21. Januar 2025
Elon Musk zeigte sich bei einer Ansprache zum Amtsantritt von Donald Trump euphorisch.
Er bedankt sich beim Publikum und wirft ihnen sein Herz zu. Zweimal, symbolisch. Zweimal macht er dabei den Saluto romano – den Römischen Gruß.
Eine Geste, die sich seit 1925 bei den Nazis großer Beliebtheit erfreut und deshalb – seit ein gewisser Adolf Hitler nicht mehr an der Macht ist – nach § 86a Abs. 2 Satz 1 StGB in Nachkriegs-Deutschland verboten ist.
Ich hoffe, irgendwer sagt Elon das vor seinem nächsten Besuch in Grünheide…
Denn offenbar ist ein Hitlergruß kein Hitlergruß mehr, wenn der reichste Mann der Welt ihn macht.
Offenbar ist es dann einfach ein „harmloser“ Römischer Salut. Den man halt machen kann.
Finden sogar deutsche Medien wie die BILD oder der Stern. Die BILD relativiert „User vorwiegend aus dem linken Spektrum“ sähen darin einen Hitlergruß. Der stern fragt: „Ist das ein Hitlergruß – oder nicht?“ Und selbst die link-liberale ZEIT spricht in der Titelzeile von einem „vermeintlichem“ Hitlergruß.
Dass wir nicht einmal in Deutschland mehr einen Nazi-Gruß als solchen benennen ist dramatisch.
Elon Musk pflegt sein Bild als gelehrter Tech-Mann, der natürlich den originalen Römischen Gruß nutzt – nicht den von Hitler und Mussolini missbrauchten, umgedeuteten Nazi-Gruß! Elon doch nicht!
Auf Threads belehrten mich einige gar, den Hitlergruß kenne man in den USA gar nicht. Bestimmt. Henry Ford war auch kein Fan der Nationalsozialisten – um mal beim Thema „Autobauer“ zu bleiben…
2025. Die Rechten haben gewonnen, wenn sie die Grenzen des sag- und machbaren soweit verschieben, dass wir selbst in Deutschland einen eindeutigen Nazi-Gruß nicht mehr als solchen benennen wollen.

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19. Januar 2025
Heute Abend durch Zufall bei arte reingezappt und in einen kleinen Film verliebt: Das brandneue Testament ist eine bezaubernde und gleichzeitig böse und herzerweichende Komödie über Ea, die Tochter von Gott. Die macht sich 2000 Jahre nach ihrem Bruder auf den Weg, um die Menschheit von Gottes Tyrannei zu befreien.
Ein belgischer Film mit typisch französischer Melancholie und Bildern, die Wes Anderson in Verzückung setzen würden.
Garniert wird das Ganze mit Catherine Deneuve und einer wunderbaren Pili Groyne, die Ea spielt und deren Spiel ich schon in Ein Dorf zieht blank so toll fand.
Das brandneue Testament ist noch 9 Tage in der arte Mediathek.
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15. Januar 2025
Das German-Austrian Digital Media Observatory (GADMO) verschickt ab sofort einmal in der Woche einen Faktencheck-Newsletter zur Bundestagswahl. Geschrieben wird der von Correctiv, sowie von dpa, Agence France Presse und Austria Presse Agentur. Koordiniert wird alles vom Institut für Journalistik an der TU Dortmund. Abo gibt es hier und die (bisher eine) Ausgaben hier.
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14. Januar 2025
Die Bilder sind reichlich absurd: 3sat begleitet Kari Kobler im Frühling 2024 zum Basislager des Mount Everest. Kobler hat früher Expeditionen zum höchsten Berg der Welt gemacht. Das war vor 20 Jahren schon kommerziell, aber ein Nichts gegenüber den Zuständen heute. Allein im Basislager auf über 5.000 Metern Höhe tummeln sich 2.000 Menschen, um auf den Berg zu kommen. Eine Zelt-Stadt, Müll, Menschen, … Kommerz überall.
Es zählt dabei nicht mehr, sich selbst etwas zu beweisen. Es geht nur noch um das Bild oder Video auf Instagram.
Absurde Bilder. Und Kobler trifft eine neue Generation von Nepali und Sherpas, die vieles vom Westen gelernt haben – vor allem, wie man Geld macht mit dem Mythos Everest.
In der Mediathek: Wahnsinn am Everest – die neuen Chefs am Berg.
