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5. Januar 2026

Hegt die Bäche, entflieht den reißerischen Strömen

Die Epoche der sozialen Medien ist vorbei – weil sie nicht mehr sozial sind. Geopfert auf dem Altar des Kapitalismus, erdrosselt von den Viren der Algorithmen. Social Media ist nur noch TV, und meistens laufen billig produzierte Infomercial. Geistiger oder sozialer Wert steckt nur noch in den wenigen Seitenarmen des stetig wachsenden, reißenden Fluten der großen Ströme in den umzäunten Gärten der Plattformen.

Außerhalb dieser Raubritterburgen jedoch entspringt hier und da eine neue Quelle – entstehen neue kleine Bachläufe an deren Ufern kleine Newsletter, Blogs und Communities zu zelten beginnen. Kleine Bäche, die versiegten, als die digitalen Festungen von Facebook und Co. erbaut wurden. Und um diese Stege und Lagerplätze scharren sich versprengte Gruppen, die nach Nähe, Austausch und Gespräch dürsten, die sie im lauten Rauschen der riesigen Content-Flüsse innerhalb der Gärten nicht mehr hören konnten.

Ich hoffe, 2026 fangen noch mehr Menschen zu zelten an. Auf das mehr dieser Plätze entstehen, zwischen denen man hin und her reisen, sein Zelt aufschlagen und lauschen kann, während Vögel singen und der Bach ganz leise und sanft vor sich hin plätschert.

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4. Januar 2026

Die Zeit der abstrakten “Netzpolitik” ist vorbei. Digitalisierungspolitik ist 2025 vor allem Geopolitik. Die USA sehen dabei für Plattformen, Cloud und den KI-Stack. China für seltene Erde und die tiefe Integration von Industrie und KI. Und Europa steht schwach dazwischen als Regulierer und Abhängiger. – Johannes Kuhn

4. Januar, 10:19 Uhr ↦

3. Januar 2026

03. Januar 2006, 13:03 Uhr. Sie wiegt stolze 4.170 Gramm und ist 58 cm groß. Seitdem ist viel passiert – mir ihr, uns, der Welt. Und trotzdem wurde aus dem Knäuel in meinen Armen eine ziemlich coole, selbstbewusste Frau. <3

3. Januar, 22:19 Uhr ↦

Merz kuscht vor Trump

Täter-Opfer-Umkehr, könnte man das nennen, was Friedrich Merz heute macht:

Die USA kidnappen unter fadenscheinigen Argumenten den Präsidenten eines Landes und erhebt unverblümt Anspruch auf dessen Öl-Reserven und politische Zukunft. Und Friedrich Merz sagt – im Angesicht eines klaren Völkerrechtsverstoßes – sowas wie: Da ist Venezuela jetzt schon ein bisschen selbst Schuld. Ich muss da mal noch bisschen nachdenken – aber ich hab' da jetzt nichts dran zu kritisieren.

Keine Ahnung, wofür Merz Zeit braucht.
Völkerrechtsexperten waren da heute durch die Bank weg ziemlich sicher in ihren Einschätzungen – egal, ob ich CNN, BBC oder tagesschau geschaut habe. Oder die NYTimes gelesen: Trump’s Attack on Venezuela Is Illegal and Unwise.

Merz ist nicht der Einzige.
Auch die EU verurteilt die Entführung des Staatsoberhauptes nicht.

Venezuelas Präsident Nicolás Maduro war von vielen Staaten nach seiner Wahl nicht anerkannt. Er hat die Wahl gefälscht, das Volk unterdrückt, und nicht als Demokrat reagiert. Aber mal dahingestellt, dass das eben nicht unserem westlichen Wertekompass entspricht. Fakt ist, dass Venezuela bis heute Morgen ein souveräner Staat war, der sich mit niemandem im Krieg befand und keine Bedrohung für die USA darstellte. Eine Kriegserklärung eines Staates gibt es ebenso wenig, wie die politisch notwendige Freigabe der Mission durch US-Institutionen.

Wieso nicht auf die Weise irgendwo anders ein unliebsames Staatsoberhaupt entfernen? Man stelle sich vor, die USA hätten in den 70ern einfach offen in Kuba oder der DDR das Staatsoberhaupt entführt und in New York vor Gericht gestellt. Oder Moskau in der Ukraine Zelensky. Unter Trump macht man das jetzt einfach und gibt danach offen zu, dass man die politischen Geschicke jetzt übernimmt und aus dem Land einfach nur Öl abpumpen will. Diese Mission war keine Befreiung, keine Unterstützung einer demokratischen Opposition, keine Entfernung einer Bedrohung. Diese Mission war eine feindliche Übernahme. Als würde Trump in eine Firma marschieren, den CEO entfernen und der Welt erklären: Das ist jetzt mein Laden. The Art of the Deal 2026. Ohne Scham, Zurückhaltung – und offenbar auch ohne Kritik.

Die Welt setzt sich gerade über Regeln hinweg, die sie seit Jahrzehnten zusammenhalten.

