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11. März 2026

Deutschland: Ohne Social-Media-Verbot vor dem Abgrund?

Daniel Günther, Ministerpräsident in Schleswig-Holstein, sieht den Untergang des Abendlandes, wenn wir nicht endlich Kindern dieses Social Media verbieten.

Konkret sagt Günther: »Teilhabe ist wichtig, aber welche Kinder wollen Teilhabe an Gewaltvideos, Enthauptungen, Stigmatisierungen und verzerrten Schönheitsbildern, die sie in Depressionen treiben?«

Damit zeigt er: Ihm ist an der populistischen Schlagzeile mehr gelegen als an einer echten Lösung.

Man ersetze das "Kinder" einfach mit "Menschen"

»Teilhabe ist wichtig, aber welche Menschen wollen Teilhabe an Gewaltvideos, Enthauptungen, Stigmatisierungen und verzerrten Schönheitsbildern, die sie in Depressionen treiben?«

Ja, einfache Antwort: Keine.

Und nur weil ich mittlerweile 45 Jahre bin, bin ich genausowenig an diesen Inhalten interessiert. Oder resilienter gegen sie. Ich für mich sehe keinerlei Gewinn darin, solche Inhalte zu sehen.

Und genau an dem Punkt entlarvt sich auch Günther selbst. Denn er könnte einfach fordern, die Plattformen zu regulieren, anstatt Menschen auszusperren. Mir gefällt der Vergleich, den Gavin Karlmeier da neulich im Haken-Dran-Podcast gemacht hat: Wenn sich Drogendealer auf dem Spielplatz tummeln, sperren wir doch nicht die Kinder aus und lassen die Dealer einfach weitermachen, sondern wir kümmern uns um die Dealer.

Aber Günther ist natürlich "schlau": Er weiß, dass bei einer Regulierungsforderung das AfD-Pack rasch wieder vom Ende der Meinungsfreiheit reden würde. Gegen das Aussperren von Kindern zu deren Schutz aber kann ja niemand etwas sagen. Außer vielleicht über 400 Forschende aus allerlei Ländern. Oder UNICEF, das deutsche Kinderhilfswerk, Lehrerverbände, … Naja, kurzgesagt: Menschen halt, die nicht nur eine Meinung, sondern Ahnung haben.

Ich frage mich, welche Pflicht (oder Recht) ich als Erwachsener habe, derlei Inhalte unreguliert zu sehen, wenn mir ein Algorithmus diese ungefragt vorsetzt. Auch im TV oder auf Presse-Webseiten bekomme ich das nicht zu sehen. Weil es nämlich sowas wie Verantwortung gibt, was im öffentlichen Raum gezeigt wird. Langsam müssen wir mal an den Punkt kommen, algorithmusgesteuerte Plattformen als Herausgeber in die Haftung zu nehmen.
Stattdessen ersetzen wir die inhaltliche Verantworung und Jobs (u.a. von Journalisten) mit KI und zucken dann mit den Schultern, wenn was schief geht … Kann man nix machen, muss man wohl die Kinder aussperren. ¯\_(ツ)_/¯

UPDATE
Passend dazu gerade stolperte ich gerade über einen Artikel in der ZEIT (Geschenklink):

»Es ist deshalb wichtig festzuhalten, dass die vorgeschlagenen Verbote sich gegen junge Nutzerinnen und Nutzer richten – nicht gegen die Systeme, die sie prägen. Sie beschneiden die Freiheit von Jugendlichen, sich zu informieren und sich zu äußern, während die konzentrierte Macht der Konzerne, die ihre Aufmerksamkeitslandschaften gestalten, unangetastet bleibt [sie] greifen nicht in die strukturellen Dynamiken ein, die Erwachsene und Kinder gleichermaßen betreffen.«

Und Verena Schäffer MdL, Ministerin für Kinder, Jugend, Familie, Gleichstellung, Flucht und Integration des Landes Nordrhein-Westfalen, fordert zurecht:

»Hass und Hetze, Gewalt und Desinformation auf Social Media sind kein Problem einzelner Nutzerinnen und Nutzer. Sie gefährden das Zusammenleben in unserer demokratischen Gesellschaft. Plattformbetreiber müssen endlich wirksam gegen strafbare Inhalte vorgehen und ihre Algorithmen so ändern, dass Nutzerinnen und Nutzer wieder selbst entscheiden, welche Inhalte in ihren Timelines erscheinen. […] Statt immer neuer Debatten über zusätzliche Instrumente sollte die Europäische Kommission zunächst konsequent anwenden, was bereits gilt

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5. März 2026

Heute Morgen schon im Newsletter erwähnt, aber der ist viel zu gut, um nicht auch hier zu landen: Ein Tag im Leben des Enshittificators – dargestellt in einem witzigen Kurzfilm der norwegischen Verbraucherzentrale für die Kampagne 'Breaking Free' gegen die verbraucherfeindliche Enshittification.

