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300 Kilometer mit dem Fahrrad durch die Nacht – diesmal auf den Berg

Midsommar. Die kürzeste Nacht.

Letztes Jahr habe ich die genutzt, um mit dem Fahrrad von meinem Wohnort zwischen Leipzig und Halle nach Potsdam und zurück zu fahren. 310 Kilometer allein durch die Nacht. 960 Meter Höhenunterschied. Hier habe ich darüber gebloggt.

Dieses Jahr entschied ich mich recht spontan, das zu wiederholen.
Nun wäre die gleiche Route ziemlich langweilig, oder? Deshalb entschied ich, mich meinen Vereinmitglieder:innen des VCA anzuschließen - und gemeinsam in einer kleinen Gruppe zum Sonnenaufgang auf den Brocken zu radeln.

150 Kilometer mit der Gruppe hin, rauf auf den Berg und dann allein zurück.
Ausgesucht hatten wir uns bestes Wetter: tagsüber kletterte das Thermometer auf knapp über 30 Grad, und Nachts sank die Temperatur nie unter angenehme 20 Grad. Beim Sonnenaufgang auf 1.500 Metern Höhe konnte man noch immer in kurzen Radklamotten dastehen, ohne zu frieren.

Am Samstag Abend radelte ich gemütlich zum 15 Kilometer entfernten Treffpunkt, wo sich 20 Leute für den gemeinsamen Ride einfanden. Irgendwann gegen 20:30 Uhr ging es dann los Richtung Westen. Durch das Saaletal ging es nach Hettstedt, wo wir gegen 22 Uhr über die Aral her fielen. Nach rund einer halben Stunde "Tankstopp" ging es im Pulk auf kleinen und ruhigen Straßen weiter Richtung Harz.
Über Ballenstedt und Gernrode ging es nach Thale. Dort gab es einen weiteren 40 Minuten-Stopp zum auftanken. In Blankenburg (wo sich ein Mitfahrer wegen festen Freilaufs leider verabschieden musste) und Elbingerode gab es leider noch mal zwei Zwangsstopps wegen technischer Defekte im Team. Ab da setze ich mich vorn in die Gruppe und führte das Team einige Meter nach oben – bis sich die Gruppe ein bisschen zerrte, weil jede:r in seinem eigenen Tempo den Berg anging. Über Drei Annen Hohne und Schierke ging es zum Brocken hinauf.

Für mich war der Berg tatsächlich der größte Anstieg in meinen Radler-Leben. Die Meter bis Schierke fand ich ehrlich gesagt total fein. Hilfreich dabei war am Ende wohl auch, dass die Höhenmeter im Schein des Frontlichts nicht so gewaltig wirkten. Ab Schierke zog es dann jedoch an und die Serpentinen der Straße hoch waren durchaus anspruchsvoll. Zweimal musste ich auf 11 Kilometern, auf denen man die 600 Meter Höhenmetern erklimmt, kurz eine Trinkpause einlegen.
Insgesamt habe ich auf den Metern sicherlich so viel geschwitzt wie noch nie … ich hab' ordentlich Wasser auf dem Weg gelassen.
Dann aber oben aus den Pedalen zu klicken, und zu wissen, dass man gerade 170 Kilometer und den größten Berg Mitteldeutschlands überwunden hat war schon ein fantastisches Gefühl.

Und dann hatte ich es tatsächlich zur Zielzeit geschafft: Oben angekommen – pünktlich zum Sonnenaufgang um 04:56 Uhr.
Gemeinsam mit allen anderen Mitfahrenden genossen wir den Sonnenaufgang mit wenigen Wanderern, die das ungetrübte Spektakel des Sonnenaufgangs mit auf der Bergspitze bestaunten.

Nach etwas mehr als 30 Minuten ging es dann an die Abfahrt.
Den gleichen Weg, den ich mich gerade noch hochgequält hatte, ging es nun im Eiltempo hinab. Bis zu 76 km/h zeigte mir das Garmin an – trotz beider Hände an den Bremshebeln, weil hier und da doch auch Wanderer den asphaltierten Weg zum Abstieg nutzten.

