UK verbannt Social und KI für Jugendliche
Dieser Text stammt aus meinem Social-Media-Newsletter vom 16. Juni 2026.
Ich bin gegen ein Social-Media-Verbot für Jugendliche. Statt Plattformen zur Verantwortung zu ziehen und in Medienbildung für Kinder und Eltern zu investieren, drängen wir Jugendliche in Nischen des Internets und tun so, als würde sich ein Problem lösen, weil wir fünf Apps für sie verbieten. Irre.
Großbritannien macht ernst: Wie erwartet (SMM vom 10.06.) hat der britische Premier Keir Starmer ein Social-Media-Verbot für Unter-16-Jährige angekündigt und bezeichnet es als weitreichendstes weltweit. Als Vorbild dient Australien – aber mit „Plus“, so Starmer. (BBC, TechCrunch)
Betroffen sind alle großen Plattformen: TikTok, Instagram, YouTube, Snapchat, Facebook und X. Messenger wie WhatsApp und Signal sollen ausgenommen werden. Anders als in Australien sollen auch KI-Chatbots künftig nur noch für Volljährige erreichbar sein. In Kraft treten sollen die Regeln im Frühjahr 2027, dazu muss die Medienaufsicht Ofcom nun jedoch ein System zur Altersverifizierung aufbauen.
Die Regierung begründet den Schritt mit Suchtmechanismen, Mobbing und schädlichen Inhalten. Sie beruft sich auf eine Konsultation, in der über 83 % der teilnehmenden Eltern die Risiken höher gewichteten als den Nutzen. Befragte Jugendliche selbst wünschten sich laut Regierung primär mehr Schutz statt eines pauschalen Verbots. Offenbar gewichtet die Regierung jedoch das Anliegen der Eltern höher. (Sky)
Nicht nur von Jugendlichen gibt es Gegenwind: Plattformbetreiber reagierten wenig überraschend mit Ablehnung. Gleichzeitig wirbt Starmers Regierung bei der Trump-Administration aktiv um Rückendeckung – das Gesetz schütze Kinder und sei kein Angriff auf US-Tech. Trumps Regierung hatte Starmer vor einer Woche bereits vor einem Gesetz gewarnt. Und Elon Musk nannte das Vorhaben ein Zensur-Gesetz. (Guardian, Sky)
Vorbild für Großbritannien ist Australien, wo ein Verbot seit Dezember 2025 in Kraft ist. Nach wenigen Monaten zeigt sich dort, wie schwer die Durchsetzung ist. Laut Erhebung nutzen im März 2026 noch rund 61 % der zuvor aktiven Jugendlichen die eigentlich gesperrten Plattformen. Bei Eltern bleibt das Verbot dennoch beliebt, auch wenn Fachleute zweifeln, ob ein pauschaler Bann überhaupt wirkt. (Sherwood)

Für alle, die jüngere Zielgruppen ansprechen, wird die Frage nach Reichweite und Plattformwahl zunehmend zur Strategiefrage. Auch innerhalb der EU gibt es seit Monaten Diskussionen um ein Social-Media-Mindestalter. Zuletzt hatte die irische Regierung angekündigt, die kommende EU-Ratspräsidentschaft für eine stärkere gesetzliche Regulierung sozialer Netzwerke nutzen zu wollen. (heise)
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