat die Fussball-WM begonnen. Neben der Zeit auf Produktion in Katar für den Kunden Hyundai haben wir tatsächlich auch etwas Zeit gehabt. Die haben wir genutzt für etwas Touristen-Spiel. Und die beiden Kollegen – Fussball-Fans durch und durch – haben mich dann auch ins Spiel England vs Iran. Nun bin ich absolut kein Fussball-Fan. Für mich war es tatsächlich das erste Live-Spiel, das erste Mal in einem Stadion, die erste WM. Mehrere Punkte von der Bucket List, ohne, dass diese auf meiner Liste stand. Trotzdem natürlich ein Erlebnis, mit 40.000 Fans ein recht torreiches Spiel (6:2) erleben zu können.

Nachrichten

Übrigens Fussball-WM. Da gab es diese Woche natürlich weiterhin viele Diskussionen rund um Katar und Menschenrechte. In Deutschland meinen es Fans wohl tatsächlich Ernst mit dem Boykott – die Einschaltquoten sind eher mau für eine WM.
Und die FIFA sowie der DFB machen sich auch nicht beliebt

Am Flughafen Berlin haben sich Klima-Aktivisten der „Letzten Generation“ auf die Startbahn geklebt. Die Aktion hat für massive Kritik aus den Reihen der Politik geführt. Unter anderem konnten sich sowohl die Umweltministerin, als auch Kanzler Scholz und Oppositionsführer Merz einen Kommentar nicht verkneifen.
Merz von der CDU, die CSU und die FDP fordern härter Strafen gegen die Klimaaktivisten. Und Scholz blässt faktisch ins gleiche Horn, wenn er sein Unverständnis ausdrückt für die Art des Protestes.
Zwei Stunden hat die Aktion am BER gedauert. Und die Politik tut, als hätten die Aktivisten sonst für ein Verbrechen vollbracht. Gleichwohl wurde die Aktion sogar gegenüber der Polizei angekündigt.
Die Gesellschaft kann ein solches Verhalten nicht hinnehmen“, lässt sich eine FDP-Sprecherin bei der tagesschau zitieren. Und ich denke mir: Ich kann so ein Verhalten sehr wohl hinnehmen. Was ich nicht mehr hinnehmen kann ist die Untätigkeit der Politik im Sachen Klimaschutz. Was ich nicht mehr hinnehmen kann ist, wie sehr die Letzte Generation aktuell kriminalisiert wird, während Querdenker ohne riesigen politischen Aufschrei zwei Jahre lang auf die Straßen gehen und Politiker bedrohen durften.
Es ist an der Zeit etwas zu tun. Die „Letzte Generation“ ist verzweifelt, nachdem zwei Jahre friedlichen Demonstrierens durch „Fridays for Future“ keinerlei Effekt zu haben scheinen in der Politik. Und Scholz und Co. wären gut beraten, den Dialog zu suchen statt die Konfrontation. Denn wenn die aktuellen Aktionen nicht fruchten wird das Ankleben auf einer Landebahn noch die harmloseste der Aktionen in den nächsten 10 Jahren sein.

In Schweden klagen Umweltaktivisten derweil gegen den Staat. Durch den Klimawandel würde Schweden die Menschenrechte verletzen.

Das Twitter Theater nach der Übernahme von Elon Musk findet einfach kein Ende. Nachdem tausende Mitarbeiter gehen mussten und freiwillig gingen, Verifikationsansätze scheiterten und Werbetreibende flüchten, will Musk jetzt – nach einer Scheinabstimmung unter seinen Followern – einst gesperrte Accounts wieder freischalten.
Damit lässt er die gesamten Troll- und Hass-Gruppen wieder auf die Plattform los. Es ist absurd. Und macht (nicht nur) so manchem Medienwissenschafter Sorge

Während Europa die Corona-Maßnahmen schrittweise lockert und US-Präsident Bidden den pandemischen Zustand im Sommer für beendet erklärte, steigen die Zahlen in China wieder. Grund dafür: die chinesischen Impfstoffe sind wohl nicht so wirksam. Gleichzeitig hat sich Chinas Staatspartei mit ihrer krassen Null-Covid-Strategie in eine Sackgasse mannövriert.
Das hat Konsequenzen: In China gehen schrittweise tatsächlich Menschen trotz Verbots auf die Straßen und fordern den Rücktritt von Xi. Das ist revolutionär, mutig und bislang kaum vorstellbar gewesen.

Die USA verbieten den Import und Verkauf von Huawei-Geräten. Damit verschwindet der größte chinesische Hersteller faktisch vom US-Markt.

Trotz wirtschaftlich starker Jahre von 2010 bis 2019 steigt die Quote besonders armer Menschen in Deutschland in diesem Zeitraum um 40%.

Browsertabs – Gelesen

  • Nicht viel gelesen diese Woche außer das Buch „Replay“ von Ken Grimwood. Ein wirklich toller SciFi-Klassiker.

Gehört

  • nichts außer fest&flauschig

Gesehen

  • Umbrella Academy S03. Ich weiss jetzt wieder, wieso ich nach Episode 3 aufgehört hatte: irgendwie hat mich die Staffel nicht abgeholt. Gute einzelne Aspekte, manch guter Charakter, aber insgesamt eher mäßig.
  • NOPE. Hohe Erwartung. Spoiler Ein Alien welches gern Pferde snackt und ein Geschwister-Paar, dass die Filmaufnahme ihres Lebens machen will. Klingt nach J.J. Abrahams Zeug, ist in den Händen von Jordan Peele aber Gold. Der Weisse Hai der 2020er, mit Alien, schwarzen Cowboys! Referenziert viele Filmklassiker, visuell toll. Großartig.
  • Die Wannseekonferenz. Quasi ein Kammerspiel, basierend auf dem originalen Protokoll. Beklemmend, teilweise absurd wie entmenschlichend über jüdische Menschen gesprochen wird.

