23. Juni 2026
Midsommar. Die kürzeste Nacht.
Letztes Jahr habe ich die genutzt, um mit dem Fahrrad von meinem Wohnort zwischen Leipzig und Halle nach Potsdam und zurück zu fahren. 310 Kilometer allein durch die Nacht. 960 Meter Höhenunterschied. Hier habe ich darüber gebloggt.
Dieses Jahr entschied ich mich recht spontan, das zu wiederholen.
Nun wäre die gleiche Route ziemlich langweilig, oder? Deshalb entschied ich, mich meinen Vereinmitglieder:innen des VCA anzuschließen - und gemeinsam in einer kleinen Gruppe zum Sonnenaufgang auf den Brocken zu radeln.
150 Kilometer mit der Gruppe hin, rauf auf den Berg und dann allein zurück.
Ausgesucht hatten wir uns bestes Wetter: tagsüber kletterte das Thermometer auf knapp über 30 Grad, und Nachts sank die Temperatur nie unter angenehme 20 Grad. Beim Sonnenaufgang auf 1.500 Metern Höhe konnte man noch immer in kurzen Radklamotten dastehen, ohne zu frieren.

Am Samstag Abend radelte ich gemütlich zum 15 Kilometer entfernten Treffpunkt, wo sich 20 Leute für den gemeinsamen Ride einfanden. Irgendwann gegen 20:30 Uhr ging es dann los Richtung Westen. Durch das Saaletal ging es nach Hettstedt, wo wir gegen 22 Uhr über die Aral her fielen. Nach rund einer halben Stunde "Tankstopp" ging es im Pulk auf kleinen und ruhigen Straßen weiter Richtung Harz.
Über Ballenstedt und Gernrode ging es nach Thale. Dort gab es einen weiteren 40 Minuten-Stopp zum auftanken. In Blankenburg (wo sich ein Mitfahrer wegen festen Freilaufs leider verabschieden musste) und Elbingerode gab es leider noch mal zwei Zwangsstopps wegen technischer Defekte im Team. Ab da setze ich mich vorn in die Gruppe und führte das Team einige Meter nach oben – bis sich die Gruppe ein bisschen zerrte, weil jede:r in seinem eigenen Tempo den Berg anging. Über Drei Annen Hohne und Schierke ging es zum Brocken hinauf.
Für mich war der Berg tatsächlich der größte Anstieg in meinen Radler-Leben. Die Meter bis Schierke fand ich ehrlich gesagt total fein. Hilfreich dabei war am Ende wohl auch, dass die Höhenmeter im Schein des Frontlichts nicht so gewaltig wirkten. Ab Schierke zog es dann jedoch an und die Serpentinen der Straße hoch waren durchaus anspruchsvoll. Zweimal musste ich auf 11 Kilometern, auf denen man die 600 Meter Höhenmetern erklimmt, kurz eine Trinkpause einlegen.
Insgesamt habe ich auf den Metern sicherlich so viel geschwitzt wie noch nie … ich hab' ordentlich Wasser auf dem Weg gelassen.
Dann aber oben aus den Pedalen zu klicken, und zu wissen, dass man gerade 170 Kilometer und den größten Berg Mitteldeutschlands überwunden hat war schon ein fantastisches Gefühl.

Und dann hatte ich es tatsächlich zur Zielzeit geschafft: Oben angekommen – pünktlich zum Sonnenaufgang um 04:56 Uhr.
Gemeinsam mit allen anderen Mitfahrenden genossen wir den Sonnenaufgang mit wenigen Wanderern, die das ungetrübte Spektakel des Sonnenaufgangs mit auf der Bergspitze bestaunten.
Nach etwas mehr als 30 Minuten ging es dann an die Abfahrt.
Den gleichen Weg, den ich mich gerade noch hochgequält hatte, ging es nun im Eiltempo hinab. Bis zu 76 km/h zeigte mir das Garmin an – trotz beider Hände an den Bremshebeln, weil hier und da doch auch Wanderer den asphaltierten Weg zum Abstieg nutzten.

