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18 Juni 2024

Thüringen komplett verstrahlt

Das muss man erstmal hinbekommen, liebe Heimat Thüringen.
In den Wahlumfragen zur kommenden Landtagswahl zeigt der Thüringer sich komplett schizophren.

Laut MDR Wahlumfrage sind
  • 52% der Thüringer (sehr) zufrieden mit LINKE MP Bodo Ramelow
  • 47% der Thüringer würden ihn wählen, könnte man ihn direkt wählen
  • 11% der Thüringer wählen die LINKE

Stattdessen erheben die Thüringer die AfD mit 28% zur stärksten Fraktion, während nur 23% Björn Höcke gut finden.
Selbst das neue Bündnis Sahra Wagenknecht überbietet die LINKE mit 23% und liegt knapp hinter der 2.-stärksten Partei CDU.

Zuwanderung ist für 39% der Befragten mit Abstand das wichtigste Thema bei dieser Wahl. In Thüringen, dass im Ranking der Bundesländer weniger Zuwanderer aufnimmt als Hamburg oder Berlin!

Ernsthafte Frage: Hat der Thüringer als solcher wirklich verstanden, wie Wahlen funktionieren?


17 Juni 2024

Von verlassenen Wendekindern

1980 geboren. Zu alt, um die Wende als Ost-Kind nicht mitzubekommen. Zu jung, um sie damals richtig verstanden zu haben. Und doch Glück gehabt, weil meine Vater als Selbständiger mit Geschick durch die Stromschnellen manövrierte und unsere Familie – streng gesehen wohl – zu den Wendegewinnern gehörte.

Im Gegensatz zu ungezählten – vermutlich wohl knapp 1.200 – Kindern, die nicht eindeutiger zu den Verlierern gehören: Kinder, die von ihren Eltern allein im Osten zurück gelassen wurden und ins Heim wanderten.

Offizielle Zahlen gibt es nicht. Vom Osten wurden die Kinder verschwiegen, vom Westen nicht gekannt und so verschwanden sie irgendwo in den Mühlen der Systemumstellung.

Die MDR-Dokumentation Als Mutti in den Westen ging (nach dem Ost-Kinderlied „Wenn Mutti früh zur Arbeit geht“) zeichnet den Weg einiger dieser Kinder nach. Basierend auf einem frühen Film von Eberhard Weißbarth, der Anfang der 90er schon einige dieser Kinder besuchte. Bis 09.06.2025 in der ARD Mediathek.

Es sind herzzerreißende Geschichten. Über die Eltern will ich kein Urteil bilden; zu unterschiedlich auch sind die Gründe hinter jedem dieser Schicksale. Aber es es ist ein wichtiger Film, der eine Facette der Wendegeschichte beleuchtet.


Ironmann

Ich werde in der unmittelbaren Umgebung der Familienmitglieder ja schon auch mal angeschaut, als wäre ich deppert*, wenn ich verkünde, an einem normalen Samstag mal 120 Kilometer mit dem Fahrrad zu fahren & in 4 Stunden zurück zu sein.

Wie würden die mich erst anschauen, würde ich verkünden an einem Ironman teilnehmen zu wollen? Kommt nicht in Frage für mich – dafür Jogge und Schwimme ich schlichtweg nicht –, aber meinen höchsten Respekt an Herrn Stör und seinen Ironman-Lauf sowie die die Anfeuernden (wie schön sich dieser Bericht liest).

Letzter ist Herr Stör beim Hamburger Ironman geworden. Nicht aufzugeben, während um einen herum die Strecke leerer wird sondern durchzuziehen ganz für sich allein: dafür ringe ich ehrlich gesagt noch mehr Respekt ab als für die ganzen „Gruppensportler“ – pff, kann jede:r ;-)


16 Juni 2024

Wochenendliste 24/24

Am Montag Morgens beim Zahnarzt, Nachmittags mit dem Zug nach München – 2,5 Stunden Verspätung inklusive. Dienstag (guter) Workshop mit dem Kunden gehabt, Dienstag Abend zurück nach Hause. Die restlichen Tage fließen aktuell so dahin. Kind3 macht Praktikum in einer Autowerkstatt. Kind2 eilte von Schul-Veranstaltung zu Schul-Veranstaltung und brauchte das Wochenende, um die Sozial-Akkus wieder aufzuladen.

Am Samstag die 24 Stunden von Le Mans ein wenig verfolgt. Beide BMW Hypercars purzeln bereits binnen der ersten 6 Stunden raus – beide mehr oder weniger durch Fahr(er)Fehler. Nunja.

200 Kilometer die Woche-Ziel auf dem Fahrrad erledigen.

Gesammelte Tabs im Browser mit Links, die es nicht zu einem Beitrag geschafft haben, aber cool sind und Raum haben sollen.