Statistik

Rad: 30 Kilometer
Arbeit: Produktionswoche, intensiv – und auf die Zeit schauen wir nicht
Aktivitäten: Produktion in der Wüste – auch mal ein Erlebnis, leider keine Zeit für mehr Touristenprogramm.


22 November 2022

Der Klimagipfel 2022 ist ein Rückschritt

Reden wir übers Klima. Schon wieder. Immer wieder. Weiter. Weiter. Weiter. Denn die Situation ist die: Wir sind am Arsch – und die Politik tut nichts.

Der Klimagipfel der UN ist im Grunde genommen mit einem Rückschritt in Sachen Klimaschutz beendet worden. Alle Staaten sind sich einig, dass man mehr zum Klimaschutz machen und aus Kohle sowie Öl raus muss.
Ein Datum des Ausstiegs allerdings fehlt noch immer.
Der größte Rückschritt jedoch ist, dass wir eigentlich bereits über den 1,5-Grad-Vorgaben des Pariser Klimaabkommens sind – es aber niemanden mehr interessiert, sondern man einfach weiter macht als sei nichts gewesen.
Derweil haben wir in den letzten acht Jahren einen Hitze-Rekord nach dem anderen hingelegt. Weltweit.

Die Welt ist auf dem Kurs in den Abgrund.
Das Dumme daran: die Politik handelt, wie 50-jährige Boomer eben handeln. Frei nach dem Motto: Nach mir die Sinnflut. Wenn CSU-Mann Markus Söder süffisant darüber redet, dass die „Letzte Generation“ – der Verbund vornehmlich junger Aktivisten, die sich aktuell durch für manchen fragwürdige Protestformen hervor tun – ja überhaupt nicht die letzte Generation ist, statt sich mit deren Punkt auseinander zu setzen, dann ist er die Blaupause eines jeden Politikers wegen derer eben diese Menschen sich auf die Straße kleben.

Mir, als 40-jährigen Zoomer, könnte Klimaschutz ja wirklich egal sein. Sterb ich halt mit 60 am Hitzetot statt mit 80 am Herztod – mein Leben ist trotzdem noch cool. Aber wie bitte erkläre ich denn meinen Teen-Kindern den als Gewinn verkauften Rückwärtssaldo der Klimakonferenz 2022?

Wir brauchen einen dramatischen Wandel.
Wenn die CDU von der „Klimadikatatur der Grünen“ faselt, dann verkennt Jens Spahn ganz eindeutig, dass die Klimadiktatur in den nächsten 10 Jahren von einer ganz anderen Ecke aus auf uns zukommen wird: dem Klima selbst nämlich. Das wird uns nicht nur zu extremen Maßnahmen sondern auch in Kriege, in hohe Sterblichkeiten und Nahrungskrisen zwingen.
Wohlstand jetzt nicht zu nutzen, um entgegen zu steuern wird fatale Folgen haben. Den Verlust von Wohlstand in 20 Jahren nämlich, weil uns Klimaflüchtlinge überrennen und Kriege um Wasser und landwirtschaftliche Nutzflächen uns beschäftigt halten werden.

Ja, ich als Individum kann in meinem täglichen Tun auch noch aktiver werden. Aber wir brauchen eine Politik, die mit Gesetzen, Vorgaben und Aktionen massiv gegensteuert. Der Hebel der aktuellen Klimaaktivisten-Bewegung ist im Kapitalismus nicht groß genug. In einem System, in dem 90% der CO2-Ausstöße in ärmeren Ländern oder von den Reichen verursacht wird.
Dass arme Länder in ihrem Aufstreben auf ihr Recht pochen, jetzt auch mal schmutzig sein zu dürfen wie die Industriestaaten in den letzten 100 Jahren ist verständlich. Aber fatal.

Wir brauchen einen dramatischen Wandel.
Ich befürchte jedoch, der wird erst einsetzen, wenn aus den klebenden Aktivisten der „Letzten Generation“ Öko-Terroristen werden, die Raffinieren sprengen, Privatjets vom Himmel holen und Öltänker stranden lassen …


21 November 2022

Meine Woche (KW 46/2022)

Leben

Eine interessante Woche liegt hinter mir. Der Montag startete ruhig im Office in Berlin. Am Dienstag Morgen ging es Richtung Berliner Flughafen, von wo ich eigentlich zu meinem Bestimmungsort fliegen sollte. Allerdings gab es ein Problem mit meinem Visa, weil auf meinem Visa Travel Document als Ausweispapier angegeben war – offenbar verstand man darunter allerdings den Flüchtlings- und nicht meinen Reisepass.
In all den Jahren, in denen ich nun bereits um die Welt reise bin ich noch nie an einem Flughafen zurück geblieben – aber erste Male gibt es ja immer wieder im Leben. Also blieb ich sitzen.
Zurück ins Office, Sachverhalt klären, neuen Flug buchen, 9 Stunden später Boarding und über den Umweg London am Ende ans Ziel um dort 6 Uhr Morgens statt 16 Uhr Nachmittags am Vortag anzukommen. Kann man machen, aber langsam – merke ich – ist das durchaus anstrengend.

Ansonsten war die Woche gespickt mit Produktionen, in denen neben Location, Auto und Spot auch Nadia Nadim, Lorenzo Quinn und andere Promis involviert waren. Allesamt Profis, die ich als Interviewer für diverse Filme auf Social befragen durfte. Mein kleines Team hat sensationelle Arbeit gemacht. Zu sehen demnächst.

