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Friedrich Merz hat gestern beim Hauptstadt-Empfang von Sachsen-Anhalt ernsthaft gesagt: „Ich möchte auch Bundeskanzler der ostdeutschen Länder sein. Wir alle können kein Problem allein lösen.“
Na, Glückwunsch.
11 Monate im Amt und jetzt fällt ihm auf, dass er den scheiss Ossis nicht nur alles mehr erklären muss, sondern soll die auch noch regieren.
36 Jahre nach der Wende formuliert der Kanzler ein Selbstverständnis, das überhaupt nicht mehr formuliert werden sollte.
Man stelle sich vor, Merkel hätte den Satz umgedreht gesagt.
Komm, Friedrich … erklärs mir nochmal und kanzler mich mal so richtig durch!
Schleudertrauma vom Kopfschütteln angesichts dessen, was die CDU sich da als Weltbild mit ihrer nicht vorhandenen Sozial- und Wirtschaftskompetenz zusammenbastelt. Würde Merz den gleichen Maßstab an sich anlegen, den er an die Ampel-Regierung unter Scholz anlegte, müsste er Reiche aus dem Amt entfernen und sich danach selbst gleich mit. Naja, was interessiert das Geschwätz von gestern als Oppositionsführer – selbst bei den Fakten ist das eher hinderlich, wenn man Maßnahmen 1:1 kopiert, die man vor vier Jahren noch kritisierte. Lass lieber den Sozialstaat weiter demontieren, während wir Diskussionen um die Besteuerung von Vermögen kategorisch ablehnen und über Digitalsteuern nicht einmal nachdenken. In was für einer absurden Episode der Weltgeschichte hocke ich eigentlich, frage ich mich, während der orangene Affe den Iran wegbomben will und ich Trost darin finde, dass ein Atomkrieg vielleicht der beste aller Ausgänge wäre? Aber hey, wenigstens scheint die Sonne.