22 August 2022

jpg & txt

Seit Anfang 2000 stelle ich Websites ins Netz. 22 Jahre Geschichte. 22 Jahre Design, Text, Video und Foto. 22 Jahre Erinnerungen, die irgendwann verschwinden. Im Netz schneller, als das frühe Paradigma des ‚das Netz vergißt nie‘ hätte vermuten lassen können.
Mittlerweile vergißt das Netz wahrscheinlich schneller als je zuvor …

Als jemand, der Projekte umsetzt und dessen Erinnerungen, Erfolge und Geschichten aber vor allem digital sind, kommt man irgendwann an den Punkt, den Alex Chan beschreibt:

Digital work is inherently ephemeral. […] As more and more of my life moves online, I want to remember my digital projects as much as my physical ones.
In theory, this is easy: I have a hard drive full of files from old projects.
In practice, it’s quite tricky. Having files is one thing; being able to use them is quite another.

Ihre Lösung: ‚Macht mehr Screenshots‘.
Wahrscheinlich hat sie Recht. Die einzige Konstante in 22 Jahren Internet sind JPGs. Allein eine Blog-Software basierend auf PHP 4.0 von 2003 lässt sich heute nicht mehr ohne Hürden reaktivieren. Ebenso wenig wie SQL Datenbanken. Und jedes Bild erzählt vielleicht am Ende doch mehr als 1.000 Worte in einer Datenbank.

Übrigens Datenbank: Derek Sivers schlug bereits vor einigen Monaten in die gleiche Kerbe – mit einem Text darüber, weshalb er auf ein ‚Flat File CMS‘ setzt, statt einer Datenbank (meine Blogs laufen seit 2003 nur mit MySQL und sind auf stetige Updates angewiesen).
Sein Plädoyer: ‚Schreibt Plain Text, weil der zukunftssicher ist‘.
Im Grunde bringt Sivers die gleichen Argumente vor wie Chan in ihrem Text: TXT und JPG wird man wahrscheinlich auch in 20 Jahren noch mit dem simpelsten aber auch modernsten Rechner noch lesen können.

Das meiste von dem, was ich zwischen 2000 und 2012 online gestellt habe ist mittlerweile verschwunden. Die Wayback Machine hat von meinem Blog (das früher ‚generation neXt‘ bzw ‚gen2001‘ hieß) ein bisschen was aufgehoben. Ebenso wie eine sehr komplette Version meiner ersten Auftrags-Website – schlichtweg wohl, weil es damals nur wenige Webseiten gab und die jeweils auch nur so wenig Platz benötigten, dass sie eine Diskette gepasst haben …

Screenshot meines Blogs von 2022Screenshot meines Blogs von 2022
Screenshot meiner ersten Auftrags-Website 2001Screenshot meiner ersten Auftrags-Website 2001

Web 3.0 und NFT: drei kritische Auseinandersetzungen

Zwei sehr gute YouTube Videos, die sich kritisch mit NFT-Hype und dem Web 3.0 auseinander setzen. Sollte man gesehen haben, weshalb ich sie ohne weiteren Kommentar hier mal ablege.

@tante mit seinem Vortrag auf der re:publica.




TLGGs Max Orgeldinger fragt: „Nächste große Welle oder doch nur Hype?“




„Fefe“ Felix von Leitner klärt auf der ACATIS Value Konferenz 2022 über Krypto auf.


meine woche (kw 33/2022)

Wetter
Die Woche startet mit Regen und endet mit eben diesem. Nach einem recht trockenen Sommer braucht es das wohl, obgleich das schon ein ziemlicher Wink des Herbstes ist, der vor der Tür steht.

Am Samstag 30 Kilometer mit dem Fahrrad unterwegs und stolz wie Bolle gewesen, dass ich das Zuhause genau in dem Moment erreicht habe, als der Regen einsetzte. Als ich zwei Stunden später dann mit dem Hund unterwegs war, hat sich das Wetter dann gerächt: ich bin wirklich bis auf die Unterhose nass gewesen. Der Hund sah auch ziemlich witzig aus.

Jugendsprache
Die Jugendwörter des Jahres 2022 sollen gewählt werden – und sind mal wieder ziemlich altbacken. So, als würden Boomer eben darüber entscheiden, was das jugendlichste Wort ist. Moment, ist ja auch so … Hurensohn ist nicht zugelassen, dafür aber Gommemode, Digga, Sus, und den Rest kann euch Susanne Daubner von der tagesschau vorlesen.

