In der ARD Mediathek versteckt sich noch bis 26.03.2026 der Film, der Sandra Hüller ins Rampenlicht stieß: Anatomie eines Falls.
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24. Februar 2026
LEGO Idiot Brick
Ich komme gerade aus dem Lachen nicht mehr raus … obwohl man eigentlich vor Wut schäumen müsste, über den Weg, wie LEGO versucht Eltern und Kindern das Geld aus der Tasche zu ziehen.
Zur CES stellten die Dänen ihren "Smart Brick" vor. Einen LEGO-Stein mit Sensoren, Akku, Lautsprecher und Licht (wobei das eigentlich nur blinkt um zu zeigen: Ich funktioniere). Anlässlich der Vorstellung schrieb ich: „Der smarte Baustein von LEGO ist das Dümmste, das ich diese Woche gesehen habe“ – und es scheint, als behielte ich Recht.
Die ersten Sets sollen ab 1. März im Handel sein, aber dummerweise hat LEGO ein paar erste Sets an YouTuber verschickt. Und wenn man denen sonst vorwirft, alles Zugeschickte gut zu finden; hier hat sich der Konzern ein Ei gelegt.
Das ist das wohl Übelste, was ich seit Langem als überteuertes Produkt gesehen habe.
Hier und hier gibt es die Reviews der Sets vom YouTuber MandRproductions.
… und ich komme aus dem Lachen nicht mehr raus.
Na klar kann in einem so kleinen Stein irgendwie kein guter Lautsprecher stecken. Und irgendwie wird mir erst jetzt bewusst, dass die Figuren natürlich nicht in einer echten Sprache sprechen können, weil sie dann lokalisiert werden müssten.
Aber mal ehrlich: Man zahlt LEGO-Preise für den 8-Bit-Sound, der noch mieser klingt als mein erstes Elektronika IM-02 vor 40 Jahren? Das Licht kann man überhaupt nicht als Feature zählen, weil es einfach nur als Indikator blinkt. Und die Reaktionsgeschwindigkeit in den verlinkten Videos ist auch eher mau …
Das sich ein Konzern 2026 tatsächlich traut sowas auf Kunden loszulassen und dafür pro Set um die 100 Euro verlangt ist – ich sag es, wie es ist – schamlos.
LEGO hat bereits mehrfach bewiesen, dass sie elektrische Dinge nicht können.
Statt sich aber in Zeiten der Digitalisierung bewusst im Gegentrend zu positionieren, versucht man es mit sowas … Ich kann wirklich nicht anders, als die Dänen auszulachen.
Anstelle solcher Grütze könnte man in gute Drucke, Beleuchtung, Steine-Qualität und sinnvolle LEGO TECHNIK-Sets investieren und auf diese Weise Begeisterung und Qualität kombinieren. Mit sowas verprellt man aber lieber alte Fans mit sinkender Qualität und veräppelt Eltern und Kinder mit Enttäuschungen. Wow! Das ist ein Desaster.
Hinzu kommt, dass die ach so smarten Bricks keinerlei Schnittstellen bieten. Es ist also nicht vorgesehen, dass man sich mit ihnen kreativ austobt – zum Beispiel, indem man sie selbst besprechen kann, eigene Actions definiert, oder sie koppelt … wie auch immer. Wenn schon digital, dann eben kreativ.
LEGO geht es gut. Man macht Unsummen mit Lizenzen und überteuerten Erwachsenen-Sets.
Wahrscheinlich ist genau das ein Problem. Kreativität entwickelt sich in Dänemark nicht aus einer Stärke heraus.
Ich bin gespannt, wie lange LEGO die Steine jetzt mitschleift, bis man sie heimlich wieder aus dem Katalog entlässt. Zwei Jahre hat man sie jetzt sicherlich am Hals, damit es nicht zu würdelos wirkt.
