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Zurück zu X

Es ist schon erstaunlich, welcher Wandel sich gerade im US-amerikanischen Tech-Game vollzieht. Damit meine ich nicht nur die Tech-Bros, die Donald Trump gerade in seinem Bestreben folgen, „KI“ zur „Super Intelligence“ umzubenennen.

Damit meine ich vor allem auch den Wandel, den die Plattform X hinlegt – früher mal als „Twitter“ bekannt, bevor sie Elon Musk aufgekauft und in ein faschistisches Kackloch umgewandelt hat.

Denn irgendwie finden alle X plötzlich wieder gut.
Der Nvidia CEO tauchte da vor ein paar Wochen auf. Und dann der Apple CEO.
Und dann mehren sich plötzlich die Stimmen, dass X nun eben mal die Plattform ist, auf der man sein muss, wenn man sich über KI unterhalten will. Weil auf Threads eben nur die Entertainment-Typen sind, auf Mastodon die Kritiker und auf Bluesky eigentlich so nicht wirklich irgendwer.

Und weil dann die CEOs der großen Unternehmen ihre Hottakes eben nicht mehr per Pressemitteilung oder Linkedin raushauen, folgt jetzt auch die Presse. Und die Blogger, von denen man einstmals dachte, sie hätten Rückgrat.

Erst Casey Newton.
Und jetzt John Gruber.

Beide folgen im Grunde der gleichen Argumentation: Wenn man eh da ist, um den Typen zu folgen, muss man ja auch dort sein, um mit den Typen zu diskuierten. Ja klar, Elon ist Scheisse … aber naja.

Gruber geht indes sogar so weit zu behaupten, X sei nicht mehr so schlimm wie früher – er sähe Musk-Inhalte nicht mehr so oft und die Menschen dort seien eben halt nett.

Die Diskussion, ob man nun auf X sein „dürfe“ oder nicht ist seit der Elon Musk-Übernahme immer wieder akut. X ist und bleibt ein schlechter Ort, wegen Elon und dem, wie er sich auf der Plattform gibt und die Plattform zu seinen Gunsten dreht.
Das sehen wir auf keiner anderen Plattform so – außer vielleicht Truth Social.

Ich hab‘ X vor drei Jahren verlassen.
Mein Profil existiert dort noch. Und natürlich trauere ich manch‘ Menschen dort nach.
Nun bin ich kein Tech-Journalist. Nur irgend so ein Digital-Strategie-Hansel. Ich kenne den „Druck“ nicht, der da in der US-amerikanischen Tech-Bubble gerade herrscht – ich bin da vielleicht privilegiert. Ich verurteile jetzt auch nicht pauschal jeden, der „noch“ oder „wieder“ auf X ist. Die Strategien meiner Kunden unterscheiden sich ebenso, ob und für was sie X (noch) nutzen. Die Frage ist halt: Wen oder was will ich erreichen. Und wie weit kann ich es mit meinem moralischen Kompass vereinbaren. Dann muss ich mir eben auch die Frage stellen, was Elon Musk nun von Mark Zuckerberg oder der chinesischen Regierung unterscheidet – und wie weit ich dort bereit bin das zu akzeptieren.
Am Ende ist es natürlich auch die Frage von Reichweite und Erreichbarkeit.
Wenn Gruber und Newton sehen, dass sie nur auf der Plattform mit den Menschen in Kontakt kommen, die für ihren Job notwendig sind – fair. Fraglich dann, aber, wenn Gruber eben auch noch direkt sagt: Nö, eigentlich ist die Plattform mittlerweile wieder nett.

Ich bin immer hin und her gerißen.
Auf der einen Seite gibt es da die Überzeugung, dass Musk eben ein Depp ist. Auf der anderen Seite habe ich ab und an schon auch eine gewisse FOMO … aber noch komme ich damit klar.
Ob das auch für künftige Projekte so bleibt? Mag ich nicht ausschließen – persönlich kann ich auf X verzichten, trotzdem muss ich die Plattform für meinen Job natürlich im Auge behalten, und manch Kunde ist da eben noch. Und vielleicht ist da bei künftigen Projekten ja auch manch Kunde?

Man muss sich leisten können, von X fern zu bleiben?

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