Menschen wollen kein CMS? Meinetwegen.
Joost de Valk, der Mann hinter dem WordPress-PlugIn "Yoast" ruft ganz pathetisch in die Welt, dass man dank KI jetzt keine Content-Management-Systeme wie WordPress mehr brauche. Schließlich hätten Menschen auch nie CMSe gewollt, sondern Website.
No Shit, Joost. Aber hier mal was bahnbrechendes: Du hast theoretisch nie ein CMS gebraucht. Damals, in der Zeit vor dem Web 2.0, da bastelte jeder seine Website einfach mit statischem HTML. Das kannst du auch 2026 noch tun, ohne CMS, oder KI.
Vor 25 Jahren feierte man mit dem Web 2.0, dass die statische Website tot ist.
Heute feiert man ihr Comeback – nur, dass im Hintergrund der statischen Seite (laut Joost) jetzt KI die Arbeit erledigt.
Ich weiß nicht, ob das eine so sensationelle Entwicklung ist.
Am Ende ist den Menschen ziemlich kackegal, wer da ihren Content managed – ob es ein CMS oder eine KI ist, solange es bequem ist. Deshalb war das Web 2.0 ein Erfolg, deshalb waren Facebook und Instagram ein Erfolg, deshalb wird KI nach dem Hype zu einem Erfolg.
WordPress betreibt das halbe Web.
Was WordPress indes noch nie war: Bequem.
Deshalb verstehe ich, weshalb Joost jetzt seine Erkenntnis so ultimativ vorkommen muss.
Aber bleiben wir mal auf dem Teppich.
Wer es bequem will, der fragt nicht Claude Code, eine Website zu erstellen, sondern Wix, Squarespace und WordPress. Der Typ Mensch griff früher statt zu Homesite dann eben zu Dreamweaver, Frontpage und Blogger.com – und wenn ich dich mit dem Satz verloren habe, dann bist zu wahrscheinlich jünger als 35 Jahre.
Menschen wollen Websites. Keine Abhängigkeiten. – ich bin mir da nicht mal sicher, sonst gäbe es nicht 3 Milliarden Nutzer:innen im Ökosystem von Meta, sondern im Fediverse.
Den Menschen ist Abhängigkeit scheißegal. Was ihnen nicht egal ist, ist Bequemlichkeit. Und deshalb läuft die Fraktion der "traditionellen" Blogger eben von WordPress weg hin zu kleinen System – weil WordPress nur noch ein aufgeblähter Haufen 💩 ist, der alles zu einem Aufwand generiert.
"Menschen wollen … keine Abhängigkeiten." – Dieser Schlussfolgerung stimme ich zu.
Was sie stattdessen möchten: Sichtbarkeit, Applaus und manche sogar Geld. Wenn möglich mit minimalem Aufwand. Daher gibt es IMHO 3 Milliarden Nutzer:innen im Ökosystem von Meta, statt im Fediverse.
Hey Thomas,
ich bin kürzlich selbst von WordPress zu einem statischen CMS gewechselt — und genau aus dem Grund, den du nennst: WordPress ist einfach aufgebläht. Bedeutet in der Theorie: mehr Kontrolle, weniger Abhängigkeiten. In der Praxis merke ich, dass Unabhängigkeit ihren Preis hat — Newsletter, Kommentare, Verlinkungen kosten plötzlich mehr Aufwand oder funktionieren nur unter ganz bestimmten Bedingungen. Das ist kein Argument gegen den Wechsel, aber eines gegen die Vorstellung, man löse sich damit einfach aus Abhängigkeiten heraus. Bei KI als Infrastruktur gilt das erst recht.
"Menschen wollen … keine Abhängigkeiten."
"Den Menschen ist Abhängigkeit scheißegal."
Was denn jetzt? (Und wir werden noch sehen, ob "KI nach dem Hype zu einem Erfolg" wird.)
> "Menschen wollen … keine Abhängigkeiten."
Ist ein Fazit von de Valks "People never wanted a CMS. They want a website."