Auf Vimeo oder YouTube.

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2. März 2026

72 Minuten

Das Gute ist ja: Bevor wir alle erfahren, dass jetzt Atomkrieg ist, ist die Hälfte von uns schon nicht mehr da.
Einfach, weil innerhalb einer Stunde das meiste eigentlich erledigt ist.
Das spendet Trost.

– '72 Minuten bis zur Vernichtung' ist ein faszinierendes Buch, dass vom Abschuss des ersten atomaren Sprengkopfs minutiös die Reaktion der USA, Russlands und anderer Parteien zeichnet. Und dokumentiert, wieso wir uns gar keinen Kopf mehr machen müssen, wenn das erste Social-Media-Video oder die erste Nachrichtensendung über einen Einschlag berichtet.

Wenn man das einmal verinnerlicht hat, fällt es deutlich einfacher sich gar keinen Kopf mehr zu machen.
Drei alte weiße Männer werden uns ins Verderben schießen. Acht Milliarden Menschen. Mehr braucht es nicht, als drei alte weiße Männer.

Die Weltuntergangsuhr, die sprichwörtlich maximal auf 5 vor 12 stehen sollte, wurde am 27.01.2026 auf 85 Sekunden vor Mitternacht gestellt – ein neuer Spitzenwert. Ich frage mich, wo sie am 01.03.2026 steht …

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28. Januar 2026

Manchmal lasse ich mich so durch YouTube Music treiben. Und da kam mir gerade Unstoppable von Sia vor die Nase – was diesen Januar tatsächlich schon 10 Jahre wird und seitdem permanent da ist. Noch krasser indes ist: Dass ich Sia erstmals gehört habe ich mittlerweile auch schon 20 Jahre her:

… Six Feet Under könnte ich nach 20 Jahren echt mal einem Rewatch unterziehen. Gibt es tatsächlich auf HBO Max. Ich werd' alt.

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28. Dezember 2025

Der erste Digital Independence Day oder Di.Day findet am 4. Januar 2026 statt und wird von der Initiative Save Social koordiniert.“ – Ich finde es eine gute Idee einen Tag zu bestimmen, der gesellschaftlich das ganze Thema einmal versucht breiter zu positionieren. Und es ist schlau, da einen prominenten Sprecher wie Marc-Uwe Kling vorn dran zu haben. Mit dem Namen und der Kurzfristigkeit habe ich so meine Probleme, aber das würd' die Idee jetzt nur zerreden…

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15. Dezember 2025

Rückwärts immer…

Die Unesco sieht eine Einschränkung der Presse- und Meinungsfreiheit von Institutionen und Presse. Und zwar in einem Ausmaß, die bisher nur im Ersten Weltkrieg, der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg und auf dem Höhepunkt des Kalten Krieges von 1963 bis 1973 gemessen wurde.

Die Unesco macht politischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Druck auf Medien für den Trend verantwortlich – dieser führe zu mehr Einschränkungen der Medien oder Selbstzensur eben dieser. Zudem würden Rechtsmittel missbräuchlich genutzt, ebenso wie Verleumdung, Hassrede oder Missinformation, um Pressevertreter einzuschüchtern oder zum Schweigen zu bringen.

Westeuropa und Nordamerika blieben laut dem Bericht die Regionen, in denen die Lage weltweit am besten sei. Einschränkungen hier seien am stärksten in der Freiheit für Wissenschaften und in Kultur eingeschränkt.

… und na klar finden sich jetzt jene in den Kommentaren unter dem (verlinkten) Artikel wieder, die fröhlich rechte Parolen zwitschern und davon lamentieren, dass sie auch nichts mehr sagen dürften – um danach jeden und alle zu bedrohen, die nicht ihrer Meinung sind.

Wir bewegen uns mit Raketentempo ins Mittelalter zurück.

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12. Dezember 2025

RSL will Lizenzen für Inhalte maschinenlesbar machen

RSL Really Simple Licensing ist ein neuer, offener 'Industriestandard' (nicht vom W3C reguliert bisher). Basierend auf RSS soll der maschienenlesbare Lizenzvereinbarungen ausweisen, um so bspw. KI-Unternehmen zeigen zu können, wie sie Inhalte nutzen dürfen.

Bisher konnte man über die robots.txt nur auszeichen, ob etwas genutzt werden darf. Wie auch die robots.txt kann RSL keinen Bot aussperren; weil aber bspw. auch Cloudflare und Akamai sich dem neuen Standard zuwenden, gäbe es die Möglichkeit über die Anbieter.

