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· 3 min. Lesezeit

JP

JP Performance ist Geschichte

Nachdem letzten Freitag öffentlich wurde, dass Jean Pierre „JP“ Kraemer seiner Frau gegenüber wohl regelmäßig gewalttätig wurde, mutmaßte ich schon: Er ist erledigt. Seine Marke JP Performance agiert seit Jahren nur noch um ihn herum – Kundenprojekte gibt es nicht mehr, alles basiert auf seinen täglichen YouTube-Aktivitäten.

Nun zieht Kraemer eine krasse Konsequenz: er macht all seine 18 Unternehmen mit 100 Mio. Euro Umsatz dicht.

Kein YouTube, keine Tuning, keine Klamotten, Wascheimer, … mehr. Deutschlands Vorzeige-Influencer-Imperium ist Geschichte.

In den letzten Tagen gab es viele Videos mit vielen Meinungen aus unterschiedlichen Ecken. Von der „JP Army“, die manches verteidigt bis hin zur Frau des Ex-Kollegen Sidney Hoffmann (der am Freitag einen Eisberg postete), die behauptete noch mehr Opfer zu kennen. Verteidigen empfinde ich dabei als mindestens so ungut wie aufspringen.

Es kann keine Verteidigung geben. Häusliche Gewalt ist die größte Gefahr für das Leben von Frauen. Schockierenderweise noch immer. Und ebenso schockierenderweise gibt es Arschlöcher wie Andrew Tate, die sowas gar verteidigen. Das ist ein No-Go. Wer sich nicht unter Kontrolle hat verdient kein Mitleid und keine Verteidigung.

Dass Kraemer jetzt aber tatsächlich den Schritt geht und sein gesamtes Firmenimperium dicht macht ist in seiner Endgültigkeit in diesem Moment aber für viele (auch sicherlich seit Freitag ehemalige) Fans ein Schock. Ebenso wie die Nachrichten am Freitag ein Schock waren. Das neue Video ist aber nicht nur ein „Bye“ und eine Bekanntmachung, ich würde auch behaupten, dass es ein Ausdruck der Überforderung von jemandem ist, der eigentlich immer alles unter Kontrolle haben will.

Schwierig.

Kraemer sah ich – als Auto-Enthusiast und Industrie-Marketing-Fuzzie, der ich bin – erstmals bei den „PS Profis“ und hab‘ seine Art immer gemocht. Ich steckte nicht so tief in seiner Fan-Blase – ab und an kam ein Projekt oder Video, an dem ich viel Freude hatte. Und ein Post zu einem Video vor sechs Jahren handelte mir ein bisschen Presse und die Bekanntschaft mit der „JP Army“ ein …

Trotzdem kam das ein oder andere Video noch in meine YouTube-Liste … Und mich lässt das, was da in den letzten Tagen um JP herum passiert ist trotzdem nicht unberührt. Weil er eine Figur war, die eben Spaß am Automobil vermittelte – harmlos, offen, freudig. Umso mehr führt einem der Fall nun erneut vor Augen, dass Kunstfigur und Künstler zwei unterschiedliche Dinge sind. Eine Diskrepanz, die in Zeiten para-sozialer Beziehungen noch schwerer zu akzeptieren ist, als zuvor schon.

Das Kapitel ist in der deutschen Presse sicherlich damit nicht abgeschlossen. Da kommen in den nächsten Tagen noch mehr Sachen. JP ist derweil auf den Bahamas bei seinem Vater. Mich würde nicht wundern, wenn er in die USA geht und dort eine Lücke findet. In Deutschland und erst Recht seiner Wahlheimat Dortmund wird es schwer für ihn werden. Und natürlich muss man sich um ihn als mutmaßlicher Multi-Millionär keine „Sorgen“ machen. Das ist aber ein komplett anderes Thema.

Hier geht aber ein Kapitel zu Ende. Ein wirklich großes über einen YouTuber, Influencer, Autoenthusiasten hinter dem sich viele, die Spaß am Auto haben versammeln konnten. Am Ende trotzdem Schade irgendwie … ganz ohne dabei die Opfer der Gewalt oder Mitarbeitenden vergessen zu wollen.

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