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· 3 min. Lesezeit

Ein Schwarm nur für mich

Eine meiner liebsten Apps auf dem Telefon ist Swarm – ein simples Tool, mit dem man sich an Orten einloggen kann. Weil die Wahrscheinlichkeit, dass sie verschwindet aber steigt, hab' ich mir meine eigene Alternative gebastelt.

Ich bin wahrscheinlich einer der letzten Menschen auf dem Planeten, die Swarm nutzen.
Swarm ist eine App von Foursquare, mit deren Hilfe man sich an Orten einloggen kann. Die App machts das nicht automatisch, sie trackt keine Routen nichts – sie ist einfach ein Logbuch von Locations.

Seit März 2011 logge ich mich mit Hilfe von Foursquare/Swarm an Orden ein.
Insgesamt 3004 Check-ins zeigt mir die App an.

Swarm wirkt aus der Zeit gefallen. Die App ist irgendwie stehengeblieben (und ich liebe das), weil sie sich nicht gewandelt hat. Sie wollte nie mehr sein, als sie ist – es gab keine Enshittification. Bis jetzt.

Jetzt wurde das Unternehmen Foursquare verkauft. An eine Ad-Tech-Firma.
Und ich denke, das ist der Zeitpunkt ‚Adieu‘ zu sagen. Ehrlich gesagt bin ich eher verwundert, dass Foursquare nicht schon seit Jahren Pleite ist …

In den letzten Jahren habe ich schon öfter mal mein Check-in-Archiv exportiert und gesichert.
Jetzt habe ich das nochmal gemacht. Und dachte: Ich kann mir eigentlich ein eigenes Swarm basteln.

Gedacht, getan. Heute hat man über das OpenStreetMap-Programm und ein paar APIs die Möglichkeit Swarm einfach nachzubauen. Wieso also seine Daten einer Ad-Tech-Firma in den Hals stopfen. Vor allem, weil mir die soziale Komponente an Swarm nie wichtig war – ich pflege diese Datenbank einzig für mich allein.

Also habe ich gestern gemeinsam mit Claude ein bisschen Zeit investiert. Habe Cuckcoding betrieben.

Das Ergebnis heißt svaerma – schwedisch für schwärmen, sowohl das von Insekten, wie jenes aus Liebe. Fand ich (selbst für sowas unsoziales wie ein eigenen Tracker) passend.
Dabei habe ich festgelegt, welche APIs und Feature ich will, welche Architektur und Features, wie wir die Projekt- und Sicherheits-Struktur aufbauen. Claude hat dann schrittweise den Code geschrieben (im github nachvollziehbar). Es gibt zudem eine ausführliche Dokumentation. Damit kann jede:r mit Interesse das Ergebnis entweder runterladen und einfach laufen lassen, oder sich die eigene KI bedienen lassen und weitermachen… Die Lizenz ist frei, es gibt insgesamt vier APIs für die Orts-Ermittlung die je nach Auslastung der Server angezapft werden um so eine möglichst gute Ortsliste zu bekommen. Zudem kann man entscheiden, ob das Log öffentlich oder privat ist (und mit welcher Zeitverzögerung ein Check-in öffentlich angezeigt wird).

Ich hab‘ keine Ambitionen für svaerma. Ich logge diese Orte wie geschrieben primär für mich. Ich erfreue mich daran, zu wissen, wie oft ich am Leipziger Flughafen war oder wo ich Pommes in Los Angeles gegessen habe. Und manchmal bin ich ganz erstaunt, wenn ich mich irgendwo einlogge und feststelle: Huch, hier war ich ja schon!

Svaerma kann auch die Exporte von Swarm importieren. Die findet man jetzt auf meiner Karte. Die Check-ins für die gleichen Orte (wie bspw. den Leipziger Flughafen) sind teilweise recht verstreut, weil Swarm den Standort des Handys loggt und nicht den Standort der Location; svaerma macht das in Zukunft anders. Und vielleicht „vereine“ ich diese vielen „springenden Punkte“ ja mal noch, für den Augenblick ist es fein für mich.

Was svaerma noch kann: Es gibt eine API, um einen Kurzbefehl in iOS zu erstellen. Und es läuft als PWA – man kann also die Swarm-App einfach ersetzen.

Ansonsten hab‘ ich persönlich jetzt gar keine Feature-Wünsche mehr.
Außer vielleicht, die UI noch ein bisschen farbiger und fröhlicher zu machen & meine Check-ins (wie Roman seit Kurzem) und Medienlogs auch irgendwann mal hier ins Blog zu holen. Aber vorerst: egal!

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