Vanessa fasst bei Draussen nur Kännchen ziemlich gut & lesbar zusammen, was das aktuelle politische Problem ist – und wo es her kommt. Das ist kein Text über Ossis oder Wessis oder AfD-Wähler oder Linke. Es ist eine sachliche Zusammenfassung mit einem Ergebnis, das meine These erneut bestätigt: Es fehlt eine politische Vision, die aus der Mitte heraus kommt.
Die SPD ist komplett verloren und die CDU erzählt nur, was Zuende ist – nicht, wo der Neuanfang startet oder wofür er ist. Ich würde sogar unterstellen, dass die Linke keine einheitliche Vision hat. Die Einzigen, die sich haben, sind die Rechten: Alles muss wieder so schön wie früher werden. Was genau früher ist, lässt man schön diffus, damit sich alle aussuchen können, welches Jugendjahrzehnt sie sich selbst aussucht, um nostalgisch im eigenen Glück und körperlichen Glanz zu baden.
Passend dazu Anne Rabe in der ZEIT: Und dann entfesselt Uwe Steimle die Wut (Geschenklink) über einen „Kabarett“-Auftritt des Ost-Humoristen, der sich mittlerweile in DDR-Hymne und Gewaltfantasien ergeht und trotzdem sein Publikum findet …
Was Steimle mit so vielen im Osten vereint ist die gemeinsame Kränkung – die einen in ihrer Schulzeit, die anderen mit dem Jobverlust in der Wende und die nächsten mit den ewigen Beleidigungen des Kanzlers. Es sind Kränkungen, die sich nicht heilen lassen. Daraus ziehen sie ihre Zugehörigkeit – ohne die Kränkung aber jemals verarbeitet zu haben. Eine Therapie könnte da helfen, dummerweise schaffen wir die aber (man muss ja sparen!) allerorten ab.
Das Dumme ist, dass weder so ein Text wie der von Vanessa noch Anne die richtigen mit ihren Erkenntnissen erreicht. Statt dessen machen wir in den sozialen Medien weiter: Wir gegen Die. Ich nehme mich da nicht aus, weil mir die Geduld ausgeht, die immer gleichen Diskussionen zu erleben mit Menschen, die in den 90er Jahren DSU und heute AfD wählen „weil man denen da oben es mal zeigen muss” … Statt dessen werde ich in den Diskussionen zunehmend von der Politik hängen gelassen. Wie soll ich denn allen Ernstes die Politik und das Gesagte von Friedrich Merz verteidigen, wenn der mittlerweile in der Linken ein größeres Problem als in der AfD zu sehen scheint und mich immer wieder beleidigt?
Die Luft wird dünner. Und alle dümmer.
Vielleicht scheint die Situation gar nicht nur aussichtslos. Vielleicht ist sie es sogar…