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Ich liebe ja, mit meinem Rennrad unterwegs zu sein. Und so sehr ich E-Bikes aktuell hasse – einfach, weil die meisten so klobig, hässlich und schwer sind, und ich mein Rennrad als Sportgerät erachte –, so cool finde ich das ‚Titanium Zero‘ von Urtopia. Ein E-Rennrad aus 3D-gedrucktem Titan und einem Systemgewicht von gerade einmal 10,6 Kilo.
Allerdings: bisher nur ein Prototyp
Geschätzter Wert: 50.000 US-Dollar.
Allerdings: die ersten schicken E-Renner gibt es auch schon jetzt.
Zum Beispiel das ROSE Reveal Plus wiegt nicht wesentlich mehr und kommt als Carbon-Renner für deutlich weniger Geld.
Und bevor ich in das Alter komme, dass ich verschrumpelt, alt und wie ein Shrimp trettunfähig auf dem E-Renner sitze, vergehen ja hoffentlich noch ein paar Jahre.
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10. Januar 2025
Der eXit – der Rückzug von X – in Deutschland ist fast schon ein kleine Bewegung.
Immer mehr Menschen und Unternehmen lassen ihre X-Accounts liegen oder schließen sie aktiv.
Einen Tag nachdem X-Eigentümer Elon Musk nun ein 75-minütiges Gespräch mit AfD-Chefin Alice Weidel hatte, nutzen mehr als 60 deutschsprachige Hochschulen und Forschungsinstitutionen ihre Chance und verlassen X heute. In einer Pressemitteilung beziehen sie deutlich Stellung. Grund sei die “fehlenden Vereinbarkeit der aktuellen Ausrichtung der Plattform mit den Grundwerten der beteiligten Institutionen: Weltoffenheit, wissenschaftliche Integrität, Transparenz und demokratischer Diskurs“. Applaus, Applaus. Es wird Elon in seiner Mission wohl nicht jucken – aber es ist ein Zeichen von Anstand.
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8. Januar 2025
Ich arbeite seit mehr als 2 Jahrzehnten in Social Media & kann durchaus an einer Hand abzählen, wann mich Entwicklungen in dem Bereich wütend gemacht haben. Die Übernahme von Twitter von Musk war so ein Moment. Und gestern gab es erneut einen solchen. Einen, der im Grund sehr vergleichbar ist und einen ähnlichen Effekt haben könnte.
Wir bezeugen in den letzten 2 bis 3 Jahren den weltlichen Kipp nach Rechts.
Die Wiederwahl Trumps war die Schlachtentscheidung zwischen „links-liberal“ und „rechts-elitär“. Kann man eigentlich nicht anders formulieren. Die Nazis, Trolle und rechten Schwurbler sind in den letzten Jahren dermaßen erstarkt. Seit der Pandemie bieten sie vor allem eines, dass ihnen Zulauf gewährt: Sie verkaufen die Illusion einfacher Lösungen in einer komplizierten Welt.
Trumps Wiederwahl hat sie in diesem Kurs bestärkt.
Und nun knickt mit Mark Zuckerberg der Mann vor genau diesen rechten Strömungen ein, der den weltweit wichtigsten und mächtigsten Internet-Konzern für Menschen führt & verwandelt diesen in eine menschverachtendes Scheisshaus.
Excuse my french.
Aber ich bin wirklich wütend.
Mark Zuckerberg hat gestern verkündet Content-Moderation weitgehend abzuschaffen. Ebenso wie Fact-Checking. Ebenso wie Community Richtlinien, die LQBTQI+-Menschen schützen. Und er schwingt sich auf den Rücken von Donald Trump, um Seite an Seite mit ihm in der Welt für freie Rede zu kämpfen, weil Europa und Co. nur noch zensieren.
Zuckerberg kündigt das alles an und bedient sich dabei einer Sprache, die Kampfbegriffe der Rechten und Verschwörungserzählung eben dieser nutzt. Er erklärt, die „Legacy Media“ sei zu woke, zu links-liberal, zu unglaubwürdig, zu biased.
Fünf Minuten redet Zuckerberg in einem Video.
Und biedert sich und seinen Konzern an Trump an.
Der findet das toll, verkündet er auf der gleichen Pressekonferenz, in der er darüber fantasiert, dass er den Panama-Kanal gern hätte, Grönland brauche, die USA mit Kanada fusioniert werden sollte und der Golf von Mexiko bitte in Golf von Amerika umbenannt werden sollte. Alles Punkte, die ein Mann in die Welt posaunt, der in 12 Tagen der 47. Präsident der USA ernannt werden wird.
Und natürlich kann man das opportun nennen. Und natürlich muss man jetzt auch einmal abwarten, wie all das in umgesetzt und vor allem auch in Europa ankommt.
