Ein letztes Wetten, dass…?!

Ein schneller, emotionaler Kommentar mit langen Sätzen.

Mit der gerade beendeten letzten von Thomas Gottschalk moderieren „Wetten, dass…?!“-Sendung verlässt der große Samstagabend-Showdinosaurier die Bühne. Leider verabschiedet sich allerdings nur die Show, nicht auch Gottschalk selbst.

Wetten, dass…?! war auch für mich über Jahrzehnte hinweg die Definition von Samstagabend und in Social Media eines der wenigen Live-Events, die eine Nation gemeinsam vor den Fernseher und Computer-Monitor brachte. Diese letzte Show wollte ich echt gut finden. Ich wollte die Nostalgie umarmen, in ihr baden, … Doch wer wirklich noch einen Beweis brauchte, dass die Sendung und am Ende auch Thomas Gottschalk wirklich über dem Zenit sind, der schaue bitte nochmal in Ruhe die Show von heute.

Denn da war leider echt vieles dabei, was zum Fremdschämen war. Sein Umgang mit zwei Gabelstapler-fahrenden Kandidatinnen oder Shirin David sind nur die Krönung eines Abends, der genug Anschauungsmaterial dafür bot, was man in einer aufgeschlossenen Gesellschaft 2023 vielleicht nicht mehr tun sollte. Nicht, weil es verboten sei. Sondern, weil Anstand, Respekt und Anteilnahme heute einfach sensibler und anders definiert, gezeigt und gelebt werden (sollten).

Dass Gottschalk am Ende der Show dann tatsächlich noch unterbringt aufhören zu „müssen“, weil er – Zitat – „Zuhause anders rede, wie im Fernsehen“ und damit implizit sagt, der dürfe im TV nicht mehr alles sagen – das ist das Sahnehäubchen auf eine Sendung, in welcher der alte weisse Mann zwar behauptete Feminist zu sein, aber sehr deutlich zeigte, dass er weder sein Verständnis gegenüber Frauen noch dem gegenüber den Jungen unter dem Leitbild einer offenen Gesellschaft von 2023 angepasst hat.

Sich zudem in Deutschlands noch immer erfolgreichster Sendung in einer aufgeheizen Stimmung hinzustellen, in der genau solche Kommentare eine von rechts-populistischen Medien getriebenen Debatte über Genderverbote und Meinungsfreiheit fehlleiten, ist nicht nur frech. Es ist Benzin im Feuer und eine Aberkennung von Fortschritt. Gottschalk selbst war mal stolz darauf progressiv zu sein und die Alten herauszufordern. Nun aberkennt er genau das den Jungen und Wilden von heute für sich in Anspruch zu nehmen.

Abgesehen vom Inhalt hat sich das ZDF produktionstechnisch übrigens nicht mit Ruhm bekleckert. Audio- und Regiefehler waren einer solchen Show nicht würdig; da zeigen Produktionen aus jüngeren Studios wie der Florida TV mehr Herz, Seele und technische Leistung.


Text vom: 26.11.2023, 00:00 Uhr

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