So lange warten Radfahrende an roten Ampeln

Ein Projekt soll es einfacher machen Radfahrende bei der Verkehrsplanung von Städten zu berücksichtigen. Denn von einem guten Verkehrsfluss kann für sie aktuell keine die Rede sein, wie Daten zeigen.

Das Projekt RiDE – Radverkehr in Deutschland soll Kommunen bei der Verkehrsplanung für Radfahrende helfen.
Via App und GPS werden Daten gesammelt, die detailiert aufzeigen, wo Radler:innen fahren – und warten.

Die Daten dafür werden über die Plattform Stadtradeln anonymisiert erhoben. Nach Einschätzung der Projektverantwortlichen eine recht repräsentative Gruppe.

Eine beispielhafte Auswertung für Darmstadt, die auf 1.084 Stadtradler:innen basiert, zeigt sich, dass Radfahrende in der Stadt im Schnitt etwas mehr als 20 Minuten für eine Strecke von sechs Kilometern benötigen. Dabei verbringen sie rund ein Viertel der Zeit vor roten Ampeln.

Ab Ende November haben 2.500 Kommunen Zugriff auf das Projekt und können die gewonnenen Daten für die Verkehrplanung einsetzen. Gratis, dank einer Förderung durch das Bundesverkehrsministerium für das Projekt MoveON, in dessen Rahmen die Datenplattform aufgebaut und weiterentwickelt wird.
Planner haben dann die Möglichkeit, sich auf interaktiven Karten Auslastungen und Wartezeiten auf Straßen und Kreuzungen anzeigen zu lassen. So können Problemzonen identifiziert und mit konkreten Maßnahmen der Radverkehr gefördert werden. Störfaktoren im Verkehrsfluss sollen mit dem Projekt nicht mehr nur für Autos erkenn- und behebbar werden.

Das Ziel heißt “flüssiger Radverkehr”.
Denn aktuell nehmen viele das häufige Anhalten als Störfaktor wahr. Im Beispiel von Darmstadt liegen auf dem Sechs-Kilometer-Weg 19 Ampelkreuzungen, an 13 davon warten Radfahrer:innen im Schnitt mehr als 15 Sekunden.
Für sich genommen keine Ewigkeit, das stetige Auf und Ab vom Rad und die gesammelte Zeit allerdings machen Radfahren wenig attraktiv.

Ähnliche Projekte in Bologna und den Niederlanden helfen dort bereits. In Bologna verbringen Radfahrende so zum Beispiel 11 Prozent ihrer Fahrtzeit vor roten Ampeln. Interessant auch: Frauen und unterfahrene Radler:innen halten deutlich länger an Ampeln. Ein Grund dafür sind die unterschiedlichen Tendenz zu Rotlichtverstößen: „Durchschnittlich 14,3 Prozent aller Radfahrer:innen fahren bei Rot über die Ampel“, schreiben die Studienautoren. „Vor allem, wenn die Sichtverhältnisse gut sind und das Verkehrsaufkommen in der Straße gering ist.“
In den Niederlanden liegt die Tendenz rote Ampeln zu ignorieren gar bei 20% – gerade bei kleinen Kreuzungen mit wenig Verkehr.


Text vom 13.10.2022 Uhr

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