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23. Februar 2026
Bill Kaulitz lässt AD in sein Haus – ein Frank Lloyd Wright-Haus über Los Angeles.
Ich liebe alles: das Haus, den Umbau, den Ausblick über L.A. ebenso wie in Jared Letos Haus, und den super-symphatischen Bill.
Russen, Attacken, Manipulation: Der Fall Archive.today
Archive.today (oder Archive.md) nutze ich fast täglich – primär, um schwache Registrierungs-Walls wie die von Bloomberg zu durchbrechen. Ich nutze den Dienst, obwohl ich vor Jahren mal einen Blogbeitrag von Jani Patokallio las, demzufolge hinter Archive.today ein paar Russen stecken, die ihre Identität wohl nicht nur verschleiern, weil ihre Webseite in einer rechtlichen Grauzone operiert.
Für Wikipedia ist Archive.today eine legitime Website um auf Snapshots von Seiten zu verweisen. Ähnlich wie die Wayback Machine von Archive.org.
Nun allerdings kickt die englischsprachige Wikipedia Archive.Today.
Denn offenbar richteten die Menschen hinter der Website jetzt eine virtuelle Attacke gegen Patokallio aus, nachdem dessen Recherchen im November 2025 wohl dazu führten, dass sich das FBI nun mit der Archive.Today beschäftigt und im Zuge dessen Patokallios Blogpost erneut Aufmerksamkeit erfuhr.
Nicht nur die Mühlen des Gesetzes, sondern auch die des Internets mahlen langsam, scheint es.
Die ganze Geschichte kann man bei Patokallio lesen.
Aufgrund dieser Attacken überprüften einige Wikipedianer die Snapshots von Archive.Today und – jetzt wird es uncool – fanden heraus, dass „Archive.today offenbar die Integrität seiner Snapshots korrumpiert hat. Beweise deuten darauf hin, dass der Betreiber gezielt Inhalte in archivierten Seiten veränderte, um Patokallio zu diskreditieren. So wurde etwa in archivierten Blogposts der Name einer anderen Person durch den Namen des verhassten Bloggers ersetzt“, schreibt heise.
Das führt nun dazu, dass Wikipedia der Seite nicht mehr vertraut und sie kickt.
Komplett. Was für die Seite nicht nur ein emanzipierter Schritt ist, sondern die Wikipedia auch vor Probleme stellt. Denn Archive.Today kann hinter Paywalls schauen, auch weil Nutzer:innen Inhalte selbst zur Verfügung stellen können.
Wohl rund 400.000 Wikipedia-Seiten verweisen mit mehr als 695.000 Links auf Archive.today.
Der Aufbau eines eigenen Wikipedia-Archiv-Dienstes, wie es Patokallio hofft dürfte aus rechtlicher Sicht schwierig sein. Gerade deshalb nahm man Archive.Today ja so dankbar an … Bin gespannt, wie es weitergeht.
Aber es macht klar: Archive.Today ist ein Dienst, den man mit Vorsicht nutzen sollte.
Nicht nur, weil Daten nach Russland wandern, sondern auch, weil – in der Natur des Dienstes liegend, wenn er sichtbar macht, was Du nicht sehen kannst – er Inhalt unerkannt manipulieren kann.
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22. Februar 2026
Meine Inspiration der Woche: Alysa Liu.
Mit 16 vom Eiskunstlauf zurücktreten, mit 18 zu den eigenen Regeln zurückkommen, Weltmeisterin werden und jetzt 2x Gold holen. Ich schaue kein Olympia, aber beim zappen blieb ich ob ihrer puren Ausstrahlung auf dem Podium hängen. Und dann schaute ich diese Kür …. Muss ich nur mal festhalten. War mein Freude-, Inspirations- und (einziger) Olympia-Moment diese Woche.
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Internet ist kaputt, und alle wollen's verbieten (Ausgabe 8)
Diese Woche geht es um KI-Companions, das Social-Media-Mindestalter und ein bisschen mehr. Dazu Lesetipps und Altes zum Streamen.
