Internet ist kaputt (aber trotzdem geil) #1
Deine Woche war scheiße? Hier ist meine.
"Vorsatz" ist ein ziemliches Kackwort um sich für das neue Jahr etwas vorzunehmen. Denn aus einem Vorsatz wird noch lange keine Tat. Ein Ziel indes ist etwas, dass erfüllt werden kann – muss. Und so ist eines meiner Ziele 2026 jedenfalls, mehr menschlichen Quark in meinen Teil des Internets zu gießen.
Eigentlich haben wir den Kampf gegen die KI im Netz ja bereits verloren. Selbst Instagram-Chef Adam Mosseri gibt mittlerweile (und hoffentlich zerknirscht) zu, dass es mehr Sinn macht, echt Inhalte zu markieren und vom Rest einfach davon auszugehen, dass er KI-gemacht ist.
Wenn 52% des (englischsprachigen) berichtenden Internets mittlerweile von KIs stammen und 20% dessen, was neue Nutzer auf YouTube sehen ebenso, dann bedeutet dieses nicht nur eine massive Zunahmen an Inhalten und Rauschen. Es bedeutet auch, dass wir zunehmend mehr Hilfe benötigen – zwischen all dem Mist hindurch zu navigieren.
Kuration wird wichtiger denn je – und wohl auch ein bisschen eine Superkraft.
Große Plattformen und Algorithmen sind nämlich nicht daran interessiert, was du konsumierst – sondern nur daran, dass du konsumierst. Währenddessen nimmt die schiere Masse dessen, was du konsumieren kannst überhand und die Zeit bleibt gleich.
Dem will ich mit meinem Quark etwas entgegen setzen. Handgemachter Quark, statt Industrie-Shit. Ha!
Jetzt nehme ich für mich nicht in Anspruch, besonders wertvolle Sachen zu lesen. Aber hey, das hier ist mein Blog und deshalb lasse ich künftig einfach einmal die Woche hier liegen, was ich so in dieser Woche bemerkenswert fand zu lesen.
In der ersten Ausgabe geht es um Merz und das Neujahr, Möglichkeitsmut, Science Fiction in Ost und West sowie Gelerntes.
Schauen wir mal, wohin das so geht in den nächsten Wochen… Der Namen 'Internet ist kaputt' ist hiermit zumindest mal gesetzt – als Resignation, Status, aber auch als Signal des Ausbruchs. Und ob das hier ein Newsletter wird, wer weiß.
IM INTERNETZ GEFUNDEN
#1
Die Sorgen von Merz sind nicht die der Bürger:innen, sondern der Unternehmen, das wird in seiner [Neujahrs-]Ansprache immer wieder deutlich. […] die Bürger:innen, sollten Merz' Ankündigung, „grundlegende Reformen“ angehen zu wollen, als Drohung verstehen – Neujahrsansprache von Merz: Kein Wort über die wirtschaftlichen Sorgen der Bürger (taz)
#2
Wer mit Möglichkeitsmut im Blick erstens Veränderung akzeptiert und zweitens Neugierde kultiviert, gewinnt damit Zuversicht zur Gestaltung – Nele erhebt den 'Möglichkeitsmut' zu ihrem 2026er Leitmotiv
#3
Echt oder kopiert? ist die letzte moralische Kategorie, ist eines der 25 Dinge, die Dirk von Gehlen 2025 gelernt hat, primär mit Blick auf das Digitale
#4
Tim Reinboth geht der Frage nach, wieso es im sozialistischen Osten weniger oft Dystopien als im kapitalistischen Westen gab: „Im Westen ging es um die Rakete, im Osten ging es um die Menschen in der Rakete“, zitiert er einen Buchhändler – und gibt anschließend acht Roman-Tipps
#5
Ich will seit Jahren ja mal etwas machen, was Nancy Friedman und – legendär fast schon – Tom Whitwell tun: Ende des Jahres 52 Dinge aufschreiben, die ich gelernt habe. Dafür müsste ich aber zum einen nicht nur immer dieses Wer Wird Millionär-kompatible Häppchen-Wissen speichern wie ein Schwamm, dass mich stets überrascht, wenn es nach vorn kommt. Ich müsste es vielmehr auch einmal aufschrieben. Soll ich das mal tun…?!
DIESE WOCHE GELERNT
… ist ein geklauter Fakt aus der obigen Liste von Nancy Friedman – und witzig, weil der Waschbär im neuen Design dieses Blogs hier eine Rolle spielen wird: „In French, a raccoon is a raton laveur: a washing rat“ – eine 'rat ón laveur': 'Waschratte' ist zu süß.
NEULICH GELESEN
Ich habe dieser Tage 'Die letzte Generation' von Arthur C. Clarke fertig gelesen. Ein Science-Fiction-Klasser von 1953, dem man lesend das Alter überhaupt nicht anmerkt. Die Story: Auf der Erde landen Aliens, die Frieden und ein Schlaraffenland bringen. Sie hegen keine finsteren Gedanken, sondern wollen der Menschheit helfen, sich weiterzuentwickeln.
Ein bisschen Esoterik ist dabei, aber einen spannenden Aspekt im Buch fand ich die Frage: Was passiert eigentlich mit uns, wenn für alle Grundbedürfnisse gesorgt und weder Arbeit noch Antrieb notwendig wären?
„Seit die Overlords gekommen sind, ist nichts wirklich Neues geschaffen worden. Die Ursache liegt auf der Hand. Es gibt nichts mehr, wofür man kämpfen muss, und es gibt zu viel Ablenkungen und Zerstreuungen.“ … ich komme in der aktuellen Welt nicht umhin, an KI denken zu müssen.
GERADE GESEHEN
Bis 27. Januar 2026 kann man in der Mediathek noch Marc Bauders „Wer wir waren“ sehen – darin blicken sechs Wissenschaftler verschiedener Fachrichtungen auf die Welt und ihre Sicht zum Fortbestand der Menschheit. Jetzt kein unbedingt positiver Blick, aber wichtig. /via
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