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· 2 min. Lesezeit

Wieso es keine gute Idee ist, Einsteigerjobs durch KI zu ersetzen

„Was richtig lustig wird in ein paar Jahren“, schrieb ich vor einer Weile mal im Angesicht der Schlagzeilen, dass KI die Einsteigerjobs wegfrißt. Jetzt hat sich jemand mal in einem Paper damit auseinandergesetzt und man kann Firmenlenkern nur zurufen: Lest es! Denn es wird gefährlich.

KI ersetzt derzeit vor allem eines: Einsteigerjobs in wissensbasierten Berufen.
Das wird ein Problem – schrieb ich schonmal. Immer gut aber, wenn die eigene Meinung mal von jemandem evidenzbasiert kontrolliert wird. Das hat Nolan Lovett von der NATO Special Operations University (NSOU) jetzt getan und ein Paper veröffentlicht, dass sich genau diesem Thema widmet.

Lovett geht es um den Wissensverlust innerhalb von Organisationen, wenn von unten keine Erneuerung von Wissen und eine rein faktenbasierte Weitergabe (per KI) erfolgt, ohne dabei die unausgesprochenen Regeln und Mechanismen weiterzugeben, die nur im Handeln und Lernen übernommen werden können. Über die Zeit geht damit nicht nur Wissen verloren, sondern etwas deutlich Wichtigeres. Johannes bringt es in seinem (sehr guten) Newsletter auf den Punkt:

Damit einher geht eine Erosion der substanziellen Validierungsfähigkeit– Menschen können die Ergebnisse der KI-Prozesse immer schlechter bewerten, der Validierungsanker erodiert.

Und damit haben Firmen – und letztendlich auch die Gesellschaft – dann zwei Probleme: Nicht nur hartes Wissen geht verloren, sondern auch die Fähigkeit mit Wissen umzugehen, die KI bewerten zu können und das Wissen auf neue Situationen anwenden zu können.

Das Erstaunliche: Jeder Handwerker weiß, dass wenn man Nachwuchs nicht (selbst) ausbildet, das Handwerk sterben wird.
Der Bäckermeister im Dorf wird nur überleben, wenn jemand aus dem Dorf dort seine Ausbildung macht und bleibt.
Im historisch gesehen jungen Bereich der digitalen und technologischen Jobs ist diese Erkenntnis noch nicht angekommen. Hier verfängt die Erzählung, dass jeder durch KI ersetzbar ist.

Lovett warnt. Die Erosion von Wissen und Handlungsfähigkeit wird in einigen Jobs institutionell abgefedert werden können und deshalb nicht auffallen. In anderen Bereichen wie Ingenieursaufgaben etc. wird sie in wenigen Jahren zum massiven Problem. Einem, dass dann nicht nur Firmen haben, sondern wir als Gesellschaft.

Einstiegs- und Junioren-Stellen sind kein reiner Kostenfaktor. Sie sind eine Schlüsselrolle für das wirtschaftliche und gesellschaftliche Überleben:

By eliminating entry-level positions, organizations prioritize efficiency while socializing the costs of diminishing knowledge.

Ich bin wirklich gespannt, wann diese Erkenntnis in Firmen dringt.
Firmen agieren gern von Jahresabschluss zu Jahresabschluss. Behaltene Millionen, weil man Praktikanten und Junioren einspart, sehen aktuell gut aus. Und lassen nicht erahnen, welches Problem man da gerade aufbaut – weil man das Fundament des eigenen Erfolgs abträgt.

2 Kommentare

  • Kalle – vor 47 Minuten

    Beispiel IT: Die aktuellen Uni-Abgänger finden nur noch schwer eine Stelle als Junior ITler, weil man das, was sie können, ja eh glaubt, in Kürze durch KI ersetzen zu können. Aber nur Junior ITler, die im Job lernen können, werden in ein paar Jahren zu Senior ITlern, wenn die nächste Generation in Rente geht. Ohne Senior ITler fehlen dir aber dann die Fachleute, um das zu validieren, was die KI ausgeworfen hat. Dann wird's düster.
    Aber Weihnachten kommt auch jedes Jahr voll überraschend.

    #Antworten
    • Thomas Gigold – vor 1 Stunde

      Exakt so. :)

      #

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