„Bis wann willst du in Rostock sein?“, fragt der Wortführer der drei Herren, die Bier trinkend an der Fähre in Barby sitzen.
„Heute Nacht, sechs Uhr. Sind noch 280 Kilometer.“
„Mit dem Fahrrad?“. Ich sehe, wie drei Gesichter entgleisen.
„Ich weiß. Ist ein bisschen dumm“, antworte ich. Denn genau das ist nach bereits 100 absolvierten Kilometern der Plan.
Aber gehen wir zum Anfang. Am Beginn dieser Geschichte steht nämlich ein MINI in Schweden.
Das Auto meines Schwagers, der vor 20 Jahren ausgewandert ist. Sein Auto, das Kind3 hier nun – nach hoffentlich bald bestandener Führerscheinprüfung – künftig fahren darf. Einziges Problem: jemand musste den MINI aus Schweden abholen. Jemand mit einem bereits gültigen Führerschein. Und der war eben ich.
Was uns zur Frage führte: Wann komme ich denn nach Schweden? Und wie?
Mit dem Zug wäre ich zwei langweilige Tage unterwegs. Also erwuchs in mir die Schnapsidee, ich könnte auch einfach in drei Tagen mit dem Fahrrad fahren. 650 Kilometer. Von unserem Zuhause nahe Leipzig in das kleine schwedische Dorf, in dem der andere Teil der Familie wohnt.
Aus der Schnapsidee wurde eine Fährbuchung. Und mit ihr ein Commitment – wie man so schön auf Neudeutsch sagt. Eine Verpflichtung. Primär mir gegenüber, denn alle anderen schüttelten erst nur den Kopf. Prahlten dann bei ihren Arbeitskolleg:innen (während ich es nur zwei Personen außerhalb der Familie erzählte: meinem Personal Trainer und einem Freund) und fieberten schließlich per „Wo ist?“ und WhatsApp mit …
Hat’s geklappt?
Ein Bericht.

Vorbereitung
Der Plan: die ersten rund 360 Kilometer bis Rostock in einer Tour bewältigen. Zweimal bin ich bisher über 300 Kilometer am Stück gefahren – diesmal kämen knapp 50 Kilometer obendrauf. Dann mit der Fähre nach Schweden. Dort in zwei Tagen jeweils 150 Kilometer.
Meine Überlegung: auf der Fähre schlafen und dann in Schweden (dort gilt das Jedermannsrecht) in einem Wald-Shelter. Dafür hatte ich mir extra Schlafsack, Biwaksack und Isomatte zugelegt – du findest sie auf meiner aktualisierten Gear-Liste.
Neben dem „Campingzeug“ (in der ‚Arschrakete‘ am Rad) hatte ich Wechselklamotten, zwei Akkupacks, Windbreaker und Verpflegung dabei. Auf Regenjacke und Co. habe ich verzichtet, weil es warm und trocken bleiben sollte.
Meine Verpflegung bestand primär aus einem Glucose-Fructose-Mix im Verhältnis 1 zu 0,8, den ich als Pulver abgefüllt mit mir führte. Zusätzlich trug ich eine 1,5-Liter-Trinkblase im Rucksack, um Wasser und Zuckergemisch getrennt zu halten. Auf dem Weg nach Rostock war das meine Hauptversorgung, in Schweden ergänzte ich sie mit Zimtschnecken und Wienerbrød.
Tag 1
Am Donnerstag um 12 Uhr geht es los.
Ich schwinge mich aufs Fahrrad und starte mit etwas Seitenwind Richtung Norden.
360 Kilometer stehen auf dem Plan. Dafür habe ich 18 Stunden Zeit – denn um 6 Uhr morgens muss ich in Rostock am Fährhafen sein. Um 7:30 Uhr legt die M/S Skåne ab – hoffentlich mit mir an Bord.

Über Köthen geht es zur Elbfähre, die ich nach 73 Kilometern erreichen will. Dummerweise habe ich zwar meine Route sehr gut geplant und mir Tankstellen und Supermärkte entlang der Strecke aufgeschrieben – aber versäumt zu schauen, welche Elbfähren überhaupt fahren. Der Sommer nämlich ist heiß, und nicht nur der Rhein leidet unter Niedrigwasser.