Nächste Woche dann bis Freitag weitere Produktionen. Am 25.11 geht es schließlich per Flieger zurück – und das wird auch mein letzter Arbeitstag für Jung von Matt sein.

Der erste Schnee der Wintersaison fällt Zuhause am 18. November. Ich hab derweil in der Wüste 36 Grad.

Nachrichten

Trump will 2024 wieder zur US-Wahl antreten. Die USA ist nicht beeindruckt. Offenbar gibt es bessere Alternativen – findet sogar sein ehemaliger Vize.

Übrigens Unser Aller Lieblungs-US-Präsident: Elon Musk ist auch in Woche 4 bei Twitter ein Garant bunter Unterhaltung und fragwürdiger Management-Entscheidungen. Mittlerweile arbeiten bei Twitter offensichtlich wirklich nur noch jene, die nicht anders können – der Konzern blutet aus. Derweil lässt Musk 15 Millionen Bots abstimmen und re-installiert das Profil von Donald Trump wieder. Der war nach dem Sturm auf das Kapitol 2021 von der Plattform geflogen.

Bei der Weltklimakonferenz in Ägypten musste man erst in die Verlängerung gehen und hat sich im Streit um den Abschied von Öl und Gas trotzdem nicht einigen können. Nach dem heissesten Jahr seit Beginn der Wettermessungen bekräftigen die Weltstaaten, dass man die Verbrennung klimaschädlicher Kohle schrittweise beenden will. Ein verbindliches Datum zum Ausstieg jedoch will niemand nennen. Goodbye, Cruel World.
Derweil Klimaforscher Edenhofer so: „Uns läuft die Zeit davon

Die Formel 1 Saison 2022 ist beendet. Max Verstappen setzt mit seinem 2. Weltmeister-Titel und 15 Saisonsiegen eine neue Benchmark. Mick Schumacher wird nach zwei Jahren bei Haas nicht verlängert. Sebastian Vettel hört auf. Daniel Riccardo wechselt als Ersatzfahrer zu RedBull und beendet nach zwei unrühmlichen Jahren bei McLaren seine Karriere. Lewis Hamilton bleibt zum ersten Mal in einer Saison überhaupt ohne Sieg. Und ich verliere beim WM Finale zum ersten Mal in meiner F1 Fantasy League die Führung und werde am Ende nur Zweiter. Aua. Danke für nix, Alonso!

Oh, schau. Wer hätte es vermutet, aber: Bei der Beschädigung von Nord Stream 1 und 2 handelt es sich um einen Sabotageakt, ausgelöst mit Sprengstoff.

Browsertabs – Gelesen

  • Lebenslang für Terror-Radler – Die neueste brutale Masche der Klimaaktivisten: Fanatische Fahrradisten greifen unschuldige Automobilisten an. So schön.

Gehört

  • meine Woche war gefüllt mit Arbeit; daher: nichts, tatsächlich

Gesehen

  • Rick and Morty, Staffel 6 E01 bis E06

Statistik

Rad: 0
Arbeit: Produktionswoche, intensiv – und auf die Zeit schauen wir nicht
Aktivitäten: Touristenrunde im Wüstenstaat


14 November 2022

Berufsstart: Jobs und das Wollen vs Können

Dem Nachwuchs fehlt es an Selbstwahrnehmung und wirtschaftlichen Kenntnissen – auch in Medienjobs. Eine Studie zeigt, wie sehr Wollen und Können auseinander liegen.

Spannende Leküre: Die Initiative „Start Into Media“ hat eine Studie gemacht in der sie ermittelt, was Unternehmen von Bewerbern in der Medienbranche so erwarten – und wo die Bewerber tatsächlich stehen.

Die Einschätzungen der Studie kann ich aus meinem Berufsalltag der letzten Jahre durchaus so bestätigt. Viele Bewerber und aufsteigenden Fachkräfte in der Medienbranche überschätzen ihre Skills und es fehlt ihnen an Basiswissen in BWL und zuweilen fundamentalen Kenntnissen im Umgang mit Menschen.

Hier müssen eigentlich Schulen und Unis dringend nachbessern. Allein, auf eigenen Beinen zu stehen und wirtschaftlich sinnvoll ins Leben starten zu können sollte an Schulen ein Grundfach sein: was sind Versicherungen, wie kommen Entscheidungen in Unternehmen zustande, was ist Arbeitsschutz und -recht, … An der Uni dürften dann gern (freiwillige) Kurse nach US-Vorbild dazu kommen: Debattierclub anyone? Es würde manchem zum Vorteil gereichen.

/via Upload auf Mastodon


13 November 2022

Meine Woche (KW 45/2022)

Leben

Letzte Büro-Arbeitswoche bei Jung von Matt.
Die war nochmal gefüllt mit Personalgesprächen und den letzten Entscheidungen. Nächste Woche geht es für 10 Tage auf Produktion, danach ist meine Zeit in Berlin vorbei.

Nachrichten

Wir sind auf dem Highway zur Klimahölle – mit dem Fuß auf dem Gaspedal“, warnt UN-Generalsekretär Guterres Anfang der Woche zur Eröffnung der Weltklimakonferenz.

Derweil meint Markus Lanz, das sei alles kein Problem - wir könnten uns schon anpassen.

Nach der ganzen Diskussion um die Letzte Generation und ihre Aktionen letzte Woche (und diese Woche) hat ein Amtrichter einen Strafbefehl gegen eine Klimaaktivistin verweigert, weil die Klimakrise eine „objektiv dringliche Lage“ und „wissenschaftlich nicht zu bestreiten“ sei. Yes!