Aus der Welt

  • DNA Tests von Mayas aus Chichén Itzá (beeindruckend, wir waren da vor 2 Jahren) räumen mit Ritual-Mythen auf und beweisen, dass die Nachkommen der Pyramiden-Bauer noch immer dort leben.
  • Die Linke braucht keine Feinde, die zerlegt sich regelmäßig selbst – ist eines meiner Mandras, die leider allzuoft wahr sind. Diese Woche arbeitet sich die taz an dem Erfolg der Kleinstpartei VOLT ab: „es handelt sich bei „Volt“ um eine Expats-Schnösel-Partei, die vor allem deshalb so für „Europa“ ist, damit man an den Ländergrenzen nicht mehr seinen Ausweis zeigen muss“ – gut, auf der anderen Seite ist der Namen eines der Vorstandsmitglieder halt eine linke Steilvorlage: Damian Hieronymus Johannes Freiherr von Boeselager.

Digital

Mobilität


Mammutmarsch

Gerade im ZDF die 37° Doku über den Megamarsch in Hamburg gesehen: 100 Kilometer in 24 Stunden.
Gegoogelt. In Leipzig gibt es den Mammutmarsch – unter anderem mit 50 Kilometern in 12 Stunden.
Irgendwie reizt mich das.
100 km Jedermann-Rennen mit dem Fahrrad habe ich jetzt schon ein paar hinter mir; zum Joggen komme ich irgendwie nicht (dafür sind die Beine des Hundes auch zu kurz), aber Wandern auf Zeit könnte mich reizen…

Mal schauen, ich denke die kommenden Tage mal drüber. Aber das könnte mein Projekt für’s nächste Jahr werden.


15 Juni 2024

Kuratoren waren in den Anfangstagen des Webs gefragt. Das ist im Grunde der Ursprungs-Boom der Blogs. Dann kamen die Algorithmen. Und dann die KI. Gerade deshalb sehen wir wohl jetzt die Rückkehr der Kuratoren (sie waren nie weg, aber sie werden wieder wichtiger … mit Blogs und Newslettern): The New Generation of Online Culture Curators

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1,5% Radwege

Die Verwaltung in Köln priorisiert den Radverkehr schon seit Jahren. Da will niemand sparen. […] Seit 2017 haben wir allein in der Innenstadt mehr als 22 Kilometer Autostreifen in, in der Regel, 2,50 Meter breite und komfortable Radfahrstreifen umgewandelt. Und wir haben stadtweit rund 20 Kilometer neue Fahrradstraßen eingerichtet. […] Wir haben insgesamt rund 2.800 Kilometer Straßen in Köln.

So sieht die Priorisierung des Radverkehrs in Deutschland aus: Da werden in 7 Jahren 1,5 % der Straßen für Radverkehr fit gemacht. Und dann stellt sich der Leiter des Amts für Straßen- und Radwegbau in Köln in der ZEIT hin und erklärt frei raus: „Radspuren müssen nicht perfekt sein. Unter dem Sattel kann es auch mal poltern“.

Nee, Herr Lachmann. Gerade unter dem Fahrradsattel kann es eben nicht mal poltern, weil jedes verdammte Schlagloch und Rollsplitt eine potentielle Gefahr ist über die Autos grundsätzlich „egal“ drüberbügeln.
Dass man in Deutschland weiterhin annimmt Fahrradschutzstreifen, Farbe, Splitt und Pflaster-Steine seien Radinfrastruktur nervt nur noch …


14 Juni 2024

Demokratiebildung: Schule? Elternhaus? Gesellschaft!

Im Zuge der Europawahl-Ergebnisse erstaunte viele (mich eingeschlossen), dass auch junge Menschen AfD wählen.
Manch eine:r flüchtet sich dann schnell in Statements wie: „Schulen haben versagt“.

Ich bin der Überzeugung, dass politische Bildung Zuhause stattfindet. Was wir an Bildung und Überzeugung Zuhause vorfinden bestimmt, wen und was wir wählen.
Schulen dürfen, können und müssen nicht inhaltlich beeinflussen – aber sie sollten zeigen, wieso politische Teilhabe so wichtig ist. Sie müssen zeigen, wie Medien funktionieren, wie politische Debatten funktionieren – und wie wir uns als mündige Bürger vor billigem Populismus schützen, statt auf ihn herein zu fallen.

Im neuen „Kinderreport 2024“, der im Auftrag des Deutschen Kinderhilfswerks entstanden ist, wurden nun Jugendliche und Erwachsene zu ihren politischen Bildungs- und Vertrauensprozessen befragt.

Interessanterweise sieht die Mehrheit der Erwachsenen es dort wie ich: die zentrale Rolle bei der Vermittlung demokratischer Überzeugungen und Kompetenzen lägen im Elternhaus. 85 Prozent der befragten Erwachsenen finden das.
Kindern und Jugendlichen hingegen sehen das nur zu 60 Prozent, die Mehrheit (73 %) schiebt diese Aufgabe eher den Schulen zu.

