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Internet ist kaputt – Ausgabe #2

Der smarte Baustein von LEGO ist das Dümmste, das ich diese Woche gesehen habe. Ansonsten schauen wir auf Vorsätze und eine Doku über China.

 

'Internet ist kaputt' ist mein kleiner Beitrag zur Rebellion gegen die Enshittification des Internets. Hier ist, mit was ich meine Woche verbracht habe: Gelesen, Gesehen, Gehört. Du kannst per BlogRSSMail bei Steady oder Substack folgen.


Der smarte Baustein von LEGO ist das Dümmste, das ich diese Woche gesehen habe – okay, Moment. Lass mich das genauer erklären. In Las Vegas fand diese Woche die CES statt: Überall KI und Roboter. Die meisten Tech-Enthusiasten waren aber vom kleinen LEGO SMART Brick begeistert.

Ein richtiges Urteil wird man erst ab 1. März fällen können – dann gibt es die ersten Set; natürlich erstmal mit Star Wars-Thematik. Im Stein selbst stecken ein Chip, Sensoren für Bewegung, Licht und Geräusche sowie ein Mini-Lautsprecher. Außerdem blinken LEDs permanent und man kann ihn kabellos laden. Die Magie passiert dann, weil der Stein eben mit seinen Sensoren etwas feststellt und dank NFC-Tags in Fliesen und Minifiguren weiß, wie er darauf reagieren soll. So kann er dann "passende" Geräusche machen.

Und klar. Die Technik ist beeindruckend kompakt. Das alles funktioniert ohne Smartphone.
Aber wir müssen auch mal ehrlich sein: Eigentlich macht der Stein aktuell nur Geräusche. Und damit ist er recht dumm. Denn er ist vor allem nicht programmierbar - es gibt keine offene Schnittstelle, keine API, keine App, mit der du eigene Geräusche oder Reaktionen triggern kannst.

Für mich klingt das eher nach einem Kreativitäts-Killer. Technik um der Technik willen.
Die Modelle müssen sich dem Stein anpassen, weshalb sie zuweilen "unvollständig" wirken – denn der Stein muss ja Licht sehen, es braucht Platz, um die Tag-Fliesen einzusetzen … Und mal ehrlich: Wer nicht selbst schon "pew-pew-pew" mit dem Mund gemacht hat, der hat noch nie gespielt. Selbst als Erwachsener fliege ich das LEGO-Raumschiff hier nachts heimlich durch die Wohnung und mache Swoosh!

LEGOs ach so smarter Stein macht uns dümmer, erneut unkreativer und kostet dazu noch ein Heidengeld. Die neuen Sets für 9+ Jahre rangieren zwischen 70 und 100 Euro. Und ich frage mich, wie oft der Stein mit Sound wirklich zum Einsatz kommt, weil er Kreativität nicht herausfordert, sondern einschränkt.

Was smart gewesen wäre: eine programmierbare Plattform. Stattdessen kriegen wir einen Stein, der Sounds abspielt wie ein billiges Spielzeug aus den 90ern – nur eben mit modernen Marketing-Buzzwords. Fast ein Wunder, dass LEGO nicht noch irgendwo "KI" unterbekommen hat.
Die Möglichkeiten wären theoretisch unbegrenzt, bleiben aber verschlossen.​

Ich bin gespannt, was sich LEGO für seinen smarten Stein noch einfallen lässt … Für den Moment kann ich die Begeisterung der Tech-Reporter weder als Vater noch als Nerd und LEGO-Bastler irgendwie teilen. So nimmt LEGO nur ein Stück Fantasie-Arbeit ab und verkauft's als Innovation. Hui!

MEINE THEMEN DER WOCHE

1
Verwunderung: Geringere Geschwindigkeit in Städten schützt Menschenleben.
Immer wieder bin ich erstaunt, wenn wir allen Ernstes darüber diskutieren, für WAS wir eigentlich Städte bauen: Mit dem Auto durchfahren oder für das Leben von Menschen. Eine neue Studie aus 14 deutschen Städten zeigt nun jedenfalls, dass die flächendeckende Einführung einer Geschwindigkeitsbegrenzung von 30 km/h in Städten „ein erhebliches Potenzial haben, Innenstädte sicherer, gesünder und lebenswerter zu gestalten“ – ohne die Fahrtzeiten von Autos nennenswert zu verlängern.