Rund 5 Kilometer vor der Fähre verkündet ein Schild: Gesperrt.
Kurz fluche ich über meine Dummheit. Andererseits muss ja irgendwo eine Fähre fahren. Die Besonderheit der Flusslandschaft zwischen Halle und Magdeburg ist die breite Abwesenheit von Brücken – Fähren über Saale und Elbe sind Alltag.
Also wähle ich die Fähre in Barby an. Ein kurzer Umweg – falls die Saale-Fähre in Groß Rosenburg fährt. Was sie dummerweise nicht tut: 1500 Meter vor der Fähre verkündet ein Schild: Gesperrt. Also muss ich wieder Richtung Süden – über Calbe geht es nach Barby. Insgesamt 25 Kilometer und, wegen der Routenplanung, etwas mehr als eine Stunde kostet mich meine Dummheit.
Noch ist alles okay, weil ich für meine Strecke rechnerisch (basierend auf früheren Fahrten) nur 16 Stunden brauche, aber 18 habe.
Unterwegs halte ich kurz an einem Edeka, fülle Wasser auf, verstaue einen Red Bull und eine Cola im Trikot und schwinge mich wieder aufs Rad.
In Barby steht die Fähre auf der anderen Uferseite – aber sie fährt. Während ich warte, sprechen mich drei Herren an und der eingangs wiedergegebene Dialog entwickelt sich. Wir reden noch ein wenig, bis die Fähre wieder auf meiner Seite ist und ich übersetze.
Wenige Kilometer danach bin ich wieder auf meiner geplanten Strecke. Über Möckern, Jerichow, Havelberg und Pritzwalk geht es nach Plau am See. Zwischendrin ein zweiter kurzer Stopp: Sushi, Melone, noch eine Cola und Wasser für die Nacht.
Dann geht es weiter. Und immer mal wieder fluche ich über mich. Denn was ich neben den Fähren ebenfalls nicht geprüft habe: Sperrungen öffentlicher Straßen.
Bis Rostock stellen sie sich mir insgesamt viermal in den Weg. Vollsperrungen. Zum Glück liegen zwei davon in Dörfern, in denen der Gehweg noch begehbar ist. Und mittlerweile ist es nach 20 Uhr, weshalb auf den beiden kilometerlangen Landstraßen-Sperrungen – beide wegen neuem Asphalt – niemand mehr arbeitet. Pures Glück: Eine Umfahrung hätte mich so viel Zeit gekostet, dass meine Fähre außer Reichweite gewesen wäre.
Ich lerne. Nach sechs Jahren Radfahren immer noch.
Bei Plau am See knacke ich die 300er-Marke.
Hinter Krakow am See verlängert jeder Kilometer, den ich jetzt fahre, meine längste jemals am Stück geradelte Strecke.
Die Nacht ist ruhig, lau und sternenklar.
Vier Sternschnuppen vergehen vor meinen Augen. Drei-, viermal raschelt es aufgeregt neben mir im Gebüsch.
Ich liebe es, zu dieser Zeit unterwegs zu sein. Diese Ruhe.

In den Niederungen zwischen den Feldern wird es mitunter bitterkalt. Ärmlinge und Windbreaker kommen zum Einsatz, kurze Hosen reichen trotzdem.
Zwei Stunden vor dem Ziel schaltet mein Frontlicht in den Stromsparmodus, obwohl es die ganze Zeit an der Powerbank hing. Eigentlich kann es strahlen und laden gleichzeitig – offenbar hat es bisher aber nur Strom verbraucht. Es lässt sich nicht überzeugen, wieder in den normalen Modus zu wechseln und zu laden. Ich vermute ein defektes Kabel – egal. Also mit 30 Prozent Helligkeit weiter. Es dämmert bereits, sichtbar bin ich auch mit einem Drittel Helligkeit. Wieder was gelernt: doppelt checken, ob die Lampe lädt.
Über Güstrow geht es nach Rostock.
Es rollt sich gut durch die Nacht. Auch wenn mir der Stress ein bisschen mehr im Nacken sitzt, als mir lieb ist. Um 6 Uhr muss ich da sein. 6:30 Uhr geht auch – aber allerspätestens; so weit will ich es nicht kommen lassen.