Wieso weder Merz noch die EU das verurteilen?
Weil wir es in den vergangenen Monaten nicht geschafft haben, uns wirtschaftlich Eier wachsen zu lassen. Die Zoll-Spielerein von Trump haben bewirkt, was sie sollten: Als Export-Wirtschaft hängt vor allem Deutschland von den USA ab; noch einmal derlei Spiele mit Strafzöllen wie in den letzten 12 Monaten können wir uns nicht leisten. Es wäre Gift für die sowieso nervöse Wirtschaft.

Und so habe ich seit heute Morgen eigentlich nichts anderes von Merz erwartet, als eine solche "Naja, alles halb so wild"-Reaktion, wie er jetzt veröffentlicht hat. Merz und die EU biedern sich an – weil die EU 2016 verschlafen hat, sich zu emanzipieren.

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Formel 1-Fahrer Valtteri Bottas und Paul Ripke – Berater, Influencer, Ex-Fotograf – haben für 2026 einen gemeinsamen, wöchentlichen Podcast: What's Next (Podcast). Bin gespannt.

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2. Januar 2026

Internet ist kaputt (aber trotzdem geil) #1

Deine Woche war scheiße? Hier ist meine.

"Vorsatz" ist ein ziemliches Kackwort um sich für das neue Jahr etwas vorzunehmen. Denn aus einem Vorsatz wird noch lange keine Tat. Ein Ziel indes ist etwas, dass erfüllt werden kann – muss. Und so ist eines meiner Ziele 2026 jedenfalls, mehr menschlichen Quark in meinen Teil des Internets zu gießen.

Eigentlich haben wir den Kampf gegen die KI im Netz ja bereits verloren. Selbst Instagram-Chef Adam Mosseri gibt mittlerweile (und hoffentlich zerknirscht) zu, dass es mehr Sinn macht, echt Inhalte zu markieren und vom Rest einfach davon auszugehen, dass er KI-gemacht ist.

Wenn 52% des (englischsprachigen) berichtenden Internets mittlerweile von KIs stammen und 20% dessen, was neue Nutzer auf YouTube sehen ebenso, dann bedeutet dieses nicht nur eine massive Zunahmen an Inhalten und Rauschen. Es bedeutet auch, dass wir zunehmend mehr Hilfe benötigen – zwischen all dem Mist hindurch zu navigieren.
Kuration wird wichtiger denn je – und wohl auch ein bisschen eine Superkraft.

Große Plattformen und Algorithmen sind nämlich nicht daran interessiert, was du konsumierst – sondern nur daran, dass du konsumierst. Währenddessen nimmt die schiere Masse dessen, was du konsumieren kannst überhand und die Zeit bleibt gleich.

Dem will ich mit meinem Quark etwas entgegen setzen. Handgemachter Quark, statt Industrie-Shit. Ha!
Jetzt nehme ich für mich nicht in Anspruch, besonders wertvolle Sachen zu lesen. Aber hey, das hier ist mein Blog und deshalb lasse ich künftig einfach einmal die Woche hier liegen, was ich so in dieser Woche bemerkenswert fand zu lesen.

In der ersten Ausgabe geht es um Merz und das Neujahr, Möglichkeitsmut, Science Fiction in Ost und West sowie Gelerntes.

Schauen wir mal, wohin das so geht in den nächsten Wochen… Der Namen 'Internet ist kaputt' ist hiermit zumindest mal gesetzt – als Resignation, Status, aber auch als Signal des Ausbruchs. Und ob das hier ein Newsletter wird, wer weiß.

IM INTERNETZ GEFUNDEN

#1
Die Sorgen von Merz sind nicht die der Bürger:innen, sondern der Unternehmen, das wird in seiner [Neujahrs-]Ansprache immer wieder deutlich. […] die Bürger:innen, sollten Merz' Ankündigung, „grundlegende Reformen“ angehen zu wollen, als Drohung verstehenNeujahrsansprache von Merz: Kein Wort über die wirtschaftlichen Sorgen der Bür­ge­r (taz)

#2
Wer mit Möglichkeitsmut im Blick erstens Veränderung akzeptiert und zweitens Neugierde kultiviert, gewinnt damit Zuversicht zur Gestaltung – Nele erhebt den 'Möglichkeitsmut' zu ihrem 2026er Leitmotiv

#3
Echt oder kopiert? ist die letzte moralische Kategorie, ist eines der 25 Dinge, die Dirk von Gehlen 2025 gelernt hat, primär mit Blick auf das Digitale

#4
Tim Reinboth geht der Frage nach, wieso es im sozialistischen Osten weniger oft Dystopien als im kapitalistischen Westen gab: „Im Westen ging es um die Rakete, im Osten ging es um die Menschen in der Rakete“, zitiert er einen Buchhändler – und gibt anschließend acht Roman-Tipps

#5
Ich will seit Jahren ja mal etwas machen, was Nancy Friedman und – legendär fast schon – Tom Whitwell tun: Ende des Jahres 52 Dinge aufschreiben, die ich gelernt habe. Dafür müsste ich aber zum einen nicht nur immer dieses Wer Wird Millionär-kompatible Häppchen-Wissen speichern wie ein Schwamm, dass mich stets überrascht, wenn es nach vorn kommt. Ich müsste es vielmehr auch einmal aufschrieben. Soll ich das mal tun…?!

