Russen, Attacken, Manipulation: Der Fall Archive.today
Archive.today (oder Archive.md) nutze ich fast täglich – primär, um schwache Registrierungs-Walls wie die von Bloomberg zu durchbrechen. Ich nutze den Dienst, obwohl ich vor Jahren mal einen Blogbeitrag von Jani Patokallio las, demzufolge hinter Archive.today ein paar Russen stecken, die ihre Identität wohl nicht nur verschleiern, weil ihre Webseite in einer rechtlichen Grauzone operiert.
Für Wikipedia ist Archive.today eine legitime Website um auf Snapshots von Seiten zu verweisen. Ähnlich wie die Wayback Machine von Archive.org.
Nun allerdings kickt die englischsprachige Wikipedia Archive.Today.
Denn offenbar richteten die Menschen hinter der Website jetzt eine virtuelle Attacke gegen Patokallio aus, nachdem dessen Recherchen im November 2025 wohl dazu führten, dass sich das FBI nun mit der Archive.Today beschäftigt und im Zuge dessen Patokallios Blogpost erneut Aufmerksamkeit erfuhr.
Nicht nur die Mühlen des Gesetzes, sondern auch die des Internets mahlen langsam, scheint es.
Die ganze Geschichte kann man bei Patokallio lesen.
Aufgrund dieser Attacken überprüften einige Wikipedianer die Snapshots von Archive.Today und – jetzt wird es uncool – fanden heraus, dass „Archive.today offenbar die Integrität seiner Snapshots korrumpiert hat. Beweise deuten darauf hin, dass der Betreiber gezielt Inhalte in archivierten Seiten veränderte, um Patokallio zu diskreditieren. So wurde etwa in archivierten Blogposts der Name einer anderen Person durch den Namen des verhassten Bloggers ersetzt“, schreibt heise.
Das führt nun dazu, dass Wikipedia der Seite nicht mehr vertraut und sie kickt.
Komplett. Was für die Seite nicht nur ein emanzipierter Schritt ist, sondern die Wikipedia auch vor Probleme stellt. Denn Archive.Today kann hinter Paywalls schauen, auch weil Nutzer:innen Inhalte selbst zur Verfügung stellen können.
Wohl rund 400.000 Wikipedia-Seiten verweisen mit mehr als 695.000 Links auf Archive.today.
Der Aufbau eines eigenen Wikipedia-Archiv-Dienstes, wie es Patokallio hofft dürfte aus rechtlicher Sicht schwierig sein. Gerade deshalb nahm man Archive.Today ja so dankbar an … Bin gespannt, wie es weitergeht.
Aber es macht klar: Archive.Today ist ein Dienst, den man mit Vorsicht nutzen sollte.
Nicht nur, weil Daten nach Russland wandern, sondern auch, weil – in der Natur des Dienstes liegend, wenn er sichtbar macht, was Du nicht sehen kannst – er Inhalt unerkannt manipulieren kann.
Offen gestanden habe ich noch nie daran gedacht, dass solche Dienste Manipulationspotenzial haben. Ich schaue jetzt mit anderen Augen darauf. Danke fürs Wachrütteln.