Gegen 5:40 Uhr erreiche ich die ersten Ausläufer von Rostock, die letzten 10 Kilometer bis zum Fährhafen ziehen sich wie Kaugummi.
Punkt 6 rolle ich aufs Fährterminal zu. Ich drängle mich am Check-in an der Autoschlange vorbei und frage am Schalter, ob ich hier oder bei den Fußgängern am Terminal einchecke. „Hier, und kommen Sie direkt – Radfahrer haben Vorrang, damit Sie nicht in der qualmenden Schlange stehen.“
Die Radfahrerin, die direkt hinter mir am Terminal ankommt, freut sich über die Nachricht, die ich ihr weitergebe, genauso wie ich …
382 Kilometer stehen am Ende auf meinem Garmin. Während der die Strecke auf Strava lädt, stehe ich mit sechs anderen Radfahrenden fröstelnd vor der Fähre, dehne mich in den ersten Sonnenstrahlen, verleibe mir den am Vorabend gekauften Fertig-Wrap ein und warte darauf, aufs Schiff zu dürfen.

Tag 2
Endlich geht es auf die Fähre von Stena Line. An Bord verzurre ich mein Bike, gehe auf die Toilette und in meine gebuchte Koje. Die Website von Stena Line verspricht öffentliche Duschen – die M/S Skåne allerdings hat keine. Also muss eine Katzenwäsche mit kaltem Wasser und den mitgebrachten Feuchttüchern reichen. 30 Minuten nach dem Auslaufen schlafe ich. Vier Stunden später klingelt mein Wecker. Anziehen, aufstehen, wach werden.
Um 13:30 Uhr legt die Fähre in Trelleborg an. Runter geht es – zur Überraschung der Radfahrenden – per Bus, der uns aber direkt am Tor absetzt.
Traditionell führt uns als Familie der erste Weg in Trelleborg zum ICA-Supermarkt. Zwei kurze Kilometer für einen heißen Kaffee, das Abendessen für heute, Wasser und eine Cola.
Danach schwinge ich mich für die zweite Etappe des Tages aufs Rad.
145 Kilometer – von Trelleborg nach Båstad.
Es geht Richtung Malmö, durch die Außenbezirke mit fabelhaften Radwegen. Nach 50 Kilometern mache ich einen 20-minütigen Powernap. Ich bin mir nicht sicher, ob ich mein Ziel heute erreiche – Geist und Körper wirken schwach. Aber der Powernap zündet noch einmal was. Richtung Hyllinge werden die Beine wach. Dort mache ich nach fünf Stunden nochmal einen Stopp: Ananas, Red Bull, Wasser nachfüllen, ein Baguette für heute Abend und zwei Zimtschnecken als Frühstück.

Dann geht es nach Båstad, und die letzten 10 Kilometer rollt es fast schon wieder frisch. Ich habe mir dort einen Shelter rausgesucht. Um 22 Uhr erreiche ich ihn. Vier andere Radler sind schon da, der Holz-Shelter ist voll. Damit hatte ich gerechnet: Ich suche mir eine flache Stelle, packe Biwaksack, Schlafsack und Isomatte aus, bringe meine Feuchttücher für eine weitere Katzenwäsche zum Einsatz und verspeise mein Baguette im Schlafsack sitzend unter freiem Himmel. Gegen 22:40 Uhr schlafe ich den Schlaf der Gerechten.
Es ist meine erste Nacht unter freiem Himmel. Mit 19 habe ich mal gezeltet – und jede Erinnerung daran verloren. Jetzt, 25 Jahre später, bin ich erschöpft genug, um das alles entspannt und erholsam zu finden. Erstaunlich ist die Stille – nur der Wind rauscht durch das Waldstück, in dem der Shelter liegt. Vögel oder andere Tiere höre ich zu meiner Überraschung nicht.
Tag 3
Um 9 Uhr soll mein Wecker klingeln. Um 8 Uhr bin ich wach. Die Mitcamper schlafen noch, ich lasse mein Hirn den Zustand meines Körpers abfragen. Die Rückmeldungen sind erstaunlich okay. Nur mein Dammbereich sagt: Lieber nicht noch einen Tag.
Ich lerne: Ich brauche nach fünf Jahren vielleicht doch mal neue Bibshorts.

