„Ich vermisse es, richtig nachzudenken“
Wann hast du zum letzten mal richtig hart nachgedacht?
Eine Unsitte geworden ist ja, dass alles, was ein bisschen Hirnschmalz erfordert, mittlerweile von KI wiedergekäut wird. Den Satz "Ich hab' mal ChatGPT gefragt" kann ich nicht mehr hören – vor allem nicht im Arbeitskontext.
Klar werde ich bezahlt, um Powerpoints zu bauen. Und einen noch mehr erfundenen Job gibt es ja nicht, als den eines Strategen. Aber Hey, du bezahlst mich vor allem fürs nachdenken – nicht das, was auf dem Slide steht, sondern die Denkarbeit davor!
Und selbst mit KI ist's noch immer die Kopfarbeit, ob es sein kann und was damit anzustellen ist.
Nachdenken ist einfach nicht mehr cool. Das zieht sich mittlerweile durch alle Branchen. Beispielsweise im Coding: Vibe Coding ist ja cool, aber es bringt niemanden von uns weiter – weil das reinnerden in Probleme und das Erschaffen echter kreativer Lösungen für (technische) Probleme nicht von der KI geleistet werden kann: I miss thinking hard.
… und man verstehe mich nicht falsch.
Im beruflichen Kontext liebe ich die Vorzüge der KI, wenn sie mir exakt sagen kann, wo ich etwas gelesen habe, Kontexte schaffen kann, synthetische Audiences Antworten auf Fragen geben können, … Jaja, alles gut. Das ist aber eben auch, weshalb ich KI aus gewissen Aspekten meines Schaffens und meines Lebens raushalten will. Weil ich es genauso liebe, nachzudenken.
Update
- Felix "formt" Gedanken eher über Zeit – und ich funktioniere vor allem bei Kreativ- und Strategie-Fragen ebenso; meine Working-Decks sind lebende Objekte die sich wie Knetmasse mit der Zeit entwickeln; "hart" nachdenken tue ich eher, wenn die Deadline drückt 😂
Verstehe ich gut. Bei mir stelle ich fest, dass die Beschäftigung mit KI generell nachlässt. Die ursprüngliche Begeisterung und Ernüchterung gewichen. Nicht unbedingt, weil ich die Leistungen kritischer einschätze, sondern weil mich die Nebenwirkungen stärker beschäftigen.
Ob die Mehrheit zu dieser Erkenntnis auch kommt? Es wäre zu hoffen ...