2
Am 6. September wird in Sachsen-Anhalt gewählt. Ich wohne hier drei Kilometer hinter Leipzig auf der anhaltinischen Seite – bei der letzten Bundestagswahl besorgte der Landkreis 43 % für die blaue Partei. Gruselig. Das Dumme: Im Bundesland wird es im September in allen anderen Landkreisen ähnlich aussehen. Und die AfD rechnet fest damit: „Im Falle einer Regierungsübernahme würde die extrem rechte Partei Sachsen-Anhalt binnen kurzem in ein Labor für den autoritären Umbau der Gesellschaft verwandeln. Sie wird ausprobieren, wie weit man es auf Landesebene mit der Durchsetzung rechter Politik treiben kann“, schreibt David Begrich in der taz. Ich lebe seit 17 Jahren hier. Und ehrlich gesagt hab' ich ein wenig Angst.

3
"Weniger Screentime" dürfte der Vorsatz für so manchen von uns fürs neue Jahr sein. Mein persönlicher Vorsatz, um weniger Doom-Scrolling auf Instagram zu erreichen, ist recht einfach: kein Telefon mehr auf Toilette 💩. Klingt albern, aber check mal, wo du versackst … Ich nutze mein Handy tatsächlich nicht im Bett, die meiste sinnlose Zeit kam auf Toilette zusammen. Da liegt jetzt ein Buch. Und wenn du noch Hilfe brauchst: The Guardian hat ein paar Tipps und Buchempfehlungen für das Vorhaben!

4
Der Deutsche auf der Kante balancierend. Während sich ganz Deutschland vor der angedrohten Schneepokalypse mit Hamsterkäufen versuchte, vor dem drohenden Einschnei-Tod zu schützen, saßen in Berlin Menschen tagelang im Dunkel (und Kalten). Angesichts dessen könnte man überlegen: Was ist denn sinnvoll für solche Tage Zuhause zu haben? Preppen, ohne Prepper zu sein?
Da kann Thomas Wiegold helfen. In 'Schöner preppen, billiger preppen' verbloggt er eine einfache und kostengünstige Anleitung, wie man ein paar Tage abgeschaltet auskommt. Hilfreich.

5
Finde nur ich diese Seite toll, weil ich selbst einen Mittelspitz Zuhause habe? 😂 Enjoy!

DIESE WOCHE GELERNT

Als 'Birthday effect' wird ein statistisches Phänomen bezeichnet, wonach die Wahrscheinlichkeit, um oder am eigenen Geburtstag zu versterben, zuzunehmen scheint. Das Phänomen wurde in verschiedenen Ländern untersucht, wo sich immer leicht erhöhte Wahrscheinlichkeiten zeigten. Ein Grund dafür könnten psychologische Effekte, Alkohol oder aber einfach Anomalien bei der Datenverarbeitung sein.

ALS BUCH GELESEN

Diese Woche habe ich 100 Ways to Improve Your Writing von Gary Provost gelesen.
Ein kleines, schnelles Buch über besseres Schreiben. Im Gegensatz zu manch anderem US-amerikanischen Ratgeber verzichtet der Autor darauf, alles künstlich aufzublasen. In kurzen und knappen Kapiteln zeigt der Schreiblehrer mit vielen Beispielen, was man tun und lassen sollte.
Das Tolle an dem Buch: Man kann es immer wieder hernehmen und durchblättern, um sich zu erinnern. Provost liefert keinen augenöffnenden Ratgeber, sondern ein praxisorientiertes Handbuch mit Ausführungen zu Leitsätzen wie "Schreib für deinen Leser", "Mach es faktisch" oder "Zitiere richtig".
10 Tipps drehen sich auch um englischsprachige Grammatik, die restlichen 90 Tipps sind allgemeingültig und damit auch für deutsche Schreiber gut. Sprachlich bleibt Provost einfach verständlich – wer also hier und da mal englische YouTube-Videos schaut oder Texte liest, sollte keine Probleme haben.

GERADE GESEHEN

Zwei bemerkenswerte Dinge.

Ich habe die zweiteiligen Doku 'The Chinese Dream' geschaut. Darin begleitet das ZDF ein paar junge Menschen in China für 24 Stunden. Einen Tag und eine Nacht, die Einblicke in ein sonst noch immer recht abstraktes Land geben. Ein Land, in dem derzeit jeder fünfte junge Mensch arbeitslos ist. Und in dem es mehr Mut fordert, sich von den Traditionen der Eltern und gegebenenfalls auch den Vorstellungen des Staates lösen zu wollen.

Auf meine Watchlist wandert das hier: Ich habe 'Twin Peaks' noch nie geschaut. Gemeinhin gilt die Serie ja als Meilenstein und Kult. Bis auf den Pilotfilm habe ich allerdings noch nichts gesehen … Jedenfalls gibt es ab jetzt keine Ausrede mehr. Denn seit Donnerstag ist die Serie mit allen drei Staffeln bis Ende des Jahres auf arte.tv frei zum Streamen verfügbar.

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