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20. März 2026
„Jeder Monat, den wir warten, schadet Kindern und Jugendlichen“, sagt Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Günther, und erneuert seinen Aufruf für ein Social-Media-Verbot für Jugendliche. Er könne sich sogar ein Verbot für alle unter 18 vorstellen.
„Beim Social-Media-Verbot für Kinder und Jugendliche muss mehr Tempo rein“, sagte Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig.
Mehr Tempo.
Dem 'Focus' erzählt Bildungsministerin Karin Prien derweil, dass Kinder in Sozialen Medien „faktisch völlig unreguliert“ zum Beispiel mit Gewalt und Pornografie konfrontiert seien – und bringt auch WhatsApp Klassenchats ins Spiel. Es sei „Meine feste Überzeugung ist, dass wir auch ein Social-Media-Verbot brauchen“, sagt sie.
Wie sehr kann man da noch Ernst nehmen, dass Prien eine 'unabhängige' Kommission einsetzte, die bis zum Sommer ihre Ergebnisse und Vorschläge präsentieren soll, ob und wie ein Social-Media-Mindestalter kommen soll, wenn der Auftraggeber doch schon eine vorgefertigte Meinung hat?
Allen dreien ist bei ihrem lautstarken "Aber denkt doch mal jemand an die Kinder"-Populismus offenkundig egal, was Experten sagen. Die führen nämlich meist an, dass es an belastbaren Studien fehle, ebenso wie an Bildung für Medienkompetenz – der Grundlage.
Ich frage mich auch: Wieso reden wir eigentlich dauernd darüber, Menschen auszusperren – statt Plattformen zu regulieren?
Es gibt kein Recht darauf, abgehackte Köpfe, Gewalt, Pornographie, Hass, Beleidigungen, Dickpicks und Mobbing zu sehen. Auch nicht für mich als Erwachsener. All das dürfen TV, Radio und Zeitung auch nicht verbreiten. Wie wäre es mal damit, Plattformbetreiber und Täter zu bestrafen, statt Opfer auszusperren?
Prien denkt nicht nur an ein Kinder-Verbot für Social Media.
Fast möchte aufhorchen, wenn sie das Wort "Regulierung" in den Mund nimmt. Aber ich befürchte, das nutzt sie als Synonym für "Verbot": „Ich glaube, wir müssen nicht nur über Social-Media-Regulierung, sondern auch über Messengerdienstregulierung sprechen.“
Ich wundere mich immer.
Von Social Media habe ich ein bisschen Ahnung – die Politik offenkundig ein bisschen weniger und diskutiert es trotzdem mit einer Chuzpe, die ich bisweilen erstaunlich finde. Wenn die Politik von anderen Themen, von denen ich keine Ahnung habe, genauso agiert … hui.
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Ich überlege jetzt seit drei Minuten, welchen Satz ich aus jawls Text über Menners zitiere, um dir zu sagen, dass du den lesen sollst. Die sind alle gut – und beschreiben im Grunde das Problem: Wir Männer leben konsequenzlos und überschreiten dann Linien, weil wir es entweder cool finden, oder nie gelernt haben, dass etwas Konsequenzen hat – mit denen müssen sich meist nämlich Frauen auseinandersetzen. Also lesen. Trifft ja – nicht nur, aber vor allem – auch im Umgang mit Frauen zu.
Hashtag Ulmen.
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19. März 2026
Schauspielerin Collien Fernandes kämpft gegen Onlinemissbrauch: Sie sucht seit Jahren diejenigen, die Fake-Pornografie von ihr verschicken. Jetzt geht sie an die Öffentlichkeit und stellt Anzeige gegen ihren Ex-Mann, den Moderator und Schauspieler Christian Ulmen – der soll ihr gegenüber und in einer E-Mail an seinen Strafverteidiger zugegeben haben, dass er dahinter steckt. Das habe ihm ein Gefühl von Macht gegeben und Lust bereitet. (SPIEGEL, archive.md-Link)
Das ist so derb … ich bin sprach- und fassungslos.
Und jetzt muss hier niemand Kachelmann, Ofarim oder sonstwas rufen. Der SPIEGEL hat auch mit dem Anwaltsteam von Ulmen ein Hintergrund-Gespräch gehalten – aus dem darf nicht zitiert werden, aber gäbe es einen Zweifel, würde man die Story nicht bringen, da vertraue ich durchaus den beteiligten Journalisten und Fernandes, die als Medienprofi sehr wohl weiß, was sie hier auslöst …
Nicht alle Männer sind ekelhafte, frauenfeindliche Schweine – aber die meisten derer sind Männer.
… und wieder zeigt sich zudem, dass man vom öffentlichen Bild dummerweise fehlgeleitet wird.
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18. März 2026
Sind wir mal ehrlich: Virtual Reality war schon tot, lange bevor Mark Zuckerberg meinte, es werde das nächste große Ding. Spätestens seit der Verfilmung von Stephen Kings "Rasenmähermann" von 1992 kann doch niemand mehr ernsthaft ans Metaverse geglaubt haben? Ok, vielleicht ist Mark einfach zu jung … Zum Zeitpunkt, als Pierce Brosnan in der sagenhaft schlechten Kinoversion zu sehen war, war Mark gerade einmal 8 Jahre.
Trotzdem hielt es Mark für eine gute Idee, seinen ganzen Konzern im Hoch der Corona-Pandemie in "Meta" umzubenennen und "all-in" zu gehen. Mir stellt sich die Frage: Wenn er morgens am Firmenschild vorbeigeht, ist ihm das peinlich oder spürt man mit 222 Mrd. US-$ Vermögen sowas wie Peinlichkeit und Scham sowieso nicht mehr?