Die Mid-Term-Wahlen in den USA sind tatsächlich weniger drastisch ausgefallen als befürchtet. Die „rote Welle“, ein Durchmarsch der Republikaner, ist ausgeblieben - ebenso wie das befürchtete Chaos. Auch deshalb erneuert man natürlich die große Rede von der gestohlenen Wahl. Indes erblüht in Florida ein ernstznehmender Wettbewerber für Trump – ob das besser ist, sei mal dahingestellt.

Derweil geht das „Twitter-Theater“ von Elon Musk weiter. Er fordert auf die Republikaner zu wählen, trollt weiterhin, erzählt Quatsch, will Twitter vielleicht komplett hinter die Paywall packen und würfelt gefühlt jeden Morgen aus, ob der blaue Haken nun käuflich ist oder nicht. In den kurzen Phasen, in denen er es ist, sorgt genau das für ernsthafte Probleme für Unternehmen. Musk schließt indes die Insolvenz von Twitter nicht mal mehr aus. Derweil versuchen die ersten Banken sich von den Krediten, die sie Musk für den Twitter-Kauf gegeben haben, zu trennen - inklusive 30% bis 40% eingepreistem Verlust.
Als erster Autohersteller verlässt Audi die Plattform. Es ist indes nicht das erste Unternehmen - und wird nicht das letzte sein.
Meine Meinung: Es hat sich ausgezwitschert.

„In den ersten drei Quartalen 2022 wurden bundesweit 65 Angriffe auf Flüchtlingsunterkünfte verübt - fast so viele wie im gesamten Vorjahr“. Und die CDU warnt lieber vor einer „Klima-RAF“, weil sich ein paar Klimaaktivisten auf die Straße kleben.

Aber die CDU kann nicht nur gegen Klimaaktivisten hetzen. Ihr zweitliebstes Thema, an dem sie sich gerade gern abarbeitet ist das Bürgergeld. Bei dem gönnt die CDU Menschen nicht, dass sie ein Schonvermögen behalten und etwas mehr Geld als bei HartzIV.

Ups! ich würde sagen, KFC hat diese Woche eine Lektion in Sachen Automatisierung und Bots bekommen. Zur Reichsprogrom hat die KFC App einfach ein Angebot rausgeballert

Irgendwann als Film: Das Battle der beiden Krypto-Börsen Binance und FTX, und das Ende von FTX. Absurde Geschichte, an deren Ende nach der Insolvenz von FTX jetzt auch noch irgendwie 1 Milliarde US-Dollar an Kundengeldern fehlen.

Browsertabs - Gelesen

  • Social Media ist tot.
  • Die #Dönerflation ist überfällig – Der Dönerpreis steigt rasant. In Frankfurt wurde die 10-Euro-Schallmauer durchbrochen. Wir stehen vor einer „Döner-Kulturwende“, wie es sie beim Burger in den letzten Jahren gab.
  • Gutachten des Verkehrsministeriums: So gefährlich ist Teslas Autopilot – Schon 2016 kam das Verkehrsministerium in einem internen Gutachten zu dem Fazit, dass der Tesla Autopilot unsicher ist. Das Auto blieb auf der Straße, das Dokument unter Verschluss – FragDenStaat veröffentlicht es jetzt.

Gehört

  • keine Podcasts diese Woche gehört, außer fest&flauschig

Gesehen

  • Stargate (Film) mal wieder geschaut. Immer noch ein guter Film, auch nach all den Jahren.

Statistik

Rad: 120 Kilometer. Für die nächsten 3 Wochen wohl die letzten Runden.
Arbeit: Wenig. Die nächsten 2 Wochen auf Produktion.
Aktivitäten: Am Dienstag in Berlin gewesen, ansonsten eher ruhig. Am Samstag Geburtstag-Kaffee mit einem wunderbaren Tiramisu von Kind2.


Twitter: Es hat sich ausgezwitschert

Elon Musk irritiert mit den Entscheidungen, die er in seinen ersten zwei Wochen bei Twitter trifft. Marken und Unternehmen befinden sich auf der Plattform nicht mehr in einem sicheren Umfeld.

Brand Safety auf Twitter ist seit der Übernahme von Elon Musk schlichtweg nicht mehr gegeben.

Jede Marke sollte überlegen, ob man auf einer Plattform, die gelernte Verifizierungsmechanismen aushebelt, ihr gesamtes Datenschutz- und Ethik-Team entlässt und deren Chef über eine Kapitulation der Ukraine abstimmen lässt, rechte Politiker anfeuert und die eigenen Nutzer sowie Werbetreibenden in den Schmutz zieht, wirklich weiterhin aktiv bleiben will.

Verfolgt Musk einen Plan mit Twitter? Wahrscheinlich. Dummerweise lässt er niemanden daran teil haben, weshalb es noch schwerer fällt das Vertrauen, dass es benötigt, wenn man auf eine Plattform Arbeitsstunden und Geld wirft, aufrecht zu erhalten.

Teil des Problems ist auch der „Tanz um den blauen Haken“, den Musk kostenpflichtig machen will. Damit hebelt er ein gelerntes Vertrauenselement aus, dass es so auch auf anderen Plattform für verifizierte Accounts gibt.
Das hat für einige Firmen gar Auswirkungen auf ihren Börsenkurs.

Screenshot Fake Pepsi Account auf Twitter

Seit zwei Wochen gibt es jeden Tag neue Schlagzeilen, die eigentlich nur um Musk, Fehler, Tausende Kündigungen und den Weggang eines jeden halbwegs vertrauenswürdigen Managers kreisen.

Das Spiel ist absurd.

Gibt es eine „Alternative zu Twitter“? Kurze Antwort: Nein. Mastodon und Co folgen gänzlich anderen Ansätzen und benötigen andere Strategien. Mastodon ist mit 6 Mio. Accounts weltweit zudem deutlich kleiner.
Aber diese Plattformen sind auch eine Chance. Für ein neues, anderes Marketing – vielleicht sogar ein menschlicheres.