21. Februar 2026
Extremes Bergsteigen als Dekadenzerscheinung
In Innsbruck stand ein Bergsteiger vor Gericht. Er hatte seine Freundin im Januar 2025 am Großglockner zurückgelassen – wohl in einer Situation (gute Erklärung im Video), in der er mit seiner Kompetenz am Ende war.
Fünf Monate auf Bewährung und eine Geldstrafe wegen grob fahrlässiger Tötung.
Das Urteil mag als Laie seltsam milde klingen. Für Bergsteiger eventuell sogar zu hart.
Ich kenne mich beim Bergsteigen nicht aus, aber ich finde spannend, was Reinhold Messner bei Welt TV erzählt, dass beim Verständnis hilft – und das ich spannend fand (Vollzitat ab hier):
Also ich glaube, dass extreme Bergsteigen können Laien am Küchentisch oder auch vor dem Gesetz nicht verstehen und nicht folgen. Was wir tun, ist erstens egoistisch, zweitens ist es eine Dekadenzerscheinung der letzten 200 Jahre und daraus ist der traditionelle Alpinismus entstanden. Genau das Gegenteil von dem, was jetzt bei der Winterolympiade läuft: Da gibt es keine Regeln, sondern wir folgen unseren Instinkten. Und unsere Instinkte wollen, dass wir Partner und Partnerinnen retten, wenn es irgendwie möglich ist. Wenn das nicht mehr möglich ist, dann ist es nicht mehr möglich. Natürlich kann man diese Tätigkeit nicht loben. Diese Tätigkeit kritisiere ich selber, indem ich eben sage, es ist eine Dekadenzerscheinung und keine Heldentat. Über Jahrzehnte – nein, über zwei Jahrhunderte – wurde das extreme Bergsteigen heroisiert. Damit haben wir aufgeräumt.
Nun ganz kurz zu meiner Definition von extremem Bergsteigen, was am Großglockner eigentlich nicht der Fall war: Wir gehen freiwillig, wohlbewusst dessen, was wir tun, dorthin, wo wir umkommen könnten – und um nicht umzukommen. Das Nicht-Umkommen ist die große Kunst. Und es ist nur eine Kunst, wenn man wirklich dabei umkommen könnte. Wenn ich das ausschalte, wenn ich das herausnehme, ist es was anderes.
Heute wird Tourismus und Sport in das traditionelle Bergsteigen hineingenommen. Was am Everest passiert, ist Tourismus. Was am Großglockner bei normalen Verhältnissen passiert, ist Tourismus. Was in der Kletterhalle passiert, ist Sport. Das ist alles messbar, das ist kontrollierbar, da gilt das Gesetzbuch.
Aber was wir tun, wir extremen Bergsteiger, das ist nicht greifbar, das ist nicht definierbar. Das passiert wie der Tod meines Bruders. […] Deswegen auch meine Aussage: Ich bin zum Glück nicht der Richter. In diesem Fall gibt es sehr viele Ungereimtheiten, wie mein Freund Peter Habeler auch deutlich sagt. Aber wenn ich selber nicht dabei war, wenn ich die psychologischen Hintergründe, das Verhältnis dieser beiden Menschen zueinander nicht im Detail kenne, kann ich hier kein Urteil sprechen. Und ich bin froh – ich wiederhole das – dass ich das in diesem Fall nicht muss.
20. Februar 2026
Mit MapToPoster kann man eigene Orts-Poster im Browser erstellen und in Druckqualität runterladen. Das Tool greift auf OpenStreetMap-Daten zurück, ermöglicht ein paar verschiedene Styles. Das sieht mit großen Städten ein bisschen beeindruckender aus, als mit kleinen. Aber ist wirklich recht cool, wenn man seine Stadt selbst auswählen kann. /via

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19. Februar 2026
Ach, Friedrich
Ich will doch auch nicht dauernd über Politik schreiben.
