Weblog-Start / Blogroll / Feeds

Vom Sterben – dem echten und digitalen

In den letzten Tagen gab es um mich herum ein paar Abschiede. Abstraktere, zum Beispiel von "Netzbekanntschaften" wie Oswald Prucker und "Oppa Ömmes". Aber auch im direkten Familienumfeld.

Wirklich Zeit mich damit auseinander zu setzen hatte ich bisher nicht.
Das liegt an den "externen Gegebenheiten", aber auch daran, dass ich das Thema ungern an mich ran lasse.

Dem Tod haftet eine Seite an, die wir zu gern verdrängen.
Dabei ist er nach unserer Geburt das Einzige, dass wirklich gewiss ist. Wir feiern jedes Jahr, dass wir noch da sind? Vielleicht hat es auch damit zu tun, dass über all dem hängt, Wünsche und Träume nicht verwirklichen zu können, weil das Ende im Grunde schon feststeht – nur eben nicht, wann es kommt.

Was mich dabei gerade aber ein bisschen mehr umtreibt als die emotionale Ebene (zu der ich als gestörter alter Mann sowieso scheins keine enge Beziehung habe) ist die Frage: Was wird eigentlich aus meinem digitalen Erbe?

Also, einfach mal blöd gesagt: Meine Frau hat zwar Zugang zu meinem Passwort-Vault – einen Überblick, über meine Social-Accounts, Webseiten und anderen kleinen Projekte wie UberBlogr oder meinen Newsletter aber hat sie nicht.

Wenn ich mal weniger glücklich vom Fahrrad fallen sollte verstumme ich auch im Netz, und ihr werdet es nie erfahren. Jetzt will ich meine Rolle keinesfalls größer machen, als sie auf dem Planeten ist (ich kleines Sandkorn am Strand). Aber trotzdem …

Deshalb denke ich gerade: Brauche ich irgendwo in meinen Claude AI-Routinen einen "Todmannschalter"? Eine Mail und Blogtext, die verschickt werden, eine alles löschende Routine – ausgelöst, wenn ich mich mal eine Woche nicht melde.

Mit KI einfach lösbar.
Vielleicht richte ich das mal ein …?

Wie gehst du das Thema an?
Schreib mal hier oder bei dir im Blog und lass einen Link hier – ich bin wirklich neugierig: #digitalesErbe

… die Vorstellung, dass KI für mich weiter auf Threads und Instagram postet, wenn ich nicht mehr bin fühlt sich übrigens komisch an – erinnert mich mehr an eine bestimmte Black Mirror, als eine erstrebenswerter Zukunft. Aber vielleicht ist das die kommende Erinnerungskultur? Wenn Claude AI mich imitieren und programmieren kann, steht nichts mehr im Wege, einfach im Netz unsterblich zu sein?!

Veröffentlicht:

Kommentare

  • Der Tod ist halt ein definitiver Zustand, dem wir nicht entweichen können. Und dummerweise sind wir danach weg. Das verdrängt jede:r gern, bis man dem Zenit sehr nahe ist.

    Bisher ging ich dem Thema auch aus dem Weg, aber je näher die "Einschläge" an uns heran rücken, umso notwendiger ist die Beschäftigung damit. Wohl oder übel werde ich auch eine Dokumentation für den Fall anlegen.

    KI ist für mich keine "Erinnerungslösung", sie imitiert einfach nur ein Verhalten. Das hat mit dem Menschen null zu tun und sollte somit auch keinen Platz in der Trauerarbeit erhalten, weil es einfach nur frustrierend ist.

  • Meine digitalen Hinterlassenschaften sind mir sch..(ön) egal. Der "Quatsch" hat keine Haptik und ist auch sonst kaum zu gebrauchen. Mir wäre wichtig, das sich meine Töchter nicht um irgendetwas streiten, sondern einen guten Weg finden, mit ihrem Erbe umzugehen. Und: das sie meinem Hund ein lebenswertes zu Hause bieten. Das mein Haus nicht einfach unter den Hammer kommt sondern weiterhin ein Heim zum lieben, leben und lachen bleibt.
    Meinem Gefühl nach sind digitale Hinterlassenschaften schnell veraltet und vergessen. Man kann darin weder wohnen noch kann man sie essen.

  • So ein bißchen denk ich ja "wenn ich tot bin, ist mir das sowieso egal." Sollte Madame mich überleben, hätte ich den Anspruch es ist einfach zu machen - also sie wissen zu lassen, wie sie an alles herankommt und sich dann die Sachen nehmen kann, die sie braucht. Was "Kleinkram" angeht: ich finde das Bild einer Zeichnung im Sand, die langsam vom Wasser aufgelöst wird, ja sehr schön.

Dein Kommentar