Das Finanzministerium überlegt, ob Geschäfte neben Bargeld auch eine digitale Bezahlmöglichkeit anbieten müssen. Im Deutschlandfunk spricht sich Manfred Kloiber hingegen für eine Bargeld-Pflicht aus – und führt statt Beteiligung und Wahlfreiheit den guten alten „gegen Digitalzwang“ und „für anonyme Zahlungen“ an.
Das Problem ist doch Folgendes: Wenn wir Flüchtlingen und demnächst wohl am Liebsten auch anderen Hilfeleistungs-Empfängern eine Digitalpflicht in Form der Bezahlkarte aufdrücken, dann müssen wir sicherstellen, dass sie die Freiheit haben, Dienste und Waren eben auch digital bezahlen zu können.Dann wird nämlich der „Karte ist zu teuer“-Eisdielenmonopolist am Spielplatz, der „Nur Barzahlung“-Friseur in der Kleinstadt und der „Erst ab 10 Euro“-Imbiss am Wanderweg schnell zu einem Ausschlußverfahren an gesellschaftlicher Teilhabe.
Ich habe dieses Jahr übrigens exakt nur 2x Bargeld gebraucht: für die Elbfähre in Sachsen-Anhalt, weil Brücken nicht vorhanden und Kartenzahlung nicht verfügbar waren. Nervt mich, weil ich für eine essentielle Dienstleistung keine Wahl habe.
Ich will Bargeld nicht abschaffen. Aber Unternehmen sollten dort keine freie Wahl mehr haben, wo ich als Bürger keine freie Wahl haben: Bei der einzigen Bäckerei im Ort, einem unvermeidlichen Beförderungsangebot oder dem einzigen Imbiss am Wanderweg. Beim Buchladen um die Ecke ist mir doch egal, ob der Karte nimmt – wenn der keine digitale Zahlungsmöglichkeit hat, mache ich halt das was er hasst: Bei Amazon bestellen.
Der Markt regelt an den Plätzen, an denen ich als Konsument eine Wahl habe.
Wenn ich die aber nicht habe, wird‘s schwierig.
Neulich stritt sich jemand auf Threads mit mir, weil so ein Kartenterminal ja schließlich Geld koste.
Taub wurde er plötzlich, als ich erwiderte, dass Unternehmen gern vergessen, dass auch Bargeld kostet – Arbeitszeit zum zählen, Sicherheit der Mitarbeiter beim zur-Bank-bringen, Bargeldeinzahlungen bei vielen Banken mittlerweile ebenso.
Nicht-Bargeld-Zahlungen zu ermöglichen bedeutet nicht, Bargeld abzuschaffen.
Ein Café, das nur Karte nimmt ist mindestens genau so doof wie ein Café, das nur Bargeld nimmt. Die Realität ist heute eben eine duale.
Den Vorstoß des Finanzministeriums finde ich deutlich okayer als das ewige Verteidigen von Bargeld. Und na klar brauchen wir Bargeld. Nicht nur aus Gründen der Anonymität (wobei das imho wirklich das schwächste aller Argumente ist). Kleineren Kindern Taschengeld zu ermöglichen, Obdachlosen eine Möglichkeit zum Bezahlen (so bitter das ist und klingt), etc. sind deutlich stärkere Gründe. Aber das mag jedem selbst obliegen zu beurteilen.
Ich für mich habe vor einigen Jahren beschlossen, dass ich Bargeldfrei leben will. Andere werden vom Staat dazu gezwungen. Und wieder andere sind das ganze Gegenteil davon. Beiden Gruppen sollte ermöglicht werden zu leben. Es geht nicht darum, „gegen“ etwas zu sein. Oder das eines schlechter ist als das andere. Nur sollte niemand ein Nachteil daraus haben.
3 Kommentare
Wir haben vor zwei Jahren einen Euro-Betrag in dänische Kronen getauscht. Das Briefchen mit diesem Bargeld liegt noch ungeöffnet da, weil wir schon vor zwei Jahren und auch nach unserer diesjährigen Reise nach Dänemark ausnahmslos alles digital bezahlen konnten (muss ich demnächst mal bei der Bank zurücktauschen). Auch in Frankreich, wo wir allein dieses Jahr mehrmals waren, ist digitale Zahlung lückenlos gelungen, kein Bargeld nötig, ohne Einschränkungen.
#Deutschland ist da mal wieder nicht auf der Höhe der Zeit.
Und ich sehe das wie in Deinem Beitrag: Bargeldzahlung kostet für Händler auch Geld. Zusätzlich die Akzeptanz für digitale Zahlungen zu schaffen, ist auf den Gesamtumsatz gerechnet auch für kleine Geschäfte heute nicht mehr so kostspielig wie früher, auch, dank neuer Anbieter aus dem Fintech-Bereich, die den etablierten Kreditkartenunternehmen mit günstigeren Angeboten die Preise verderben.
Absolut; ich fliege seit einigen Jahren regelmäßig nach UK (zeitweise jeden Monat für eine Woche) und hatte noch nicht eine einzige Pfund-Note in der Hand 😅 … gleiches jahrelang mit Ungarn. Und dann stehst du hier in München oder Berlin im Café und dir wird gesagt: "Nur Bargeld". Vollkommen absurd und auch die Gründe sind es imho.
#Vorweg: Bargeld lacht. / Neben den Kosten beim Zahlen, die Du angesprochen hast, gibt es die Kosten bei der Anschaffung von Karten. Wer beispielsweise mal eine kleine oder große Pleite hingelegt hat, der tut sich ggf. nach wie vor schwer damit ein Bankkonto oder bestenfalls ein günstiges Bankkonto mit ebenso günstiger Karte zu erhalten. Während Du als Empfänger eines regelmäßigen Einkommens kostenlose Karten hinterher geworfen bekommst, musst Du Dir als Sozialhilfeempfänger mit mieser Kontoverbindung Gedanken über anfallende Zusatzgebühren (beispielsweise bei der dritten Bargeldabhebung im Monat) beim Einsatz der Karte machen...🦌
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