2025 wird als das Jahr eingehen, in dem wir vom AI Slop überrannt wurden. Persönlich halte ich den Kampf "gegen" KI-Inhalte schon seit einigen Monaten für verloren – wir haben eigentlich nur noch eine Chance: Alles als Fake erachten, und Echtes kennzeichnen. Das sieht selbst Instagram-Chef Adam Mosseri mittlerweile so.
Weblog
1. Januar 2026
23. Dezember 2025
Wie Star Trek uns vor dem KI-Slop warnt
tl;dr: KI mal wieder … und Star Trek. Lose Gedanken, ein Video und nicht ein einziger Angriff.
Star Trek ist eine höchst analoge Science-Fiction-Serie, die im Herzen sogar Anti-Tech ist: Computer sind nicht vertrauenswürdig, die Gesellschaft findet Schönes in Rückgriffen auf das 19. und 18. Jahrhundert. In modernen Trek-Serien tritt KI stets als Gegner auf. Und 'gut' ist eigentlich nur eine künstliche Lebensform: Data.
Schon in der originalen Serie sind Computer für den Stillstand von Kulturen verantwortlich. Und als ein Computer namens M5 die Steuerung der Enterprise übernehmen soll, befindet Captain Kirk: „Das Ding ist falsch.“ Gefühl und Echtheit geht in Trek immer vor. In Der Next-Generation-Episode 'Booby Trap' philosophieren Picard und Riker, ob man dem Computer wirklich die Steuerung des Schiffs überlassen könne. Und in Discovery will eine KI die Kontrolle über alles übernehmen.
Star Trek zeigt uns in seiner Technik-Feindlichkeit eigentlich, dass Computer exzellente Diener, aber furchtbare Herren sind.
In seinem Video 'How Star Trek Predicted AI Slop' schlägt Rowan J Coleman einen hervorragenden Bogen. Trek, so Coleman, hätte den KI-Slop vorhergesagt – in gewisser Weise. Denn nicht die KI als solche ist schlecht. Sondern die menschliche Versuchung, den Wert der Arbeit durch die Bequemlichkeit der Maschine zu ersetzen. Wie in Trek sollten wir uns daran erinnern: Nur weil eine Maschine etwas effizienter machen kann, ist das Ergebnis nicht zwangsläufig besser.
Das liegt auch daran, dass (generative) Algorithmen auf Daten der Vergangenheit beruhen. Sie können deshalb nur recyclen, nicht neu schaffen. Hätte eine KI in den 1960er etwas wie Star Trek erschaffen können? Echte Innovation entsteht durch Reibung und Visionen, die über das Bestehende hinausgehen. Kunst entsteht durch den Prozess, durch Disziplin und das Überwinden von Widerständen. Wer nur das fertige Produkt will, ohne die Arbeit zu investieren, produziert am Ende nur „Slop“.
Coleman formuliert damit ein bisschen das, was ich stets bei Diskussionen insbesondere um generative KI fühle.
Ja, sie kann dir Arbeit abnehmen. Aber KUNST oder LEBEN ist das Ergebnis eines Prompts deshalb für mich nicht.
Und bevor wir hier wieder am Thema vorbeidiskutieren: Soll jede:r halten, wie er mag. Wer bin ich, etwas verbieten zu wollen. In meinem beruflichen Alltag setze ich LLMs ausführlich ein, um mir Arbeit abzunehmen – das Erschaffen aber lasse ich mir nicht aus der Hand nehmen. Und wenn es um meine Freizeit geht, dann lese ich Dinge absichtlich – und selbst. Dann halt ich es schon seit geraumer Zeit mit einem Gedanken, den Geoff Graham neulich treffend formulierte:
If you’re not gonna bother writing it yourself, I ain’t gonna bother reading it myself.
… KI kann vielleicht Kunst erschaffen. Kultur erschaffen aber nur Menschen.
3 Kommentare / Kommentieren ↦
14. Dezember 2025
Re: Marketing für KIs
Konstantin schätzt, das Marketing-Webseiten künftig nur noch für LLMs und nicht mehr für Menschen gemacht werden. Und ich sag' mal so: Aus meinem Job ergibt sich, dass das keine Schätzung ist.
Die Nutzung von Google, das Anklicken von Links, das Lesen von Inhalten geht massiv zurück. Wir fragen zunehmend KI um Antworten oder Zusammenfassungen zu erhalten – ob das gut oder schlecht ist, sei mal dahingestellt. Aber natürlich ergibt sich für Firmen daraus die Frage, wie man Inhalte nicht primär für Nutzer:innen, sondern KIs aufbereitet. Wie erstelle ich Inhalte, damit die KI-Zusammenfassung von Google die richtige Antwort gibt – oder die Vibe-Unterhaltung mit ChatGPT auf die Frage: "Was könnte ich denn machen, um Freude zu empfinden" die Antwort "Kauf dir 'n BMW" raushaut …
Ich hoffe ja, dass 2026 ein bisschen das Revival von menschlichem Content sein wird. Von dem, dass wir den Entstehungsprozess eines Produkts wieder etwas mehr wertschätzen. Aber für all die Sachen, auf die wir eine schnelle Antwort wollen, oder die uns aufwändige Vergleichsrecherchen im Internet abnehmen können, werden wir zur KI greifen. Und das ist legitim, irgendwie. Und genau deshalb sitzen da in Verlagen und Unternehmen gerade überall Menschen und fragen sich: Wie kommen wir auf reddit, und was nützt mir eine schöne Website, wenn der Bot die Daten falsch interpretiert oder nicht lesen kann? Felix hat über den Komplex von Maschinenverständnis gerade auch einen lesenswerten Ausflug veröffentlicht.
