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· 4 min. Lesezeit

Elon Musk, der gefährlichste Mensch der Welt

Vier Nachrichten aus einer Woche, und alle werfen dieselbe Frage auf: Wie viel Macht sollte ein – vor allem nicht demokratisch oder politisch legitimierter – Mensch eigentlich haben?

Diesen Text habe ich für die Montags-Ausgabe meines Newsletter Social Media Morgen (SMM) geschrieben. Ich finde ihn hier jedoch besser aufgehoben.

Erstens: Musk drosselt einen Krieg. Rund zehn Tage war das Satellitennetzwerk Starshield für die ukrainischen Behörden nur eingeschränkt nutzbar – und keiner konnte sagen, wieso. Starshild ist die militärische Version des von Elon Musk kontrollierten Starlink. Der behauptete zunächst, seine Firma SpaceX habe keine Kontrolle über Starshield, sondern das US-Militär. Verteidigungsminister Hegseth und US-Präsident Donald Trump widersprachen. Dann berichtete das Wall Street Journal, Musk selbst habe die Drosselung angeordnet, später, Trump habe ihn angerufen und gebeten, sie aufzuheben. Seit Samstag funktioniert alles wieder normal. (New York Times (€), tagesschau, SMM vom 22.10.)

Und Musk? Liefert eine neue Version: Die Ukraine habe gegen die Nutzungsbedingungen von Starlink verstoßen, das „Schlupfloch“ sei geschlossen und Starshield allein die Sache der US-Regierung. Und dann schickt er zwei Sätze hinterher: „Würde Starlink abgeschaltet, bräche die ukrainische Front sofort zusammen. Das ist KEINE Drohung.“ Allen, die ihn kritisieren, wünscht er: „Möget ihr in der Hölle schmoren.“ (Musk auf X)

Expert:innen sehen ein strukturelles Problem: SpaceX hat ein faktisches Monopol auf Raketenstarts und betreibt über 10.000 Starlink-Satelliten. „Ein einzelner Unternehmer hat mehr Macht als Regierungen“, sagt der Oxforder Raumfahrtökonom Michele Scataglini. (The Verge)

Zweitens: Musk kauft sich in Nachrichten ein. Schon heute kontrolliert Musk mit X eine eigene Plattform, die in Wirtschafts- und Medienkreisen einfach nicht an Bedeutung verliert. Diese Woche nun investiert er offenbar 1 Mrd. US-$ in Skydance – dem Konzern von David Ellison, der Anfang Oktober aus Paramount und Warner Bros. Discovery entstanden ist. Ellison kontrolliert damit CBS News und CNN. Und sein Vater Larry Ellison, Gründer von Oracle, ist seinerseits prima vernetzt: 2022 half er Musk mit 1 Mrd. US-$ beim Twitter-Kauf. Oracle wiederum sitzt beim neuen TikTok USA maßgeblich mit im Boot, als Anteilseigner und Infrastruktur-Lieferant. (Adweek, Daily Beast, SMM vom 23.10.)

Drittens: Musk schreibt Geschichte um. „Hitler war ein linksradikaler Sozialist. Steht doch im Namen seiner Partei!“, postete Musk am Freitag auf seinem Portal X – und erhält Millionen Views. Schon im August schrieb er dasselbe und schob nach: „Also sind Sozialisten Hitler.“ Damit verbreitet Musk eine Erzählung, die rechtsradikale Aussagen und Handlungen normalisieren soll. Auch AfD-Partei­vorsitzende Alice Weidel bedient sich dieser Erzählung immer wieder. (Musk auf X, Mimikama, Killian Ravon auf Medium)

Viertens: Raketen, Autos, Roboter, KI und Medien. Musk baut mit SpaceX Raketen, Satelliten und KI. Auch X gehört zum Megaprojekt. Und mit Tesla baut er Autos, autonome Fahrzeuge, Roboter und Batterien. Sein Plan beide Firmen zu fusionieren ist nicht neu. Zum ersten Mal überhaupt jedoch gibt es nun offenbar Gespräche dies wirklich zu tun. Damit hielte Musk in einzigartiger Weise ein Konglomerat von Technologie, Infrastruktur und finanzieller Macht zusammen, von der Bösewichte in James Bond nur träumten – Hugo Drax und Elliot Carver hätten ihre Freude… (Reuters)

Was heißt das? Der reichste Mensch der Welt entscheidet, wie schnell Drohnen in einem Krieg fliegen, kauft sich bei Produktions-Firmen und Sendern ein, die über ihn berichten sollen. Und nebenbei deutet er schon heute auf seiner eigenen Plattform vor Millionen die Geschichte um. Gebremst hat ihn diese Woche ausgerechnet ein Anruf von Trump, dem er für die Zwischenwahlen über 270 Mio. US-$ spendet (SMM vom 21.10.). Aber Kontrolle sieht anders aus – hier haben sich zwei Verbündete abgesprochen. Wer die Machtkonzentration eigentlich hinterfragen müsste sind Kartellbehörden, Parlamente und Europa mit eigener Infrastruktur. Und auch alle, die Musks Plattform weiter mit Inhalten füttern – Medien, Marken, wir.

2 Kommentare

  • Wolf Jäger – vor 28 Minuten

    Schon beängstigend, wie jemand mit so sozialen Störungen einen riesigen Berg Macht -in Form von Technologie- in der Hand haben kann. Dazu kommt dann noch, das er Trump unterstützt- der ja nichts wirklich verbessert hat, weder national noch international. Aber gut- selbst der VW Konzern- hier AUDI- unterstützt ja den Donald- oder wie soll man die Ankündigung für ein neues Werk in den USA verstehen???
    Läuft grad alles echt blöd, für Leute die selbst denken

    #Antworten
    • Thomas Gigold – vor 18 Minuten

      Ich würd' nicht mal nur sagen, für Menschen „die selbst denken“ … selbst für jene, die überhaupt nicht denken ist das Bild düster (auch wenn sie die Düsternis feiern)

      #

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