Egal. Wahrscheinlich.
Meta jedenfalls begräbt das Verse. Und vielleicht hofft tatsächlich irgendwo ein kleiner Teil in Mark, dass man ihn darauf nie wieder anspricht. Oder – und das halte ich eigentlich für wahrscheinlicher – ihn interessiert sein Gewäsch vom Metaverse ebenso wenig wie seine Aussagen zu Privacy, Post-Privacy und anderen Themen. Auch ein Genie darf sich im Selbstverständnis sicherlich das ein oder andere Mal irren.
Nicht umsonst ist das Motto bei Meta ja "Move fast and break things". Diesmal brach die eigene kleine, virtuelle Welt.
( Dieses ist meine Einleitung zur morgigen Ausgabe meines Social Media Newsletters )
Update, 19.03.2026: Meta will seine 3D-Welt jetzt doch nur ein bisschen abschalten – quasi als nicht mehr weiterzuentwickelnden Zombie laufen lassen. LOL
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Gute Präsentationen entstehen auf dem Weg zum Kunden.
So will es das Gesetz.
( Ich liebe diesen Flow und wie sich alles fügt, wenn es einen gewissen Streß gibt ❤️. Dann komme ich in diesen Modus, in dem alles wie in Zeitlupe wirkt. Funktioniert natürlich nur, wenn man schon vorher zig Tage damit verbracht hat – bewusst und unbewusst – auf dem Thema rumzukauen und weiß, was man sagen will. )
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16. März 2026
Menschen sehen Haustiere zunehmend als Kinder- und Freunde-Ersatz. In Korea führt das bspw. dazu, dass mittlerweile mehr Kinderwägen für Hunde verkauft werden, als für Kinder. In den USA indes gibt man eben für Nahrungsergänzung und den Hundefriseur mehr aus … und ich dachte, 150 Euro pro Grooming-Session für den Spitz des Hauses hier sei viel. Boy was I wrong. (NY Times, Geschenklink)
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15. März 2026
Diese Woche: Der Streit ums Social-Media-Verbot für Kinder, ein KI-Schreib-Quiz, das mich nicht schlafen lässt, KI-Liebesbeziehungen, Fake-News-Fabriken im industriellen Maßstab und eine Regierung, die Pressefreiheit mit Lizenzentzug bedroht.
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13. März 2026
Respekt:
Es spricht Bände, dass der Kern dieser rückwärtsgewandten Strategie aus neuen Subventionen für Atomkraftwerke besteht. Wenn eine Risiko-Technologie nach einem dreiviertel Jahrhundert noch immer am staatlichen Tropf hängt und es längst bessere Alternativen gibt, sollte man daraus Konsequenzen ziehen. Stattdessen noch mehr Steuergeld für neue Risikoreaktoren auszugeben, lehne ich ab.
– Umweltminister Carsten Schneider zur neuen Debatte um das Revival der Atomkraft, ausgelöst durch Emmanuel Marcron und Ursula von der Leyen. Dass wir Atomkraft überhaupt als "Grüne Energie" bezeichnen, ist ein Treppenwitz.
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Ich las "Daniel Günther fordert […] größere Leistungsbereitschaft" in der ZEIT. Und dann las ich, was Daniel Günther wirklich gesagt hat (archive.md Link). Und liebe Zeit, das klingt ein wenig anders …
Was ich im Interview mit RND.de aber wirklich sehr gut finde: Günther anerkennt, dass die anklagende Art von Friedrich Merz und seinem Parteivorstand nicht hilfreich ist. Dass wir nicht faul, sondern erschöpft sind.
Dass viele Menschen Erschöpfung verspüren, liegt nicht unbedingt an ihrem Arbeitsleben. Es sind die vielen neuen Ungewissheiten und Unsicherheitsfaktoren, die wir vor ein paar Jahren noch nicht hatten. Die Menschen haben das Gefühl, dass alles aus den Fugen gerät. Darüber müssen wir offen reden – und ein positives Zukunftsbild von Deutschland in 20, 30 Jahren zeichnen, in dem wir resilient sind, in Frieden leben und den nachfolgenden Generationen eine bessere Zukunft versprechen können.
… das Fehlen einer politischen Vision bemängel ich ja bereits seit 2 Wahlperioden. Wenn Friedrich Merz ins Volk ruft, man solle mehr arbeiten, frage ich mich: Wozu den, damit dein Aktienpaket steigt?
Mit welchem Recht sich der Staat überhaupt darin einmischt, wie meine Wochenarbeitszeit ist, und ob ich mir einen Teilzeit-Lifestyle leiste, erschließt sich mir bis heute nicht … Wenn ich in die Rentenkasse einzahle, dann ist es meine Entscheidung, wann ich in Rente gehe – in Schweden bspw. kann ich per App jederzeit sehen, wie hoch meine Rente auf Basis meiner Einzahlung sein wird, wenn ich jetzt, mit 60 oder 65 in Rente gehe …
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12. März 2026
Podcast-Tipp: In Ab in den Urlaub – Der Crash des Internet-Imperiums Unister zeichnet die ARD in drei Episoden den steilen Aufstieg und den Crash des Leipziger Unternehmens Unister mitsamt seines Gründers Thomas Wagner nach. Erst Studentenbude, dann kurz Vorzeigeunternehmen und am Ende Mafiaabsturz.
… mit dem Unternehmen hatte ich als Leipziger sogar ein paar Berührungspunkte in der Hochphase, denn 2007 und 2008 produzierte ich Blogbeiträge für Auto.de 🫣
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