DIESE WOCHE GELERNT

… ist ein geklauter Fakt aus der obigen Liste von Nancy Friedman – und witzig, weil der Waschbär im neuen Design dieses Blogs hier eine Rolle spielen wird: „In French, a raccoon is a raton laveur: a washing rat“ – eine 'rat ón laveur': 'Waschratte' ist zu süß.

NEULICH GELESEN

Ich habe dieser Tage 'Die letzte Generation' von Arthur C. Clarke fertig gelesen. Ein Science-Fiction-Klasser von 1953, dem man lesend das Alter überhaupt nicht anmerkt. Die Story: Auf der Erde landen Aliens, die Frieden und ein Schlaraffenland bringen. Sie hegen keine finsteren Gedanken, sondern wollen der Menschheit helfen, sich weiterzuentwickeln.

Ein bisschen Esoterik ist dabei, aber einen spannenden Aspekt im Buch fand ich die Frage: Was passiert eigentlich mit uns, wenn für alle Grundbedürfnisse gesorgt und weder Arbeit noch Antrieb notwendig wären?

Seit die Overlords gekommen sind, ist nichts wirklich Neues geschaffen worden. Die Ursache liegt auf der Hand. Es gibt nichts mehr, wofür man kämpfen muss, und es gibt zu viel Ablenkungen und Zerstreuungen.“ … ich komme in der aktuellen Welt nicht umhin, an KI denken zu müssen.

GERADE GESEHEN

Bis 27. Januar 2026 kann man in der Mediathek noch Marc Bauders „Wer wir waren“ sehen – darin blicken sechs Wissenschaftler verschiedener Fachrichtungen auf die Welt und ihre Sicht zum Fortbestand der Menschheit. Jetzt kein unbedingt positiver Blick, aber wichtig. /via

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Titelgebend

tl;dr: Brauch' ich für jeden Beitrag einen Titel? Nö.

… weil ich drüben auf aussernet offenbar nicht kommentieren kann (weiß der Geier), kurz als Statement zum Problem, das einige Blogs – inklusive meines – für manche Beiträge keine Titel haben. Und diese dann "wie Clickbait" auch auf UberBlogr erscheinen.

Ich habe vor gut einem Jahr das Blog-System gewechselt, weil ClassicPress mit erlaubt, Beiträge ohne Titel zu veröffentlichen. Damit steigt meine persönliche Hemmschwelle, Beiträge als Notiz/Status-Update zu veröffentlichen. Damit tat ich mich recht schwer, als ich jedem Beitrag noch einen Titel geben musste – darüber nachzudenken "was jetzt sinnvoll als Überschrift ist" passt nicht in dieses "Kurzgedanken"-Bloggen.

Weil aber RSS einen Titel braucht, nutzt mein Blog einfach die ersten Worte als Titel. Ähnlich macht das UberBlogr: Der Parser nutzt den Titel, ist keiner vorhanden nutzt er die ersten paar Worte des Beitrags. Und es gibt durchaus einige Blogs, die eben derlei Status-Updates für kurze Gedanken (die früher dann eher auf Twitter gelandet sind) nutzen.
Dass UberBlogr die dann zuweilen aktiv kürzt liegt auch daran, dass Nutzer:innen UberBlogr verlassen und nicht dort komplette Beiträge lesen sollen.

Insofern ist der vorgeworfene "Clickbait" gar keiner, sondern maximal eine 'Faulheit'.
Auf der anderen Seite mag ich mich jetzt nicht wieder selbst begrenzen und jedem Beitrag auf Teufel komm raus einen Titel geben müssen, nur weil es im RSS-Feed ab und an mal komisch wirkt …

Ergänzung Freitag Abend: Mein RSS-Feed schreibt bei Status-Mitteilungen im Titel jetzt immer einen 'Link-Kurzbeitrag' oder 'Status-Kurzbeitrag' und dann die ersten 10 Wörter 😉 … ich bin ja Serviceorientiert. Ändert übrigens nichts daran, dass ich den "Vorwurf" ein bisschen naja finde.

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1. Januar 2026

13 Jahre nach dem Verkauf steht mein Elternhaus wieder auf dem Immobilienmarkt.
Das Haus, in dem ich aufwuchs. Das mein Vater irgendwann in den 70ern kaufte und bis zu seinem Tod hielt. Deutlich zu viele Quadratmeter für zwei Menschen – aber ich hab' trotzdem mal Lotto gespielt diese Woche…

2 Kommentare / 1. Januar, 17:15 Uhr ↦

31. Dezember 2025

Thronefall für den Mac entdeckt. Ein kleines, rundenbasiertes Strategiespiel mit süßer Grafik. Gemacht für so Typen wie mich, die einfach mal eine halbe Stunde spielen wollen und mehr nicht.

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