Vor ein paar Tagen fragte die jetzt in Thüringen lebende Tochter im Angesicht der kommenden Wahlen in Sachsen-Anhalt: „Was willst du eigentlich wählen?“ Gute Frage.
Die gesichert rechtsextreme AfD steht in den Prognosen derzeit bei 41 Prozent.
GRÜNE und SPD müssen den Umfragen zufolge derzeit sogar um ihren Einzug in den Landtag zittern. Und da frage ich mich, wie kann ich eigentlich wählen, um einer anti-demokratischen Partei etwas entgegen zu setzen?
Ich habe bei der letzten Landtagswahl SPD gewählt. Im Bund Grün, die Jahre davor stets SPD.
Aus Überzeugung. Die der Wahl-o-Mat in den letzten Jahren – und auch jetzt für Sachsen-Anhalt – stets bestätigt.

Wenn alles schief läuft, könnte die Linke im September tatsächlich die einzig demokratische Kraft neben der CDU im Landtag werden.
Nur: Was nützt es? Die CDU würde eher mit der AfD koalieren, als mit der Linken.
Wahrscheinlich brennt es hier nach der Wahl so oder so.
Wenn ein AfD-Mann Ministerpräsident wird. Und erst recht, wenn ein CDU-Mann mit Hilfe von schwarz-rot-rot-grün Ministerpräsident einer Minderheitenregierung wird, die am Ende trotzdem von der AfD getrieben ist.
Sachsen-Anhalt wird entweder blau-schwarz oder handlungsunfähig, befürchte ich.
Macht mein rotes Kreuz da einen Unterschied?
Die Gefahr, dass die eigene Wahl nicht im Landtag landet ist halt da.
Die Kampagne Taktisch Wählen 2026 empfiehlt mit einem Online-Tool auf Basis von Prognosen, wie man in seinem Wahlkreis taktisch die Erststimme einsetzen könnte. Heißt in meinem Wahlkreis: Erststimme CDU. Zweitstimme SPD oder GRÜNE, um irgendwie zu schaffen, diese beiden Parteien über die 5% Hürde zu hieven.
Ein CDU-Kandidat.
War dummerweise schon beim Landrat die einzige Möglichkeit, den AfD-Typen in der Stichwahl zu verhindern.
Faschisten an der Macht. Allein die Vorstellung ist gruselig.
„1930 wurde Karl Gustav Emil Böhme vom thüringischen Innenminister Wilhelm Frick, der der erste nationalsozialistische Minister in Deutschland war, als Landrat abgesetzt. Die entwürdigenden und diskriminierenden Umstände dieser Absetzung, gegen die zuvor alle Parteien des Altenburger Kreistages protestiert hatten, führten bei Böhme zu einem tödlichen Schlaganfall. […] In der überregionalen Presse wurde er (Böhme) gewürdigt und als »erstes Opfer des nationalsozialistischen Terrors« betrachtet“
Seinen Enkel Karl Emil hat Böhme mutmaßlich noch kennenlernen können. Er war im Juli 1930, als Böhme starb, gerade einmal 2 Jahre. Und mein Vater.
Vor noch wenigen Jahren war das Szenario einer faschistischen Partei in einer Machtposition unvorstellbar.
Ukraine-Krieg, Wirtschaftsprobleme und ein unfähiger Kanzler haben es geschafft, dieses Szenario wahr werden zu lassen. Und allen Opfern faschistischer Politik einen Bärendienst erwiesen.
Die AfD ist dabei lange kein ostdeutsches Problem mehr. Auch in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz haben zuletzt 20% AfD gewählt. Das macht 40% in Sachsen-Anhalt nicht „besser“. Aber mich nervt zuweilen, wie manch ostdeutsches Land bei Wahlen immer angeschaut wird, als beobachte man die Affen im Zoo. Ich will als Linker hier im Osten keine AfD. Und mein Verständnis für ihre Wähler ist schlichtweg nicht mehr vorhanden.
Hier hängen Plakate wie „Abschieben ab Minute 1“, „Wieder stolz sein“, „Unser Land, unsere Kultur“.
Ich frag‘ mich dann: Wen will die AfD denn abschieben? Den Amazon-Paketboten, Lageristen und Krankenpfleger? Stolz sein kannst du auch ohne Faschisten zu wählen. Meine Kultur ist übrigens nicht die Kultur, die die AfD da propagiert – trotzdem kann ich die tolerieren, weil sie mir nichts wegnimmt. Die AfD spielt mit dumpfer Ideologie, nicht mit Lösungen.
Zurück zur Frage: Was willst du eigentlich wählen?
Naja, die Antwort scheint: Erststimme CDU, Zweitstimme SPD – und das Beste hoffen?