Ein spannender Ansatz; interessant wird es, wenn man im Grunde auf Basis der RSL-Auszeichnung tatsächlich eine Forderung durchsetzen kann, sofern Anbieter wie OpenAI und Co. sich über die darin definierte Lizenz setzen würden. /via

Vom W3C selbst gibt es bisher ein Text and Data Mining Reservation Protocol (TDMRep) – hier kann im JSON Format im Grunde mitgeteilt werden, ob Rechte reserviert sind. RSL hat zum Start aber mit breiter Verlags- und Server-Anbieterfront wohl die besseren Chancen.

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23. September 2025

Die elfteilige Dokumentation 'The Center Seat: 55 Years of Star Trek' des History Channels gibt es jetzt kostenfrei auf YouTube. Die Doku hat gerade einmal 4 Jahre auf dem Buckel – für Trekkies vielleicht nicht unbedingt irgendwas Neues, aber es kommen auch Leute zu Wort, die man sonst eben nicht sieht.

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10. September 2025

Braune Schilder (an deutschen Autobahnen)

… nein, nicht was Du denkst!

Rund 3.600 braune Schilder weisen an den deutschen Autobahnen auf Sehenswürdigkeiten hin. Laut einer Studie folgt ihnen jeder Sechste.
WDR

Jedenfalls gibt es jetzt (per Pressemitteilung) eine neue Seite Names 'Braune-Schilder.info'. Den Namen halte ich für schwierig, aber naja. Jedenfalls: „Das Portal bietet Reisenden und Interessierten erstmals die Möglichkeit, die faszinierenden Geschichten hinter rund 6.200 touristischen Hinweisschildern entlang der europäischen Autobahnen zu entdecken

Finde ich als Idee ganz witzig.
Allerdings ist das, was das Portal wirklich bietet eher mau.

So variiert die Zahl der Schilder auf den Karten aus mir nicht nachvollziehbaren Gründen – mal werden 400 angezeigt, mal 2000 … mal fehlt die Anzeige meiner Heimatstadt, mal ist sie da.

Was dann aber auf jeden Fall vollständig fehlt sind sinnvolle Angaben auf den Detailseiten. Zwar gibt man an wo man das Ziel findet, nicht jedoch wo das Schild. Und dann fehlt (Text-)Information, wieso das Ziel überhaupt spannend sein soll.

Wer sich wirklich für die Schilder und die Orte, auf die sie verweisen, interessiert, der bekommt einen wunderbaren Service der Wikipedia.
Die listet nämlich – sortiert nach Autobahnen – wirklich alle Schilder und verlinkt sie zu den Wiki-Einträgen mit den Orten, auf die sie verweisen.
Die URL ist nicht ganz so sexy, der Dienst aber deutlich besser: /Liste_der_Listen_der_Unterrichtungstafeln_in_Deutschland

Die Schloßkirche in meiner Heimatstadt Eisenberg an der A9 ist übrigens primär für Menschen spannend, die sich für das Herzogtum Sachsen-Altenburg interessieren – ansonsten empfehle ich eher dem 1.100 Meter weiter vorn angebrachten Schild zu den Dornburger Schlößern zu folgen …

Viel Spaß.

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8. September 2025

Alles Gute zum Geburtstag, Star Trek

Nicht Alles, was ich weiß, habe ich von Star Trek gelernt. Aber doch einiges.

Den Satz schrieb ich 2006 zum 40sten Geburtstag in dieses kleine Blog.
Er ist auch 19 Jahre später noch war.

Über 950 Stunden Star Trek haben mich bereits abgefüllt. Das meiste davon – rund 750 Stunden 'klassisches Trek' bis 2017 – sogar mehrfach. Dazu kommen Podcasts und Bücher, in denen ich mich stundenlang verloren habe. Ist Trek ein Teil meines Lebens? Ich würde sogar soweit gehen und sagen, Trek ist Teil meiner Persönlichkeit.

Na klar, es ist "nur" eine TV-Serie bzw. ein TV-Serien-Universum.
Aber es ist auch ein bisschen soetwas wie ein Zuhause. Ein sicherer Hafen im Chaos der Welt.

Ich mag Facetten einer jeden Trek-Serie. Natürlich bin ich groß geworden im 90er Jahre Teppichboden-Wohnzimmer der Enterprise D und saß stundenlang auf der Promenade von DS9. Aber auch den Ausflügen des neueren Treks seit 2017 kann ich Positives abgewinnen, obgleich sich dabei zwangsläufig nicht das gleiche kuschelige Gefühl einstellt … vielleicht werde ich alt.

Wie dem auch sei: Happy Birthday, Star Trek.
Vor 59 Jahren flimmerte der Pilotfilm mit Captain Kirk und seiner Crew über die Bildschirme. Und seitdem gibt es stetig Neues aus dem Universum. Auf die nächsten 59 – auch wenn ich dann schon 103 Jahre sein werde, freue ich mich auf das, was kommt und das, was bleibt: Auf Deep Space Nine werde ich in meinen Träumen wohl immer wieder zurück kehren.

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