13. Dezember 2025
OpenAI hat eine "Akademie" in der sie zahlreiche Prompt-Hilfen für ChatGPT veröffentlichen. Einen Blick wert.
12. Dezember 2025
RSL will Lizenzen für Inhalte maschinenlesbar machen
RSL Really Simple Licensing ist ein neuer, offener 'Industriestandard' (nicht vom W3C reguliert bisher). Basierend auf RSS soll der maschienenlesbare Lizenzvereinbarungen ausweisen, um so bspw. KI-Unternehmen zeigen zu können, wie sie Inhalte nutzen dürfen.
Bisher konnte man über die robots.txt nur auszeichen, ob etwas genutzt werden darf. Wie auch die robots.txt kann RSL keinen Bot aussperren; weil aber bspw. auch Cloudflare und Akamai sich dem neuen Standard zuwenden, gäbe es die Möglichkeit über die Anbieter.
Ein spannender Ansatz; interessant wird es, wenn man im Grunde auf Basis der RSL-Auszeichnung tatsächlich eine Forderung durchsetzen kann, sofern Anbieter wie OpenAI und Co. sich über die darin definierte Lizenz setzen würden. /via
Vom W3C selbst gibt es bisher ein Text and Data Mining Reservation Protocol (TDMRep) – hier kann im JSON Format im Grunde mitgeteilt werden, ob Rechte reserviert sind. RSL hat zum Start aber mit breiter Verlags- und Server-Anbieterfront wohl die besseren Chancen.
1 Kommentare / Lesen ↦
8. Dezember 2025
Die KI nimmt Jobs weg, nur nicht meinen.
Fast die Hälfte der Befragten sieht hierzulande zwar Jobs durch künstliche Intelligenz gefährdet. Gleichzeitig sind mehr als zwei Drittel der Befragten weder um ihren heutigen Arbeitsplatz (78 Prozent) noch um ihre zukünftige Karriere (71 Prozent) sonderlich besorgt.
Eine neue YouGov-Studie zeigt, dass Deutsche die KI wenig nutzen, jedoch meinen sich auszukennen und dann doch einen recht guten, differenzierten Blick auf Gefahren in Job, Gesellschaft und Medien haben. Spannend.
27. November 2025
UberBlogr und die KI
Eigentlich. Eigentlich war die Phase meiner kritischen KI-Rants ja beendet. Aber ich muss das Thema kurz nochmal aufmachen. Sorry. Denn: Hendrik fiel auf, dass ein neueres Mitglied im UberBlogr Webring kein persönliches Blog, sondern ein KI-generiertes war.
Nun hatte ich ja erst vor ein paar Tagen das Thema, ob man wirklich KI in einem persönlichen Blog benötigt. Und während ich es nicht mag, kann ich akzeptieren, dass Mitglieder im Webring Large Language Modelle als Hilfe in ihrem Blog einsetzen.
Was ich allerdings nicht akzeptieren mag, sind vollständig von der KI generierte Blogs. Und noch weniger, wenn sie sich als Mensch ausgeben. Nur im Impressum stand dann winzig, dass das hier alles zwar 'fachlich' okay sei, aber eben das Drumherum nur ausgedacht.
Die Frage ist natürlich: Wie weit darf eine Spielwiese Spiel sein. Und am Ende macht es die Frage auf, ob ein gänzlich fiktionales Blog grundsätzlich okay ist im Ring, oder ob die Grenze KI ist – und zu welchem Grad?
Ich habe UberBlogr gegründet, weil ich es einfach machen wollte in einem Netz voller geschlossener Plattformen und abnehmender Sichtbarkeit einen Platz zu schaffen, in dem persönliche Blogs ein bisschen Sichtbarkeit und Vernetzung erfahren. Ich würde gern vermeiden, dass dabei Inhalte repräsentiert werden, die als 'AI Slop' zunehmend das Internet vermüllen, statt ihm menschliche Kreativität hinzuzufügen – das, was für mich immer der spannendste Aspekt des alten Internets ausmachte.
Die Kommentare sind offen.
11 Kommentare / Lesen ↦
24. November 2025
„Vertraue keiner KI“
ChatGPT und seine Kumpels sind so praktisch. Doch es ist Vorsicht geboten, wenn es um Fakten geht – davor warnt nicht nur der Google-CEO, sondern auch der Stand der Technik.