Aber dieser Kasper, der allein aus einem gekränkten Ego heraus unbedingt Bundeskanzler werden wollte, und das durch einen dummen Zufall auch noch geworden ist, der triggert mich einfach. Zu jedem Satz, den Friedrich Merz rausballert, möchte ich eine Gegenrede halten.
Zu offenbar ist einfach, dass Merz vor allem eines hat: Verständnisprobleme.
Er versteht den Bürger nicht.
Versteht nicht, dass der zuckt, wenn sein Kanzler nicht nur die Wähler des politischen Gegners, sondern gleich alle Arbeitenden, Kranken, Sozialempfänger und Ausländer gleichermaßen beschimpft. Zu faul, zu krank, zu bedürftig, zu wenig integriert (und im Stadtbild stören sie auch noch).
Er versteht Wirtschaft nicht.
Versteht nicht, dass wir keine Krise von Leistung haben, sondern eine Krise des Konsums. Dass die Probleme von Unternehmen für eine Exportnation nicht Arbeitsstunden sondern Produktivität wegen bröckelnden Absatzes im Ausland aufgrund der Störung internationaler Garantien sind. Er versteht offenbar nicht, dass man den Inlands-Konsum nicht durch mehr Arbeit, sondern mehr Sicherheit steigert. Nicht die Sicherheit mit Atomwaffen oder Panzern, sondern die soziale und finanzielle.
Er versteht Kommunikation nicht.
„Ich möchte uns […] motivieren“, ruft er. Und fordert „Fröhlichkeit an der Arbeit“.
Worin die Motivation besteht: Sagt er nicht. Weshalb ich fröhlicher sein soll: Sagt er nicht. Wofür ich eigentlich mehr arbeiten soll: Sagt er nicht. Statt einer Vision zu vermitteln, motzt und zedert er in einer Tour. Wie ein schlechtgelaunter CEO, der seinen Bonus nicht bekommt, weil man das Umsatzziel verpasst.
Friedrich Merz warf Olaf Scholz einmal vor, er könne es nicht.
Zeigt sich: Friedrich Merz kann es noch viel weniger.
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Obdach.
„Wir können uns den Sozialstaat nicht mehr leisten“, sagt die Regierung.
Wir wollen ihn uns nicht mehr leisten, wäre ehrlicher.
Eine Regierung, die 'Christlich' im Namen trägt, lässt stattdessen lieber die Solidargemeinschaft fahren und Menschen auf den Straßen sterben.
Brich dem Hungrigen dein Brot, und die im Elend ohne Obdach sind, führe ins Haus! Wenn du einen nackt siehst, so kleide ihn, und entzieh dich nicht deinem Fleisch und Blut!
– Jesaja 58,7
Vom 1. bis 28. Januar sind allein in Hamburg bereits 18 wohnungslose Menschen gestorben.
Die Bundesregierung will Wohnkosten für Bürgergeld-Empfänger deckeln und Leistungen schneller streichen.
Bis 2030 will die EU Obdachlosigkeit beenden.
Am Wochenende habe ich eine interessante Doku auf arte ('Das gebaute Versprechen – Obdachlosenunterkünfte') über niedrigschwellige Obdachlosenunterkünfte gesehen. Darüber, wie man bspw. in Wien versucht die Menschen zurück in Unterkünfte und das Leben zu holen.
Wir könnten uns den Sozialstaat leisten.
Würden wir endlich damit anfangen, das Ungleichgewicht zu beenden, dass sich durch die zunehmende Automatisierung auftut. Die Lösung mal als Gedanke: Sozialabgaben und Steuern auf Arbeit statt Arbeitende. Bedeutet: Jeder Industrieroboter, jede KI in einem Unternehmen, muss Steuern und Sozialabgaben zahlen. Ansonsten wird es eng.
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