Eine Zukunft bei Mastodon, Discord, reddit und co.?
Es ist Zeit für Community statt Reichweite. Eine Fokussierung auf jene, die wirklich an der eigenen Marke interessiert sind, statt weiterhin fragwürdigen Reichweitenrekorden nachzujagen die allein auf dem digitalen Papier einer Powerpoint-Folie schick aussehen und innen doch ziemlich leer.

Das wäre eine Chance, die man 2023 angehen könnte. Und dann – das fällt mir, der seit 2007 leidenschaftlich gern auf Twitter ist – geht das Ganze auch ohne Twitter. Ohne Musk. Ohne trump‘sche Schlagzeilentakte.

Wie wäre es?

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07 November 2022

Meine Woche (KW 44/2022)

Leben

Der beste Kauf der letzten drei Monate war definitiv das Bluebrixx Modell des Star Trek-Runabout. 200 Euro Investition in Noppensteine. Seitdem steht es auf meinem Schreibtisch und entlockt mir immer ein Lächeln, wenn ich es anschaue.

Montag Urlaub, Halloween. Freitag Urlaub. Dazwischen nicht viel los. Dann jetzt: Erster Tag im letzen Monat des Job.

Nachrichten

Die letzten 10 Tage seit der Übernahme von Twitter durch Elon Musk waren besser als 7 Jahre „The Office“. Ganz ehrlich. Am Freitag nun hat der Super-Duber-Manager 50% der Angestellten entlassen. Am Samstag bekam einige von ihnen eine zweite Mail, sie mögen doch bitte wieder zurück ins Office kommen.
Ausgedünnt hat man auch die Teams für Content Moderation, was die Konservativen und Rechten freuen dürfte, weil sie zu den Mid-Terms in den USA am 09. November jetzt tweeten dürfen, was sie wollen.
Derweil fragen sich mehr und mehr Unternehmen, ob sie in dem wachsenden toxischen Umfeld wirklich werben wollen. Volkswagen, L’Oreal und bspw. mein Kunde Hyundai sagen: Nö. Was Elon natürlich nicht gefällt - und die Schuld dafür nicht seinen irren Tweets, sondern linken Aktivisten gibt -, weswegen er ihnen ein thermonukleares Name und Shame androht. So überzeugt man verunsicherte Unternehmen natürlich absolut von der Brand Safety der eigenen Plattform.
Diagnose: Elon kauft twitter: Wie ein Autounfall.

Bund und Länder haben sich auf die Finanzierung des 49-Euro-Ticket geeinigt. Das Deutschlandticket kommt im besten Fall noch in Q1/2023 und wird deutschlandweit gelten. Ein echter Gamechanger.

Was mich diese Woche richtig wütend gemacht hat war die Diskussion um harte Strafen für Klima-Aktivisten der Letzten Generation. Die hatten in Berlin eine Schilderbrücke auf der Autobahn besetzt und für einen Stau gesorgt. Daraufhin kam ein Rettungswagen verspätet zum Einsatz, weil von den stauenden Autofahrern keine Rettungsgasse gebildet worden war. Das Unfallopfer verstarb und die BILD fährt eine harte Kampagne gegen die „Klimakleber“ (die nicht klebten), in die sich einzuschalten weder Twitter noch Bundeskanzler oder UNO-Botschafter zu blöde sind. Tenor: Klimaprotest okay, aber liebe Kinder, doch bitte keine Probleme machen! Der Rettungswagen wurde an der Unfallstelle nicht gebraucht, stellt sich später heraus. Und wir blenden aus, dass nicht die Klima-Aktivisten das Fahrzeug aufhielten, sondern Autofahrende, die wohl ebenso wenig eine Rettungsgasse gebildet hätten, wenn vor ihnen Ukraine-Demonstranten, ein Unfall oder ein Wasserrohrbruch gewesen wäre … Statt dessen diskutieren wir jetzt darüber, was Schlimmer ist: eine Tote oder ein kollabierendes Klima. Affig. Demonstrationen töten nicht.

… wenn ich dann noch so einen dümmlichen Kommentar wie den von Gerd Dehnel im rbb lesen muss, dann möchte ich mich direkt mit auf die nächste Straße kleben: „Die Klima-Aktivisten scheren sich nicht um demokratische Sitten [aber] mit Nötigung geht es auch nicht schneller“. Lachhaft. Im Kommentar unterstellen, wir hätten Zeit, aber die Letzte Generation würde uns die rauben, weil wir ja jetzt damit beschäftigt seien, an Straßen klebende Stau-Verursacher zu lösen, statt die nächste weltrettende Technologie zu entwickeln.

Dass die CDU jetzt härtere Strafen gegen Klimademonstranten fordert ist purer Rechtspopulismus. Die Forderung, Aktivisten „bei Wiederholungsgefahr vorbeugend in Haft“ nehmen zu wollen grenzt an Methoden aus dunklen Zeiten, in denen man unbequeme Menschen ebenfalls gern wegsperrte.
In Bayern übrigens macht man das jetzt schon mal so und sperrt Klimaaktivisten für 30 Tage ein, weil sie auf der Straße saßen.
Gleichzeitig schweigt man, wenn Rechtspopulisten auf „Montagsdemos“ verbotene Flaggen schwenken, Morddrohungen ausstoßen oder Parteifreunde tatsächlich erschießen – oder welche Forderungen stellte die CDU gleich noch nach dem tödlichen Attentat auf Walter Lübcke? Da sprach niemand von einer „neuen RAF“, aber jetzt, wo sich ein paar Menschen auf Straßen kleben. Nazis sind schon ok, aber bei Klimaaktivisten hört es echt auf! Reichlich absurd.