Film
Doctor Strange and the Multiverse of Madness geschaut. Mich gefragt, wieso in den 70er Jahren niemand auf die Idee gekommen ist, den „Steffen Seltsam“ zu nennen. Und das ist tatsächlich auch alles, was mir zu dem Film einfällt. Zäh.

Politik
„Falls Sie Ihr Geld vor der Inflation in Sicherheit bringen wollen, empfehle ich den Kauf eines Oldtimers. Euro vergeht, Hubraum besteht. Goggomobile passen sogar in eine kleine Wohnung.“ – Harald Martenstein
Passt hervorragend zur Inflation 2022.
Die dazu passend beste Studie der Woche: Inflation trifft arme Familien am härtesten – Nein, Doch, Oh!

Ach, Mensch.

Mich am Sonntag aufgeregt. Zu sehr wahrscheinlich.
Aber so langsam versteh ich nicht mehr, wie unsere Minister und Ministerpräsidenten jede Woche aufs Neue in so derbe Kommunikationsfallen tappen können. Da verlangt jetzt mancher wegen der Gas- und Energiekrise die aktuell alles beherrscht, tatsächlich kürzer zu duschen, lieber den Waschlappen zu nehmen oder Privatwohnungen direkt weniger zu beheizen. Wie übergriffig all das ist, wie wenig gut das in der Bevölkerung ankommt scheint dabei aber der Aussprechende nicht zu ahnen. Oder zu ignorieren? Wieso?
Meine ganze Aufregung kann man auf Facebook lesen – muss ich jetzt nicht wiederholen. Ach, Mensch.

Sommer
Sommerpausen enden. Als erstes kommen die ganzen Podcasts wieder zurück: AWFNR, fest & flauschig. Endlich wieder was auf die Ohren.
Wichtiger allerdings: Auch für die Kinder endet die Sommerpause nächste Woche. Zum ich glaube ersten Mal hat K3 tatsächlich in der der Schulzeit Geburstag: am 25. startet die Schule wieder, einen Tag drauf wird K3 dann 14. Schon – obwohl ich ab und zu wirklich vergesse, dass er dann auch widerrum „erst“ 14 ist, manchmal wirkt er erwachsener.

Arbeit
Am Freitag nach langer Zeit mal wieder im Büro gewesen.
Sonst wenig los.

Statistik
Work: 30 Stunden
Rad: 172 Kilometer
Aktivität: Das Bluebrixx Runabout fertig gebaut. Ansonsten eher ruhig.


21 August 2022

ende in genf

Der Genfer Autosalon fällt 2023 zum vierten Mal in Folge aus. Während 2020 und 21 Corona der Grund war, ist es seit diesem Jahr die wirtschaftliche Lage.

Schon im Juli 2019 schrieb ich, dass Automessen keine Zukunft mehr haben. Corona hat das Problem der Messen aufgeschoben, aber die IAA letzten Sommer wiederum bewies, dass die von mir in 2019 beschriebenen Probleme bleiben.
Die vierte Absage in Genf ist ihr Todesstoß. Wie bitte wollen die Veranstalter die Autofirmen, die schon 2019 bemerkt haben, dass sie keine Messen mehr als Kommunikationsanlass benötigen, davon überzeugen in ein Event zu investieren, dessen Abwesenheit sie in den letzten 4 Jahren nicht bemerkt haben?

Mich macht die Entwicklung nicht glücklich. Meine gesamte Karriere im Marketing startete 2005 mit der IAA und 2006 mit der Auto Messe International (AMI) in Leipzig. Ich habe beide Events in Social Media begleitet und danach bis 2019 Messen in Frankfurt, Genf, Paris, Detroit, Los Angeles, Shanghai und Bejing. Aber die Realität ist leider eben auch, dass alles Schöne irgendwann ein Ende hat.


15 August 2022

popkultur ist tot?

Die Popkultur ist tot deklariert Dazed jüngst in einem Artikel.
Ich bin mir nicht sicher. Wenn man die Hypes um Stranger Things oder die absurden Memes um Morbius anschaut, kommt man zu einem anderen Ergebnis. Allerdings: Popkultur ist schon lang nicht mehr so nachhaltig und konzentriert wie früher. Das liegt nicht an Aufmerksamkeitsspannen, sondern der Zersplitterung von Plattformen.