2 Kommentare / Ganzen Beitrag lesen ↦
10. November 2025
Keiner braucht KI in persönlichen Blogs
Ich kann verstehen, wenn man KI als Partner beim brainstormen nutzt.
Es gibt unterschiedliche Ansätze, wie Menschen Informationen verarbeiten oder kreative Ideen gebären. Manch einer braucht Ruhe. Manch einer muss es aufschreiben. Und andere brauchen das Zwiegespräch mit einem Gegenüber, um den eigenen Denkprozess zu vollenden. Oft geht es dabei überhaupt nicht um das Feedback, sondern einfach darum, laut zu formulieren, was man denkt.
Ich kann auch verstehen, wenn man KI zur Kontrolle des eigenen Geschriebenen nutzt. Quasi als Lektor.
Was ich aber nicht verstehe ist, wenn man einer KI sein eigenes Denken und Schreiben einfach vollständig überlässt – vor allem im Privaten. Als bräuchte ich fürs Tagebuchschreiben eine Begleitung, die mir über die Schulter schaut und mir lobende Worte und Korrekturen ins Ohr flüstert. Von wegen.
Nee, das hier ist meine private Wiese – da brauch' ich echt keine Aufsicht.
Und natürlich – wie schon Anfang des Jahres in der Diskussion um KI-Bilder zur reinen, sinnentleerten Illustration –, kann man jetzt argumentieren: Wenn ein privates/persönliches Blog doch meine Spielwiese ist, dann kann ich eben auch mit KI spielen.
Jup. Kannst du. Aber dann tu mir einen Gefallen: Markiere es und überlass mir die Wahl, es nicht zu lesen. Denn ich finde: wenn du in deinem persönlich Blog jemanden brauchst, der dir dabei hilft, Texte zu schreiben, ist's nicht mehr privat – dann bist es nämlich nicht mehr Du. Und dann ist's für mich schlichtweg auch nicht mehr interessant.
Wir leben in Zeiten, in denen 52 % des Geschriebenen im Internet schon nur noch durch KI generierte Texte sind. Ich will den Scheiß nicht lesen. Das ist Abfall. Das ist, wie Weichtieren dabei zuzuschauen, wie sie sich selbst befruchten.
Kreativität sollten wir nicht der KI überlassen, die soll meine Wäsche und das Geschirr machen. Allzu gern auch die stumpfen Tätigkeiten meines Jobs. Aber sie soll mich bitte in Ruhe lassen, wenn es um mein Denken, meine Kreativität und meine Meinung geht.
Als schlechter Schreiber wirst du nur besser, wenn du mehr schreibst.
Und zwar in deinem eigenen Stil. Nicht in einem durch KI rundgelutschten Standard-Sprech.
Ich sag nicht, dass du "verzichten" sollst. Lass die KI dein Lektor sein. Aber ein Lektor ist ein Ratgeber. Dazu gehört, dass du den auch ignorieren kannst. Sind Rechtschreib- und Grammatikfehler wirklich dermaßen schlimm? Für mich beginnt der Eingriff tatsächlich schon beim Satzbau, denn schon der zeigt Persönlichkeit. Lasst uns die Unperfektion viel mehr wieder rauskehren und genießen. Niemand braucht KI-Texte in persönlichen Blogs.
- Boris Stump: KI-Spam, erkannt
- MKLN: Mit KI denken ist wie mit dem Auto trainieren
- Nature.com Writing is Thinking
- Joan Westenberg: Why You Should Write Every Day
13 Kommentare / Lesen ↦
23. Oktober 2025
Strom wird für die KI zu Gold
Während die USA mehr Energie produzieren als jemals zuvor, steigen die Strompreise.
Grund dafür ist der KI-Hype, der an vielen Orten neue Rechenzentren entstehen lässt – im Schnitt um über 6 % in den USA; in manchen Gegenden mehr als in anderen. (Axios)
Rund um die neu entstandenen Datenzentren sind die Preise in den letzten 5 Jahren gar um bis zu 267 % gestiegen. (Bloomberg)
Und die USA sind mit ihrem Energiehunger nicht allein: Goldman Sachs erwartet, dass der KI Boom in den nächsten fünf Jahren den Stromverbrauch für Rechenzentren um 165 % steigen lassen wird. (n-tv)
Da passt es gut, wenn Amazon jetzt sein erstes, eigenes Atomkraftwerk baut. (Standard)
Und Amazon ist nicht allein. Meta, Alphabet, Microsoft – alle planen entsprechende Investitionen. (Spiegel)
Was man beim rumspielen mit KI für sich immer im Kopf behalten sollte: KI bedeutet Daten. Und Daten bedeuten Strom. Und Strom bedeutet Ressourcen. Und die müssen irgendwo herkommen – oder irgendwer muss dafür zahlen; im Zweifel eben einfache Menschen, weil sie zufällig neben einem Datencenter leben.