Derweil haben wir das wärmste Jahr seit Beginn der Wetteraufzeichnungen.

Ist ja aber noch Zeit. Da stören auch schon wieder die nächsten Klimademonstranten in Amsterdam und ketten sich an diese schicken Privatflieger. … dazu hab‘ ich ja ebenfalls meine Meinung.

Karstadt Kaufhof Galeria - wie auch immer das Unternehmen mittlerweile heißt - ist pleite. Schon wieder. Zum dritten Mal in gefühlt erst 3 Jahren. Und statt endlich mal den Mut zu haben diesen Dinosaurier endlich sterben zu lassen, debattieren wir darüber ihn wieder aufzufangen. Den Kredit der Bundesregierung aus der 2. Involvenz hat man noch nicht zurück gezahlt, und bettelt um den nächsten.

Gaspreisbremse beschlossen. Strompreisbremse beschlossen. Die 21% der Deutschen, die - wie ich - mit Heizöl heizen (müssen, weil es halt nur ein Mietshaus ist) gehen leer aus.

Die Bundesregierung hat sich auf Eckpunkte für ein *Klimaschutz*-Sofortprogramm geeinigt, dass man jetzt abstimmen will. Ziel: das Erreichen der Klimaziele bis 2030. Den Verkehrssektor hat man aber erstmal ausgespart aus der Debatte. Treppenwitz.

Browsertabs - Gelesen

  • Die Kuba-Krise wird aktuell immer wieder hervor geholt, wenn man über Putin, die Ukraine und die Drohungen spricht. Gelöst wurde sie - wie eine Forschung jetzt zeigt - allerdings nicht allein so, wie Kennedy das erzählte.

Gehört

  • Gehört: Geld Macht Katar ist ein Podcast von ZEIT und ARD (rbb, BR), der sich primär mit Katar befasst und das Land beleuchtet.
  • Auf der Liste: Ausverkauf - Katar, der Fussball und das große Geld ist ein Spotify Original, zusammen mit SPIEGEL, der sich unter dem Aspekt der FIFA und des Fussballs mit dem Land und der WM auseinandersetzt.

Gesehen

  • Endlich die 5. Staffel von The Expanse. Die hatte ich irgendwann unterbrochen, weil mir Naomi Nagata einfach viel zu viel rumstöhnte und heulte … meine Güte. Gut, nun durch. So schwer der Einstieg in Staffel 1 war, so gut Staffel 1.5 bis 4 war, so schlimm war Staffel 5 zum großen Teil. Eine Qual. Ich hoffe die finale Staffel 6 hat wieder ein bisschen mehr drive.
  • 7vsWild Staffel 2 ist gestartet und wird YouTube in Deutschland jetzt einfach für die nächsten 7 Wochen beherrschen.

Statistik

Rad: 197 Kilometer. In diesem Jahr dann bei 5.610 Kilometer. Kurz vom Ziel, allerdings kommen im November drei knallharte Arbeitswochen ohne Rad-Möglichkeit.
Arbeit: Wenig. Sehr. Nur noch ein Projekt, und das kommt erst Mitte November ins Rollen - dann aber richtig.
Aktivitäten: Rad. Rad. Rad.


02 November 2022

Elon kauft Twitter: Wie ein Autounfall

Elon Musk hat Twitter gekauft. Seitdem rotiert nicht nur der reichste Narzisst der Welt, sondern auch die Medien. Ein paar lose Gedanken.

Na gut. Also, Elon hat Twitter gekauft.

Das Social Network, dass ich als mein Liebstes bezeichne. Auf dem ich seit März 2007 bin. Über das ich Freunde, Kollegen, Jobs und tolle Themen und Diskussionen gefunden habe.

Gleichzeitig ist mein Verhältnis zu Elon Musk sehr kritisch. Ich halte ihn weder für übermäßig talentiert (in was?) noch sozial engagiert. Eher für einen ziemlich Egomanen mit Geld. Dass ein Herbert Diess immer so sehr an ihm hing fand ich stets weird.

Aber was nun macht das alles aus Twitter?

Ich glaube nach wie vor, dass der Kauf von Twitter ein Unfall war. Elon Musk, nicht gerade bekannt für seine Impuls-Kontrolle, hat aus einer Laune heraus ein Angebot gemacht und sah sich dann irgendwann gezwungen Twitter zu kaufen, weil Twitter das dummerweise einklagen wollte.
Nun haben wir den Salat. Und für 44 Milliarden US-Dollar wird niemand ihm den blauen Vogel wieder abkaufen.

Was also macht Elon nun? Er versucht das Ding auf links zu drehen und täuscht Aktionismus vor: stellt hier ein paar Rädchen, trifft da ein paar Entscheidungen. Hauptsache symbolträchtig. Er geht mit dem Vogel um, als wäre es das neue Spielzeug eines 4-jährigen.
Nun könnte man sich die Frage stellen, wann das für ihn uninteressant wird. Allerdings jubeln ihm auf keiner anderen Plattform potentiell 100 Millionen Follower in den Kommentaren zu und streicheln sein Ego. Und vor allem das ist für Musk die wohl entschiedenste KPI – zumindest kann ich mich diesen Eindrucks nicht erwehren.

Elon Musk und Twitter, das ist wie Trump und Twitter.
Und Elon ohne Twitter ist halt genau so.

Atemlos durch die erste musk’sche Twitter-Woche

Das Nachrichten-Karussel um Musk hat sich in den letzten Jahren schon immer rasch gedreht. Die Presse macht den gleichen Fehler wie bei Trump: Jeder Gedankenfurz von Musk auf Twitter wird zu einer Nachricht aufgeblasen. Und Musk indes fühlt sich davon in seinem Tun bestätigt.