Unten in Schierke sammelte sich die Gruppe dann und radelte gemeinsam nach Wernigerode.
Von dort nahmen die Teilnehmer:innen andere Ziele in Angriff: Manche schnappten sich den Zug von Wernigerode aus. Nach einer kurzen Pause an der Tankstelle nahmen ein paar den Zug in Hettstedt in Angriff. Vier Menschen entschieden sich für die Rückfahrt mit einem Bogen in den Norden nach Halle.
Ich hatte meine Rückreise davon abhängig gemacht, wie ich mich nach dem Brockenaufstieg fühlte.
300 Kilometer am Stück traute ich mir zu – nur hatte ich eine solche Strecke bisher nicht in Kombination mit einem solchen Anstieg absolviert. Unten in Wernigerode entschied ich mich dann, allein nach Hause zu radeln und nahm die 120 Kilometer mit guter Mitsing-Musik auf den Ohren in Angriff.
Das Wetter schlug gegen 8:45 dann von freundlich um – ein kurzes Gewitter überdauerte ich unter einer Kastanie bei Meisdorf. Schon davor nahm nach einer wirklich recht ruhigen Nacht der Wind mächtig an Kraft auf. Zu meinem Glück allerdings drückte er nicht von vorn, sondern tatsächlich meistens von hinten.

Die Kühle war indes gut – mit meinem Windbreaker an war alles wieder bestens. Gegen 11 Uhr kam dann auch die Sonne wieder raus.
Ich machte noch zweimal kurz 10 Minuten Pause auf dem Weg nach Hause und traf gegen Mittag Zuhause ein.
Diesmal verstrichen für die 310 Kilometer (80 Meter weniger als letztes Jahr Midsommar) insgesamt 17 Stunden und 10 Minuten – vier Stunden mehr als letztes Jahr. Allerdings haben wir auch deutlich mehr Pausen gemacht und natürlich braucht der Aufstieg in die Berge Zeit. Ohne Standzeit lag meine Durchschnittsgeschwindigkeit bei 25,6 km/h (0,9 km/h langsamer als 2025), womit ich wirklich total fein bin.
Wie schon letztes Jahr geschrieben ist die Reise auf dem Fahrrad durch die Nacht sehr besonders. Die Ruhe, der Schein der eigenen Lampe.
Die zwei kritischsten Situationen waren tatsächlich eine Wildschweinfamilie, die kurz vor uns über die Straße stürmte. Und eine Gruppe leicht angetrunkener Männer, die in einem Dorf hinter einer scharfen Linkskurve auf der Straße saßen/lagen.
Natürlich ist das Fahren in der Gruppe Nachts nochmal anspruchsvoller. Als Verein, der aber regelmäßig auch Social Rides an Abenden veranstaltet, war aber jede:r geübt und daher auch das gegenseitige Vertrauen da. Das schweißt auf andere Art zusammen. Und auch, wenn das kein so ruhiges Erlebnis war, wie meine letztjährige Midsommar-Tour, so werden von dieser Tour trotzdem auch wieder Erinnerungen im Kopf bleiben. Anders, aber trotzdem geil.
Ich habe die Tour diesmal mit 2x 0,75 Litern mit jeweils 90g Carbs (44 g Maltodextrin + 36 g Fructose + ~1 g Salz) gestartet + 0,5 Liter mit Dextro-Isotrink. An den beiden nächtlichen Tankstellenstopps habe ich jeweils ein 0,5 Gatorade und eine 0,5 Liter Wasserflasche geholt. Am Morgen in Wernigerode habe ich dann 2 Laugenbrötchen mit Salami/Käse gegessen und mir eine dritte 90g Carbs-Flasche mit 0,5 Liter Wasser angemischt + eine weitere 0,5 Liter Gatorade. Dazu gab es auf dem Weg 2 Snickers (pro Tankstelle) und eine Rolle Haribo-Rollo.
Das wars. Ich kam damit sehr sehr gut durch die Nacht, hatte nie Hunger und immer Druck auf dem Pedal (zudem keine Magenprobleme). Laut Garmin habe ich 7,9 Liter "weggeschwitzt", und ich hatte das Gefühl, dass das gut sein konnte. 😅
Am Sonntag habe ich dann nach dem Ankommen Zuhause eine Stunde Mittagsschlaf gemacht und bin gegen 22 Uhr ins Bett gefallen.
Am Montag habe ich mich sehr fit gefühlt und keinerlei Beschwerden.
Prädikat: Mach ich wieder. 😉
Meine Route auf Strava & Komoot.