Niemand steuert mehr, was Popkultur ist. Niemand hat mehr eine Hoheit. Internet User ‚entscheiden sich zunehmend für hausgemachte Inhalte in Form von Twitch-Streams, Podcasts und Substacks. Online-Gemeinschaften oder mimetische Netzwerke […] gedeihen über eine Reihe von Plattformen, Hashtags und Threads. Diese Verbreitung ist zum Teil darauf zurückzuführen, dass die Menschen zunehmend bereit sind, für unabhängig produzierte digitale Inhalte zu bezahlen, aber auch auf die parasozialen Beziehungen, die die Menschen in den sozialen Medien pflegen, wo Künstler:innen, Autor:innen von Inhalten auf Discord-Servern direkt mit ihrer Fangemeinde kommunizieren“, ist der eigentliche Wandel.

Wenn alle Sender und Empfänger zugleich sind, jeder mit dem eigenen Drang den passenden Inhalt zu finden oder zu erstellen, dann entstehen aus diesen individuellen Bedürfnissen massiv viele Nischen. Diese zu finden, die passgenauen Kanäle zu finden und authentisch zu bespielen ist für Creator wie auch Marken die Herausforderung der kommenden Jahre.

Ein Inhalt für alle Plattformen war noch nie die passende Lösung. In Zukunft wird die Zersplitterung und passgenaue Produktion von Inhalten jedoch weiter zunehmen und insbesondere Firmen vor dicke Herausforderungen bei der Produktion stellen.


elon und der hyperloop

Als jemand, der Elon Musk kritisch gegenüber steht, waren die zurückliegenden Tage ja durchaus spannend.
Zum einen stößt er Aktien im Milliardenwert ab, weil er befürchten muss, zur Twitter-Übernahme gezwungen zu werden.

Aber das ist nicht so das spannende. Nein, es sind diese Woche eher zwei saftige Artikel, die mit dem Tech-Guru abgerechnet haben.
Ein halbes Jahr nachdem das TIME Magazin ihn zur Person des Jahres ernannt hat, rechnet der Autor Paris Marx dort mit ihm und seinen „Tech-Fantasien“ ab: ‚Elon Musk has a history of floating false solutions‘.
Und dann gibt es mit eben diese Paris Marx auch noch ein fantastisches Interview über Musk und die ‚Retter der Mobilität‘ aus dem Silicon Valley. In beiden Artikeln bringt Marx einen ziemlich dicken Brocken unter: so hätte Musk gegenüber seinem Biographen zugegeben, dass er die (quatischige) Idee des Hyperloops nur in den Raum geworfen hätte, um das Projekt des Hochgeschwindigkeitszugs in Kalifornien zu sabotieren.
… derweil forschen noch immer Menschen an der Möglichkeit Züge in Vakuumröhren zu stecken.

Marx hat übrigens zuletzt das Buch ‚Road to Nowhere: What Silicon Valley Gets Wrong about the Future of Transportation‘ geschrieben. Gleich bestellt.


meine woche (kw 32/2022)

Arbeit
Zurück auf Arbeit. Das Gute nach einem längeren Urlaub ist ja, dass alle laufenden Projekte von der Urlaubsvertretung zu Ende gebracht werden, weshalb man schön langsam wieder rein kommt. Mark All As Read fürs Postfach und gemütlich wieder eingestiegen.

Weniger gemütlich war die Woche für die Kollegen, die in Seoul einen Dreh betreuen sollten.
Am Samstag ging es nach Südkorea, am Montag Abend setzten die heftigsten Regenfälle seit 115 Jahren ein und überfluteten Gangnam und andere Teile der Stadt. Der Dreh fiel sprichwörtlich ins Wasser, die Kollegen blieben nicht trocken aber immerhin alle sicher … Klimawandel unmittelbar.

Lesen
Übrigens Klimawandel: Im Urlaub habe ich ‚Das Ministerium der Zukunft‘ gelesen und meine Buch-Rezension dazu diese Woche veröffentlicht. Ein wirklich packender Thriller im Angesicht der Klimakrise und sehr empfehlenswert.

Politik Christian Lindner will das 9-Euro-Ticket nicht verlängern und hat sich mit seiner Aussage, das günstige ÖPNV-Ticket würde die Gratismentalität der Bundesbürger fördern, massiv in die Nesseln gesetzt und die Grenzen von politischem Anstand hinter sich gelassen.

Angesichts der Probleme bei Gas und Strom sieht glaubt Bundeskanzler Olaf Scholz, dass es im Winter eher zu mehr Solidarität als Protesten kommen wird: „Nein, ich glaube nicht, dass es in diesem Land zu Unruhen in dieser skizzierten Form kommt„. Ich habe da ehrlich gesagt meine Zweifel. Kälte, Wut und Unverständnis werden Menschen eher auf die Straße als in Wärmeräume drängen. Das könnte hässlich werden …

Für mich das Thema der Woche war Elon Musk.