Seit Elon mit einem Waschbecken in der Hand – ein Dadjoke, der selbst Kai Pflaume zu billig gewesen wäre – ins Twitter Hauptquartier eingezogen ist, kommt man aus dem Nachrichtenstrudel gar nicht mehr raus.

Erste Probe: Mid-Term Wahlen in den USA

Musk hat als erste Amtshandlung die Führungsetage vor die Tür gesetzt und ist jetzt der einzige Bestimmer – wie Kindergarten-Kinder sich ja gern nennen, wenn sie der Boss im Sandkasten sind.
Er hat auch das Moderatoren-Team quasi ausgesperrt und redet sich um Kopf und Kragen, weil er der US-konservativen Auffassung von „Free Speech“ folgt: Es darf alles gesagt werden, was gedacht wird. Ohne Kosten, ohne Konsequenz.
Die rechte Bubble freut sich. Selbst deutsche Nazis stimmen mit ein und feiern das Zurückdrängen der „woken Linken“ auf Twitter zugunsten der freien Meinung.
Zu dem Thema sagt Sarah Bosetti viel mehr schlaue Sachen als ich hier runtertippen kann – oder will, weil es diesen Beitrag sprengen würden.

Die am 08. November anstehenden Mid-Terms dürften die erste Bewährungsprobe für das „neue Twitter“ werden. Zu befürchten ist eine rechtskonservative Überflutung des Dienstes – ungefiltert, unmoderiert, ungehemmt.

Quo Vadis, Twitter

Musk will viel.
Seine Fans jubeln, manche kritisieren, andere wandern ab. Allerdings kann man jetzt 70.000 neue Accounts auf Mastodon – der „Twitter-Alternative, wie man überall liest – nicht unbedingt als digitale Völkerwanderung auslegen.
Die meisten Otto-Normal-Nutzer dürfte der neue Eigentümer wenig stören.

Die Frage ist nur auch, ob sich Aktivisten, Journalisten und milder gestimmte Politiker demnächst weiter auf einer Plattform tummeln wollen, auf der sie einem Narzissten Geld überweisen sollen der gleichzeitig mit rechten Verschwörungstheorien Stimmung gegen sie macht, seine Follower über die völkerrechtliche Unabhängigkeit eines Landes abstimmen lässt und die konservative Bubble mit seiner Meinung von „befreiter Redefreiheit“ fördert?

Mastodon ist eine Alternative zu Twitter, aber kein zweites Twitter. Eine Plattform wie Twitter gibt es nicht noch einmal. Eine Relevanz wie Twitter wird mittelfristig auch keine vergleichbare Plattform mehr erreichen. Auf der anderen Seite hat nicht Elon Musk Twitter relevant gemacht. Ehrlich gesagt waren es Marketing-Verantwortliche und Journalisten. Das könnte mit jeder anderen Plattform auch passieren.

Sagtest Du „Brand Safety“?

Es wird entscheidend sein, ob Twitter wirklich weiter nach rechts rutscht, wo manche Politiker und Journalisten Alternativen für sich entdecken und ob Marketing-Verantwortliche Twitter nicht vielleicht auch den Rücken kehren. Keine Plattform ist unersetzlich.

Damit will ich nicht sagen, dass Twitter in den kommenden Monaten den Weg von MySpace oder Digg – die einst einmal führende Social Plattformen waren – gehen wird. Allerdings wird es zwangsläufig zu Änderungen kommen.

Keine 24 Stunden nach ihrem Tweet, dass Brand Safety und Werbung auf Twitter wichtig bleiben, hat die bisherige Ad Sales Chief Sarah Personette das Unternehmen verlassen.

Ich tippe, dass wir bis Ende November sehen werden, wohin sich Twitter unter Musk entwickeln wird. Ab da sollten sich Marketing-Verantwortliche entscheiden, ob sie bereit sind diese Richtung mitzugehen und wo der Wert Twitters für sie liegt.

Update, 02. November 23:20 Uhr Das ging schneller als gedacht … vielleicht sollten sich Marken schon jetzt entscheiden? Denn offensichtlich unterstützt man entweder Elon Musks Auffassung von Meinungsfreiheit, oder „political correctness“ mit Anführungszeichen …

Neben den eigenen Werbetreibenden stößt Musk heute Abend auch seine eigenen Nutzer mit zwei Tweets (eins, zwei) vor den Kopf …

Zuletzt

… wie ich mir die Situation bei Twitter aktuell vorstelle, wenn jemand gerade aus seinem zweiwöchigen Urlaub wieder kommt:

Marcel Weiß sieht es denke ich ähnlich wie ich und formuliert: Wie Twitter sterben wird – jene, die heute Power-User sind, werden sich von Twitter unter Musk aus verschiedenen Gründen verabschieden.

Man findet mich noch auf Twitter: gigold.de/twitter – und Mastodon: gigold.de/mastodon. Das Bild zum Artikel zeigt, was Midjourney zu „Elon Musk with bird in his hands“ einfällt.


31 Oktober 2022

Meine Woche (KW 43/2022)

Leben

Ein Viertel Jahrhundert.
Wenn das nicht etwas ist! Danke, die, die du meine Freundin, Geliebte, Seelenpartnerin, Ehefrau, Mutter meiner Kinder, Aushalterin, Mit-Verschwörerin und so viel mehr - kurz: mein Leben! - bist.

Kurze Woche. Ich habe auf Arbeit eigentlich nur noch ein Projekt und die Aufgabe meinem Nachfolger alles möglichst smooth zu übergeben.
Das Projekt indes entwickelt sich zu einem ziemlich … schwierigem, mit einer Reise Mitte November, die anzutreten mir zunehmend schwerer fällt. Nun.