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22. Juni 2026
Am 24. Juni soll eine vom Familienministerium eingesetzte Expertenkommission ihre Empfehlungen zum Schutz von Kindern und Jugendlichen in der digitalen Welt vorstellen. Auf Basis dieser wird die Bundesregierung die Diskussion um ein Social-Media-Verbot für Kinder weiterführen. Nun warnen im Vorfeld 12 Institutionen – darunter AWO, Kindernothilfe, D21 sowie Bundeselternrat und Bundesschülerkonferenz – vor einem generellen Verbot. Digitale Räume seien „elementare Orte zur Kommunikation mit Freund:innen, Orientierung, Information, Unterhaltung und Vernetzung“. Statt eines Verbots fordern die Unterzeichnenden mehr Medienkompetenz-Bildung, Plattformaufsicht und das Durchsetzen bestehender Regeln. (Text aus meinem Newsletter)
Die Expertensicht ist nicht neu. Und wird von der Politik doch gern ignoriert.
Erst am Freitag habe ich dazu einen Beitrag geschrieben: The UK Has Taken the Easy Route by Banning Social Media.
Im Grunde schreiben AWO und Co. auf, was auch meine Argumente gegen ein Verbot sind: Wir brauchen "Medienkompetenz vor 8" in der ARD, Broschüren bei Elternabenden und zeitgemäßen Unterricht an Schulen, der nicht auf Basis engagierter Lehrer:innen passiert, sondern Zeit im Lehrplan hat. Wir brauchen nicht „Denkt doch einer an die Kinder“-Panikmache, sondern eine Durchsetzung bestehender Regeln gegenüber den Plattformen. Und wir müssen die Plattform-Haftung ändern. Plattformen, die Inhalte mithilfe von Algorithmen neu sortieren haben in einer gewissen Art haftbar zu sein. So, wie auch TV Sender nicht jeden Mist ausstrahlen dürfen.
Ich bin mittlerweile überzeugt, dass uns die CDU ein Social-Media-Verbot für Kinder einbrocken wird.
Spätestens Herbst werden wir einen entsprechenden Gesetzesentwurf sehen, egal wie der Bericht der Experten am Mittwoch ausfallen wird. Egal, was Experten und Kinder sagen. Solange sich Unwissen mit einer starken Meinung paart und zu solchen Umfrageergebnissen führt, lässt sich gut Politik machen: „In der Gruppe der Haushalte, in denen Kinder leben, sowie unter den Befragten im Alter von mindestens 60 Jahren fordern jeweils 60 Prozent ein Verbot. Bei den 18- bis 29-Jährigen sind es nur 51 Prozent und damit deutlich weniger - aber immer noch die Mehrheit”.
Privat bin ich von einem Verbot nicht mehr betroffen – meine Kids sind ab August alle volljährig. Aber mich fuchst, wie sich hier weitgehend Unwissen mit Populismus und einfachen Lösung mit langfristigen Konsequenzen (Alterskontrolle im Web) unter Ausblendung der Realität (…suchen sich Jugendliche eben andere Plattformen; WhatsApp soll nicht verboten werden, bietet aber mit Channels etwas an, dass sich bei Jugendlichen fragwürdiger Beliebtheit erfreut) gepaart wird.
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19. Juni 2026
Ist das eine Blase?
SpaceX will einen Code-Editor (mit ein bisschen KI-Gewusel) für 60 Milliarden US-Dollar kaufen.
Und OpenAI vebrennt im Jahr 2025 insgesamt 34 Milliarden US-Dollar, generiert aber gerade einmal 13 Milliarden an Einnahmen.
Alles gut.
Zum Vergleich die Liste der größten Unternehmensübernahmen – in der taucht übrigens Elon Musks Taschenspielertrick von "SpaceX übernimmt xAI für 250 Mrd" auf Platz 3 auf.
19. Juni, 07:51 Uhr ↦
18. Juni 2026
17. Juni 2026
16. Juni 2026
„Die Regionalzeitungen haben nicht die Ressourcen, die Digitalisierung zu umarmen”, sagt Rainer Esser, frühere Geschäftsführer der Zeit.
Ich halte das für eine Binsenweisheit. Wer es schafft einen Redaktionsschluss mit Print und Auslieferung zu organisieren, kann auch online machen. Was Verlage bis heute nicht verstanden haben: Dass lokaler Journalismus über Community und Leserbindung vor Ort funktioniert und nicht über "Abverkauf". Das Bedürfnis von Lesern, zu wissen, was vor der Haustür passiert ist nicht plötzlich abhanden gekommen. Statt einen fetten Mantel aus dem Einheitsbüro zu produzieren und seine Seite mit Nachrichten vollzustopfen, die Leser:innen sowieso andernorts besser bekommen, sollten sich Regionalzeitungen auf das konzentrieren, was ihr Alleinstellungsmerkmal ist: Lokale Verbindungen und Nachrichten.
Und dann lauert da noch ein anderes Problem: Jede lokale Zeitung die stirbt oder ihren Job nicht gut macht, öffnet die Lücke nach rechts.
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Könnte direkt aus einer Parallelwelt kommen, in der die Tech-Geschichte vor 40 Jahren eine andere Abbiegung genommen hat: Commodore ist zurück und bringt ein Klapp-Dumb-Phone namens Callback raus.
Nein, kein Scherz – auch, wenn die Bilder auf der Webseite so wohlklingende Namen wie „Screenshot-2026-06-16-at-00.47.02-1024x580.png” haben …