Ich packe langsam und möglichst geräuschlos alles zusammen. Putze Zähne. Frühstücke meine Zimtschnecken und verabschiede mich nach ein paar gewechselten Worten von den Mitcampern.
Heute stehen 152 Kilometer auf dem Plan.
Das Ziel ist ein kleines Dorf in der Nähe von Svenljunga.
Während meine Route gestern recht häufig dem Sydkustleden und dem Kattegattleden folgte, rolle ich jetzt abschnittsweise auf dem Ätradalsleden. Die touristischen Radwege in Schweden schlängeln sich auf gutem Asphalt entlang befahrener Straßen. Wer der Route folgt, sollte jedoch auf Verpflegung achten: Supermärkte sind selten. Und Tankstellen in Schweden sind meist Selbstzapfanlagen ohne Shop. Also lade ich im Willys-Supermarkt, zwei Kilometer vom Shelter entfernt, genug Zeug für den Tag ein. Er ist auch ein prima Ort, um nochmal fix auf Toilette zu gehen …

Wie gestern mache ich nach 50 Kilometern einen 20-minütigen Powernap. Zwar ist es erst Mittag, ich habe aber das Gefühl, ihn zu brauchen.
Der Tag ist grau und kühl, ab und an nieselt es kurz – trotz gegenteiligen Wetterberichts.
Aber bei Kilometer 100 platzt ein Knoten. Es fühlt sich wie eine Erlösung an. Zwar wird die Gegend jetzt hügeliger, aber Spotify bläst mir plötzlich Michael Jackson auf die Ohren, und ich bleibe beim King of Pop. Zu „Beat It“, „Thriller“ und „Billie Jean“ treiben meine Beine mich nochmal kräftig durchs Land – aus dem 22-km/h-Schnitt der ersten 100 Kilometer wird ein 27er-Schnitt. Wie ausgewechselt.
Ankommen
Als ich Punkt 17 Uhr das Ortsschild des kleinen Dorfes in der Kommune Svenljunga passiere, muss ich kurz schlucken. Dann den Kopf über mich schütteln. Was für ein selten dummes Unterfangen. Aber ich lasse zu, dass meine Brust vor Stolz auf die eigene Leistung kurz massiv anschwillt. In dem Moment wird es wahr. In dem Moment sind Anspannung, Anstrengung und Ankunft ein und dasselbe überwältigende Glücksgefühl.
680 Kilometer. In 53 Stunden.
Auf einem Fahrrad.
Wie bescheuert das ist.
Stinkend, mit schmerzendem Hintern und breitem Lächeln sprinte ich den letzten Anstieg zum Haus hinauf – und die Familie empfängt mich. Eine Stunde sitze ich noch draußen – wir reden, dann gehe ich duschen. Warmes Wasser. Sauber sein. Toll!
Meine Beine fühlen sich gut an.
Mein Nacken ist entspannt. Ich habe eine kleine taube Stelle am linken Handballen, die nach drei Tagen verschwindet. Ein Phänomen, das ich aus Interviews mit Ultracyclisten kenne und das mich nicht besorgt. Mein Dammbereich ist nach 24 Stunden auch wieder okay. Neue Bibshorts kommen trotzdem unbedingt auf die Einkaufsliste.
Am Abend liege ich im Bett, google, wie viel Zeit man für ein 600-Kilometer-Brevet hat, und denke: total machbar!
Epilog, quasi
An Tag 4 ruhe ich mich aus und helfe ein bisschen im Garten. Mir geht es erstaunlich gut. Treppensteigen strengt ein wenig an, das Taubheitsgefühl im linken Ring- und kleinen Finger (Hach, Nervus ulnaris) lässt nach. Alles gut.
Wir packen mein Fahrrad ins Auto.
An Tag 5 geht es um 9 Uhr morgens wieder Richtung Trelleborg. Diesmal mit dem Auto. 250 statt 300 Kilometer, die Hälfte davon Autobahn. 3 Stunden statt 26 in Schweden. Anschließend mit der 15-Uhr-Fähre zurück nach Deutschland – erneut auf der M/S Skåne. Um 21 Uhr bin ich in Rostock. Um Mitternacht zu Hause. Im Bett. Glücklich. Körperlich okay.
Morgen wieder Arbeit.