Unten in Schierke sammelte sich die Gruppe dann und radelte gemeinsam nach Wernigerode.
Von dort nahmen die Teilnehmer:innen andere Ziele in Angriff: Manche schnappten sich den Zug von Wernigerode aus. Nach einer kurzen Pause an der Tankstelle nahmen ein paar den Zug in Hettstedt in Angriff. Vier Menschen entschieden sich für die Rückfahrt mit einem Bogen in den Norden nach Halle.

Ich hatte meine Rückreise davon abhängig gemacht, wie ich mich nach dem Brockenaufstieg fühlte.
300 Kilometer am Stück traute ich mir zu – nur hatte ich eine solche Strecke bisher nicht in Kombination mit einem solchen Anstieg absolviert. Unten in Wernigerode entschied ich mich dann, allein nach Hause zu radeln und nahm die 120 Kilometer mit guter Mitsing-Musik auf den Ohren in Angriff.

Das Wetter schlug gegen 8:45 dann von freundlich um – ein kurzes Gewitter überdauerte ich unter einer Kastanie bei Meisdorf. Schon davor nahm nach einer wirklich recht ruhigen Nacht der Wind mächtig an Kraft auf. Zu meinem Glück allerdings drückte er nicht von vorn, sondern tatsächlich meistens von hinten.

Die Kühle war indes gut – mit meinem Windbreaker an war alles wieder bestens. Gegen 11 Uhr kam dann auch die Sonne wieder raus.

Ich machte noch zweimal kurz 10 Minuten Pause auf dem Weg nach Hause und traf gegen Mittag Zuhause ein.

Diesmal verstrichen für die 310 Kilometer (80 Meter weniger als letztes Jahr Midsommar) insgesamt 17 Stunden und 10 Minuten – vier Stunden mehr als letztes Jahr. Allerdings haben wir auch deutlich mehr Pausen gemacht und natürlich braucht der Aufstieg in die Berge Zeit. Ohne Standzeit lag meine Durchschnittsgeschwindigkeit bei 25,6 km/h (0,9 km/h langsamer als 2025), womit ich wirklich total fein bin.

Wie schon letztes Jahr geschrieben ist die Reise auf dem Fahrrad durch die Nacht sehr besonders. Die Ruhe, der Schein der eigenen Lampe.
Die zwei kritischsten Situationen waren tatsächlich eine Wildschweinfamilie, die kurz vor uns über die Straße stürmte. Und eine Gruppe leicht angetrunkener Männer, die in einem Dorf hinter einer scharfen Linkskurve auf der Straße saßen/lagen.
Natürlich ist das Fahren in der Gruppe Nachts nochmal anspruchsvoller. Als Verein, der aber regelmäßig auch Social Rides an Abenden veranstaltet, war aber jede:r geübt und daher auch das gegenseitige Vertrauen da. Das schweißt auf andere Art zusammen. Und auch, wenn das kein so ruhiges Erlebnis war, wie meine letztjährige Midsommar-Tour, so werden von dieser Tour trotzdem auch wieder Erinnerungen im Kopf bleiben. Anders, aber trotzdem geil.

Ich habe die Tour diesmal mit 2x 0,75 Litern mit jeweils 90g Carbs (44 g Maltodextrin + 36 g Fructose + ~1 g Salz) gestartet + 0,5 Liter mit Dextro-Isotrink. An den beiden nächtlichen Tankstellenstopps habe ich jeweils ein 0,5 Gatorade und eine 0,5 Liter Wasserflasche geholt. Am Morgen in Wernigerode habe ich dann 2 Laugenbrötchen mit Salami/Käse gegessen und mir eine dritte 90g Carbs-Flasche mit 0,5 Liter Wasser angemischt + eine weitere 0,5 Liter Gatorade. Dazu gab es auf dem Weg 2 Snickers (pro Tankstelle) und eine Rolle Haribo-Rollo.
Das wars. Ich kam damit sehr sehr gut durch die Nacht, hatte nie Hunger und immer Druck auf dem Pedal (zudem keine Magenprobleme). Laut Garmin habe ich 7,9 Liter "weggeschwitzt", und ich hatte das Gefühl, dass das gut sein konnte. 😅

Am Sonntag habe ich dann nach dem Ankommen Zuhause eine Stunde Mittagsschlaf gemacht und bin gegen 22 Uhr ins Bett gefallen.
Am Montag habe ich mich sehr fit gefühlt und keinerlei Beschwerden.

Prädikat: Mach ich wieder. 😉

Meine Route auf Strava & Komoot.

 

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