Wer sein Daumen und Ohr an das Retro-Phone schmiegen möchte, der muss immerhin 430 Euro auf den Tisch blättern. Was ungefähr 300 Euro mehr sind, als ich für sowas als Gag auf den Tisch legen würde. Dafür kann man zwischen vier Farben wählen – wobei natürlich einzig und allein beige die richtige Entscheidung. /via
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15. Juni 2026
Großbritannien macht ernst: Wie erwartet hat der britische Premier Keir Starmer ein Social-Media-Verbot für Unter-16-Jährige angekündigt und bezeichnet es als weitreichendstes weltweit. Als Vorbild dient Australien – aber mit „Plus“, so Starmer. (BBC, TechCrunch)
Betroffen sind alle großen Plattformen: TikTok, Instagram, YouTube, Snapchat, Facebook und X. Messenger wie WhatsApp und Signal sollen ausgenommen werden. Anders als in Australien sollen auch KI-Chatbots künftig nur noch für Volljährige erreichbar sein. In Kraft treten sollen die Regeln im Frühjahr 2027, dazu muss die Medienaufsicht Ofcom nun jedoch ein System zur Altersverifizierung aufbauen.
Die Regierung begründet den Schritt mit Suchtmechanismen, Mobbing und schädlichen Inhalten. Sie beruft sich auf eine Konsultation, in der über 83 % der teilnehmenden Eltern die Risiken höher gewichteten als den Nutzen. Befragte Jugendliche selbst wünschten sich laut Regierung primär mehr Schutz statt eines pauschalen Verbots. Offenbar gewichtet die Regierung jedoch das Anliegen der Eltern höher. (Sky)
Nicht nur von Jugendlichen gibt es Gegenwind: Plattformbetreiber reagierten wenig überraschend mit Ablehnung. Gleichzeitig wirbt Starmers Regierung bei der Trump-Administration aktiv um Rückendeckung – das Gesetz schütze Kinder und sei kein Angriff auf US-Tech. Trumps Regierung hatte Starmer vor einer Woche bereits vor einem Gesetz gewarnt. Und Elon Musk nannte das Vorhaben ein Zensur-Gesetz. (Guardian, Sky)
Vorbild für Großbritannien ist Australien, wo ein Verbot seit Dezember 2025 in Kraft ist. Nach wenigen Monaten zeigt sich dort, wie schwer die Durchsetzung ist. Laut Erhebung nutzen im März 2026 noch rund 61 % der zuvor aktiven Jugendlichen die eigentlich gesperrten Plattformen. Bei Eltern bleibt das Verbot dennoch beliebt, auch wenn Fachleute zweifeln, ob ein pauschaler Bann überhaupt wirkt. (Sherwood)

Für alle, die jüngere Zielgruppen ansprechen, wird die Frage nach Reichweite und Plattformwahl zunehmend zur Strategiefrage. Auch innerhalb der EU gibt es seit Monaten Diskussionen um ein Social-Media-Mindestalter. Zuletzt hatte die irische Regierung angekündigt, die kommende EU-Ratspräsidentschaft für eine stärkere gesetzliche Regulierung sozialer Netzwerke nutzen zu wollen. (heise)
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14. Juni 2026
The text is not the product – zumindest, wenn man Hausarbeiten und -aufgaben und Arbeitstexte schreibt. Deshalb macht es keinen Sinn, sie durch KI erstellen lassen. Denn sie sind vielmehr ein Arbeitsmittel – zum denken, urteilen und für eine Sache einstehen lernen. „AI wirkt nur dann bedrohlich, wenn man glaubt, das Ziel sei der fertige Text und nicht der Mensch, der sich durchs Lesen, Umschreiben und Scheitern bildet.“, schreibt Gerald Hensel in der aktuellen Ausgabe seines immer empfehlenswerten Newsletters.
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