Relativ gleich sind Kinder wie auch Erwachsene bei der Einschätzung, ob Jugendliche „kompetent genug sind, um an demokratischen Prozessen teilzuhaben“. Je die Hälfte beider Gruppen findet: Nein. Die einen wohl aus Abschätzigkeit, die anderen aus Selbstzweifel.
Ich würde übrigens mindestens 30 Prozent in Sachsen-Anhalt auch jegliche demokratische Kompetenz absprechen. Aber das ist ein anderes Feld.

Was ich richtig bedenklich finde, sind folgende zwei Aussagen des Reports – zitiert aus der ZEIT

  • Einen der Hauptgründe, warum die junge Generation weniger zufrieden mit der Demokratie ist, sehen 77 Prozent der Kinder und Jugendlichen darin, dass es für sie kaum Vorbilder für demokratische Beteiligung und den Einsatz für die Demokratie gibt
  • Zudem bieten sich nach Auffassung von 72 Prozent der Befragten zu wenige Möglichkeiten, sich politisch zu beteiligen

Hier müssen wir dringend handeln. Wir, die Parteien und die politischen Institutionen.

Wir müssen anfangen Kinderparlament zu schaffen. Die Jugend-Parteien müssen noch aktiver und jünger werden (der Vorsitzende der Jungen Union ist 33 Jahre alt (!), der Vorsitzende der JuSos immerhin „erst“ 28). Schulen müssen die Stunden an Sozialkunde erhöhen und zeigen, wie man sich auf regionaler wie auch bundesweiter Ebene als junger Mensch engagieren kann.

Nur so schaffen wir zu vermitteln, dass politische Teilhabe sein kann und im besten Fall auch funktioniert. Nur so schaffen wir, dass jener Verdruss, der zu einem 30% AfD-Wahlergebnis führt, aufgelöst wird. Weil dann niemand mehr von „denen da oben“ erzählen kann, denen man jetzt aller 4 Jahre mit einer Wahl mal einen „Denkzettel“ verpasst.

Wir brauchen mehr und laute politische „Key Opinion Leader“ – neudeutsch für „Influencer“ –, die nicht zwangsläufig einem Parteiprogramm sondern der Sache politische Bildung dienen. Haben wir mit Bio-Influencern, Herrn Anwälten und Steuerfabis doch auch geschafft?!


13 Juni 2024

1991 gab John Cleese einen Vortrag zu ‚Creativity in Management‘, der hier auf Youtube und sehr hörenswert ist – für jede:n Kreative:n aber auch Manager:in. Denn es geht darum, dass Kreativität nichts mit Talent zu tun hat, sondern mit Raum, Zeit, Zeit, Vertrauen und Humor – um vom sperrigen Alltags-„Closed Mode“ in den flowigen „Open Mode“ zu kommen. Eine Zusammenfassung lesen kann man hier

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10 Juni 2024

Wahlkater

Zumindest in der Chronistenpflicht muss ich hier einmal meine minder gute Laune am heutigen Tag 1 nach der Europa- und Kommunalwahl 2024 festhalten. Im Saalekreis – meiner “Heimatkommune” – hat man sich zu je über 35% für die AfD entschieden und sie sowohl in der Kommune als auch bei der Europawahl zur stärksten Partei gemacht. Und selbst im angrenzenden, immer linken Leipzig, gewinnen Nazis jetzt.

Wie fasst es Anke Gröner zusammen: “Ich weiß gerade nicht mehr ganz so gut weiter. Außer halt beim nächsten Mal wieder zur Wahl zu gehen. Falls es noch eine geben wird” – ja, leider. Und Anke wohnt nicht mal im Osten.

Ich wohne hier scheinbar unter Menschen, die Nazis wählen und denen dabei zu 82% egal ist, dass das Nazis sind.

“Ich weiß nicht, ob ich unseren Sohn in so einer Gegend aufziehen will”, schrieb Martin Neuhof auf Instagram. Ich schrieb zurück: Wenn nicht wir hier bleiben, um ein Gegensignal zu setzen – im Alltag wie auch bei der Wahl –, wer dann? Sollen wir meine Heimat wirklich komplett aufgeben?

WTF, stimme ich Thorsten zu. Allein, weil mich all die Graphen und Ergebnisse lähmen und mich ungläubig zurück lässt, dass selbst junge Wähler überwiegend von den Grünen weg hin in die Arme der AfD flüchten.

Nach der letzten Europawahl – als hier 30% die AfD wählten – war ich primär wütend; auf so viel Dummheit und Ignoranz. Nach gestern Abend bin ich eher müde. AfD Wähler wählen die Partei nicht aus Protest (die Erzählung habe ich schon bei DSU und NPD vor 20 Jahren nicht geglaubt), nicht aus Dummheit oder Angst. Sie wählen sie getrieben von Rassismus und Egoismus. Nazis bieten keine Lösungen. Haben sie 1933 nicht, tun sie auch 90 Jahre später nicht.

Ich bin zutiefst sozial-liberal geprägt, kann nicht anders als heute stetig für Klimaschutz und gegen konvertive Staathalterei zu stimmen. Und an Tagen wie heute bin ich froh, dass mein Vater eingeäschert wurde – er würde wohl im Grab rotieren.


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