Keine Tour, ein Rennen
Streng genommen war meine Tour ein Rennen.
Die Abfahrtszeit der Fähre ließ nicht zu, die ruhigen Momente der Nacht so zu genießen, wie ich es auf meinen bisherigen Nachttouren getan habe. Dafür habe ich die Erkenntnis eingetauscht, wozu ich fähig bin. Nahezu 400 Kilometer in 18 Stunden fühlen sich surreal an.
Der Plan, direkt nach der Fähre weiterzufahren, war mutig. Andererseits habe ich absichtlich kein Hotel gebucht und bin stattdessen mit Biwak und Schlafsack gefahren. Meine Abmachung mit mir: Wenn es nicht mehr geht, packst du dich irgendwo hin. Das Ziel Båstad war verhandelbar. Als ich gegen 20 Uhr merkte, dass es machbar ist, entfesselte das nochmal einen gewissen Willen in mir.
Die 150 Kilometer an Tag 3 waren ein bisschen selbst auferlegter Stress. Ich wollte nicht zu spät bei meiner Familie ankommen – weshalb ich das Fenster von 16 bis 18 Uhr anvisiert hatte.
Als Herausforderung war diese Tour perfekt.
Als „Land sehen und sich Zeit lassen“ keinesfalls. Das war kein „Genuss“, sondern ein Beweis. Und als solcher war die Tour von Anfang an geplant. Mein Ziel war, die Strecke in drei Tagen zu schaffen. Für den „Notfall“ hatte ich einen Puffertag eingeplant. An Tag 5 musste ich (mit dem Auto) wieder nach Hause.
Wer etwas sehen will, muss weniger Kilometer fahren. 150 pro Tag sind eigentlich vollkommen okay, selbst 200 gehen, denke ich, wenn man im Sommer unterwegs ist und von morgens bis abends fährt.
Die nächste Tour wird sicherlich wieder ein bisschen entspannter. Aber so ein 600er-Brevet werde ich nächstes Jahr vielleicht doch mal anvisieren – dafür hat man 40 Stunden, was machbar scheint. Ich war nach 40 Stunden bei 530 km, inklusive 6 Stunden Fährüberfahrt + 1,5 Stunden Warten (mit 4 Stunden Schlaf) und (weiteren) 4 Stunden Schlaf. Für 70 zusätzliche Kilometer hätte ich also genug Zeit.
Mal schauen.
Schlusswort
Wie oben geschrieben: Am Ende war das überwältigende Gefühl so etwas wie Stolz.
Vor ziemlich genau sechs Jahren habe ich mit dem Radfahren angefangen. Meine ersten Touren auf Strava waren 10 und 14 Kilometer lang – die haben ewig gedauert, und ich war danach tot. Hätte mir damals irgendwer diesen Bericht als Plan vorgelegt, ich hätte ihn ausgelacht. Laut. Und genau deshalb ist dieses Gefühl des Stolzes da. Weil das hier meins ist. Weil ich das für niemanden außer mir und mit mir getan habe – und selbst nicht glauben kann, was ich getan habe. Deswegen werde ich mich wohl lange an diese Tour erinnern – wegen der schicken Radwege, des ewigen Hoch und Runter der Straßen und dieser Leistung.
Dieser Bericht steht hier nicht, um „höher, weiter, schneller“ zu schreien. Oder „Guck mal, ich geile Sau“. Er ist ein Reisebericht. Niemand soll sich daran messen, ebenso wenig wie ich mich an irgendwem maß – außer an mir selbst. Und ich bin auch kein Fan von „Du schaffst alles mit dem richtigen Mindset“ – vor sechs Jahren hätte ich das hier nicht geschafft. Und auch vor drei Jahren nicht. Weil ich nicht so weit war. Miss dich also nicht an mir. Miss dich realistisch an deinem Fortschritt. Und wenn du scheiterst, ist das vollkommen okay – gehört dazu; das Risiko war auch hier da. Danke an meine Frau und ihre Schwester, die mich per WhatsApp anfeuerten. Danke an die Jungs vom Podcast Rückspultaste, die mich mit den Tagebucheinträgen aus 1994 durch die Nacht und durch Tag 2 trug. Und danke an Michael Jackson für den Soundtrack der letzten 50 Kilometer. I just beat it.