Dem Kunden am Donnerstag eröffnet, dass ich ab Ende November nicht mehr da bin. Relatives Entsetzen in den Gesichtern, “You were the best”-Bekundungen. Abschiede sind nichts meins, ich mach eher gern den Polnischen ^^

Freitag frei. Samstag (schon wieder) Zeitumstellung. Montag Halloween - und Urlaub.

20 Grad in dieser Woche, am Sonntag 22.
Das Gruseligste zu Halloween sind die Temperaturen. Vor 11 Jahren zog ich mit den Kindern noch von Haus zu Haus in dicken Winterjacken und mit Mützen. Am Samstag bin ich nachmittags in kurzen Radsport-Klamotten unterwegs gewesen …

Nachrichten

Jetzt ist es dann also doch passiert. Elon Musk hat zusammenmit seinen Pfandleihern 44 Milliarden an Twitter überwiesen. Danach ist er mit einem Waschbecken ins Twitter HQ eingezogen und hat als erstes den CEO, CFO und Techniker entlassen.
Seine Blase feiert die “Befreiung von Twitter”, der Rest der Welt fragt sich, von welcher Befreiung er da fasselt.
Wie bereits Anfang des Jahres gibt es eine Welle der Migrationzu Mastodon. An deren Nachhaltigkeit indes habe ich meine Zweifel. Die Dezentralität von Mastodon macht es Otto-Normal-Nutzern schwer, das Systemzu begreifen, oder Themen und Nutzer zu entdecken. Gerade das aber ist notwendig … Nun. (Der SPIEGEL hat einen guten Einsteiger-Artikel). Die kommenden Monate werden interessant, aber die Aussichten sind düster für die Plattform. Nicht nur die New York Times malt ein düsteres Bild.
Nun, bei der aktuellen Schlagzahl an Bullshit kommt man kaum mehr nach - deshalb schreib ich hier weniger und versuch auf Twitter selbst Schritt zu halten …

Unterdessen strauchelt selbst Facebook. Neben massiven Verlusten gibt es zunehmend auch Kritik von Investoren. Und auch, wenn “Facebook-Bashing” aktuell anscheinend in ist, muss die Frage erlaubt sein: Hat sich Mark Zuckerberg in eine Sackgasse mannövriert?
Denn das Metaverse ist am Ende - aktuell - doch vor allem eines: leer. Sehr leer.

Wird 2023 das Jahr indem die beiden Social Media-Giganten Twitter und Facebook zerbrechen?

Bin ich sicher, dass ich gerade jetzt den Job wechsle?

Nichts ist unjugendlicher als das Jugendwort des Jahres. 2022 ist es “smash”. Die GenZ Mitbewohner lachen laut.

Jerry Lee Lewis ist tot.

In Seoul gab es bei einer Halloween-Feier eine Massenpanik mit mindestens 150 Toten. Komisch, wie wir Menschen funktionieren: Kaum war man mal an einem Ort, fühlt man sich irgendwie verbunden damit. Trifft.

Sonnenfinsternis. Zu 20 Prozent. Hinter Wolken

Wieder Uhrenumstellung. Seit dem EU-weiten Referendum 2018 tut sich nichts; die EU-Instanzen blockieren sich selbst und reden sich raus. Nicht nur meine Kritik wächst.

Skandalös: es gibt tatsächlich Gemeinden, die rein vegetarische Kita Speisungen einrichten wollen. So nicht!, sagt sich da der Deutsche. Die Fleischwurst ist Kulturgut! Aber hey, dafür eben auch kein Grundrecht. Wer seinem Kind Wurst füttern will, kann das doch Zuhause tun?!

Die EU hat beschlossen, dass Neuwägen ab 2035 kein CO2 mehr ausstoßen dürfen. Zeitenwende. Damit habe ich wohl eine Deadline für meinen Traumwagen … Ist noch ein bisschen. Auf der anderen Seite bleibt die Hintertür E-Fuels offenbar erhalten.
Damit man mich nicht fehl versteht: Ich glaube, dass es keinen einzigen Grund gibt, im Alltag gegen Elektrofahrzeuge zu sein. Aber manches Auto sehe ich halt auch durchaus als Kulturgut. Einen V8 fahren wir heute schon nicht alle - dass es ab 2035 aber diese Art der Motoren ersatzlos nicht mehr geben könnte, macht schon traurig. Ein bisschen “technisches Kulturgut” ist das eben schon.

Browsertabs - Gelesen

  • Welcome to hell, Elon - Klug, wahr, lustig. Dieser Text ist das Beste - und im Grunde eigentlich auch Einzige -, was man zur Twitter-Übernahme von Musk lesen braucht.
  • Last exit Mastodon? - schöner, "alter"(-sfühliger, aka traditionell anmutender) Blogtext vom Altblogger ‘jawl’-Christian.

Gehört

Gesehen

  • Mortal Engines: Krieg der Städte. Sehenswerter als ich damals zum Kinostart gedacht hätte. Wirklich ganz nett, auch weil ich Robert Sheehan mag - der spielt den Klaus in “Umbrella Academy”.
  • Staffelfinale Season 03 von Star Trek: Lower Decks. Was schon wieder vorbei? Sehr tolle Staffel meiner aktuellen Lieblings-Trek-Serie seit DS9. Ja, es ist so dramatisch, wie es sich anhört. Ich warte sehnsüchtig auf den Start von Strange New World in Europa …

Statistik

Rad: 242 Kilometer.
Arbeit: 30 Stunden
Aktivitäten: Mit der Frau zum Vierteljahrhundertigen essen gewesen. Sonst eher faul.


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