Mit der zweiten Staffel von „Inside CDU“ liefert das ZDF erneut tiefe Einblicke in die Innereien der „großen deutschen Volkspartei“. Und während ich die vier Episoden so schaue, frage ich mich permanent: Wer hielt das bei der CDU eigentlich für eine gute Idee?
Die Doku ist ein nicht endender Quell von Momenten, in denen sich politische Floskeln, unangenehme Cringe-Momente, Meme-Vorlagen und WTF-Aussagen aneinanderreihen.
Das ist journalistisches Gold, dass nicht genug Aufmerksamkeit erhält, um ehrlich zu sein.
Oder ist im politischen Berlin mittlerweile eine solche Abgestumpftheit vorhanden, dass man nicht mehr sieht, wie entkoppelt von der Wirklichkeit die CDU da agiert?
Da gibt es Szenen, nach denen möchte ich duschen.
Wie Philipp Amthor im Bundestag-7er sitzt, mit einer Glasflasche Wasser im Anzug und erzählt, man müsse die Verbindung zur Basis finden. Wie er sich durch CDU-Feste cringed. Wie er nach seinem Einzug ins Bundeskanzleramt als – in der Doku-Abfolge zumindest – eine der ersten Amtshandlungen einen Strandkorb auf den Balkon stellen lässt.
Wie der CDU-Kandidat in Sachsen-Anhalt, Sven Schulze, in einem anhaltinischen Kaff vor fünf Schwarzen steht, die „Bürgerarbeit” tun und dabei Kolonial-Vibes versprüht. Auch wird eine Sitzung gefilmt, in der Sven in einer Runde alter weißer Männer sitzt und sich für sein Wahlplakatmotiv entscheidet – eine Szene, in der ich als Marketing-Mensch sterben will, weil die Entscheidungen mit einer Hemdsärmeligkeit auf Basis von „meine Frau findet das gut”-Aussagen getroffen werden.
Da ist Carsten Linnemann, der Dinge erzählt, die er nicht vor Kameras erzählen sollte. Beispielsweise, dass Friedrich Merz ihm bei der Auswahl zum Gesundheitsminister im Grunde die Waffe auf die Brust gesetzt hat, und ihm gar keine Wahl ließ – wer braucht schon Kenntnisse oder wenigstens Ambitionen?
Am Schockierendsten aber ist, wie deutlich klar wird, dass diese Sammlung unsympathischer weißer Männer nicht verstehen, was außerhalb des Konrad-Adenauer-Hauses passiert. Wie unbeholfen das alles ist. Visionslos und frei von jeglichem handwerklichen Geschick.
Amthor und Linnemann floskeln sich durch diese Doku, dass die Balken krachen.
„Inside CDU“ ist, als schaue man einem Crashtest in Zeitlupe. Und das Auto ist die CDU.
Wild.
Staffel 2 über das letzte Jahr inkl. der letzten vier Landtagswahlen beim ZDF.