Social
Follower-Aufbau auf TikTok wird schwerer und man erreicht auf der Plattform in der Regel nur noch 14 % der eigenen Follower. Ich sag ja: Follower sind nicht mehr viel wert auf den traditionellen Social Plattformen. Community ist das neue Follower.

Berlin
Das Feuer im Grunewald ist nach einer Woche gelöscht.

Statistik
Work: 30 Stunden
Rad: 180 Kilometer
Aktivität: Kinder und Frau in ‚Thor 4‘, ich hab angefangen mein Bluebrixx Runabout zu bauen …


12 August 2022

fahrradfahren


schnelle brillen überall

Rad-Sonnenbrillen sind der neue heiße Scheiß im Fashion Bereich. Auch, wenn du nicht Radler bist.

Ich denk derweil: jetzt lasst doch uns Radfahrern wenigstens ein cooles Accessoire außer Radsocken übrig. Aber gut, die GenZ muss halt alles kopieren.

Die euphorische Bekenntnis der Gen Z zur Y2K- und Rave-Ästhetik, der neu gefundene Mut zum Trash- und Boomer-Look aber auch der Wunsch, sich nach zwei Jahren im Schlabber-Look endlich mal ein bisschen mehr nach Pfau zu fühlen“ sei der Grund für den Trend, schreibt Micha Wagner im Diffus Magazin. Moment mal, war das jetzt ein Lob oder eine Beleidigung an meine Generation?

Weil Brillen indes scheinbar nicht reichen erklärt man im Magazin von L’Officiel sogar die gesamte Ausstattung des Radfahrenden zum Fashion-Object der Saison.

OK. Jetzt bin ich natürlich hin und her gerißen. Als Anfang-40-jähriger fühl ich mich nicht wie ein MAMIL, obwohl ich eigentlich einer bin. Und trotzdem bin ich damit jetzt voll im Trend. Bin ich jetzt hipp oder doch ein wandelnder Witz? HILFE!

Ach, egal. Mich bekommt für dieser Saison jetzt erstmal niemand mehr aus meinen Rennrad-Bibs und der Siroko-Sonnenbrille meiner Wahl.


08 August 2022

meine woche (kw 31/2022)

Am Montag/Dienstag aus dem Urlaub zurück.
Dummerweise mit einer Erkältung im Gepäck. Während also alle in der Familie hier mit einem ordentlichen Jetlag ausgestattet sind, sitze ich ziemlich wach auf der Couch und kann die Zeit nicht mit Radfahren nutzen, weil Husten fest sitzt … Am Sonntag dann trotz besseren Gefühls nochmal geskippt. Am Montag jetzt wieder auf den Sattel. Hoffentlich.

Im Zug eine spannende Beobachtung gemacht Merke ich als Führungskraft in Unternehmen auch immer wieder. Diese Mentalität der jüngeren Arbeitnehmer, jetzt sofort alles haben zu müssen: guten Job, tollen Titel, viel Gehalt. Mit 27 Jahren von einem „Rest der Karriere“ zu schreiben ist dann auch lustig … Und nicht falsch verstehen: Work-Life-Balance ist massiv wichtig. Ich komme gerade aus einem Urlaub, in dem ich ungestört war. Aber die Ungeduld vieler im Job ist auch bezeichnend. Und ja: wir leben in einem Arbeitnehmer-Markt. Als Arbeitnehmer in vielen Jobs aus Marketing, IT, als Führungskraft kann ich mir die Firma aussuchen, nicht mehr andersrum. Das führt dazu, dass mittlerweile ich es bin, der um Kandidaten wirbt – und manchmal gar im Prozess von zwei, drei Gesprächen irgendwann geghostet werde …

In Berlin Grunewald explodiert der Sprengstoff-Platz der Berliner Polizei.
Seitdem stehen 150 Hektar Grünfläche am Rand von Berlin in Brand. Tagelang

Ein Bildungsexperte will die Sommerferien verkürzen. Aus den falschen Gründen.

Ansonsten eine eher ruhige Woche.
Das Ministerium für die Zukunft‘ zu Ende gelesen (hatte ich im Urlaub nicht ganz geschafft). Sehr gutes Buch. Schreib‘ ich die Tage noch was. Auf dem Hinflug hatte ich bereits ‚Eroberung‘ von Laurent Binet verschlungen. Ebenfalls sehr gut!

Jetzt heisst es: Zurück ins Alltagsgetümmel.
In meiner Mail-Inbox warten knapp 500 Mails. Mark All As Read


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