Aber da sitzt der 3. reichste Mensch und begeht einen Schulterschluss mit dem rechtspopulistischen US-Präsident und dem reichsten Menschen Elon Musk. Diese drei weißen Männer haben nicht nur mehr Social Media in der Hand, sie haben uns, den politischen und gesellschaftlichen Diskurs in der Hand. Und das wird Auswirkungen haben. Auch in Deutschland, ob wir wollen oder nicht.
Ich habe hier dazu auch etwas in meinem Newsletter geschrieben.
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6. Januar 2025
Bei Massimo auf das Länderquiz gestoßen: in 15 Minuten soll man so viele Länder nennen, wie einem einfallen. Ich habe eine ausgesprochene Afrika-Schwäche. 84 von 196 klingt wie Nachholbedarf. Nachher mal den Sohn machen lassen … 
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5. Januar 2025
Was mach‘ ich denn den ganzen Tag?
Ein Sonntag.
Mehr ist fast nicht zu sagen. Die Zeit fließt dahin, ich bin heute recht antriebslos – dass es draußen schneit, als ich aufstehe, macht es nicht besser. Wer bitte hat Schnee bestellt?
Ich verbringe den Tag im Grunde auf der Couch. Die Kinder sehe ich insgesamt 4x, mit dem Hund bin ich 3x draußen.
„Was machst du eigentlich den ganzen Tag?“ – kurz
WMDEDGT – fragt
Frau Brüllen stets am 5. eines Monats. Ich antworte nicht immer, aber ab und an. Es bringt die alte Tradition des
Tagebuchbloggens für einen Tag im Monat zurück. Schön. Im Blog von Frau Brüllen werden die Beiträge dann immer gesammelt.
Hier gibt es die Ausgabe vom Januar.
09:00 Aufstehen, Frühstücken, ab auf die Couch.
10:00 Ich trage die Links für meinen Newsletter zusammen – und schreibe den ersten Entwurf.
11:00 Ein paar Änderungen in der FAQ meines Webrings, Begrüßungsmails an die Neuzugänge.
12:00 Mit dem Hund raus. Es ist kalt. Es schneit.
13:00 Zu Mittag gibt es 2 Schokoriegel. Couch-Zeit.
14:00 Ich schaue „Kong: Skull Island“. Kann man schauen. Nebenher tippe ein wenig CSS für die Generalüberholung dieses Weblogs zusammen. Ich bin noch unentschlossen, wie es aussehen soll. Nebenher lese ich meinen Feedreader leer, jage den Newsletter durch die Prüfung bei LanguageTool und Claude.ai und mache ihn in Brevo versandfertig für den Montagmorgen.
16:00 Noch einmal mit dem Hund raus, er quengelt. Es ist warm. Es regnet.
18:00 Ich mache Abendessen. Nudeln mit Brokkoli und Kokosnussmilch – HelloFresh sei Dank geht es fix.
19:00 Ich liege schon wieder auf der Couch. Nebenher läuft irgendwas im Fernsehen.
20:00 Mir fällt ein, dass dieses kleine Weblog heute seinen 24. Geburtstag feiert.
22:00 Frau und ich besprechen ein paar Dinge für die kommende Zeit.
24:00 Ich beschließe, meine Obsidian-Notizensammlung aufzuräumen, damit ich am Dienstag frisch ins neue Arbeitsjahr starten kann. Stellt sich als schicke Idee raus.
03:30 Ich schaue auf die Uhr und stelle erschrocken fest, wie früh es ist. Nochmal mit dem Hund raus. Es ist warm und trocken.
03:45 Bettchenzeit. Zum Glück ist morgen hier und auf Arbeit ja noch ein Feiertag.
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Am 5. Januar 2001 schrieb ich die ersten Zeilen in eine Eingabemaske von Blogger.com – und fing an, den damals wenigen Vertreter:innen der deutschen Blogszene zu winken. Binnen kurzer Zeit gab es Rückmeldungen, und tintography-Jörg, Simone (die später meine Arbeitskollegin wurde) oder der Schockwellenreiter Jörg Kantel – der noch immer bloggt – winkten virtuell zurück. Simone und Jörg & Jörg sind quasi meine Geburtshelfer, auch weil der Schockwellenreiter natürlich eine Ikone war und ist.
Vor dem Januar schrieb ich im Sommer 2000 bereits ein „Tagebuch“ auf einer längst verlorenen Domain. Erst Ende 2000 entdeckte ich dann das Konzept „Weblog“, weil ich auf der Suche nach einem Dienst war, mit dem ich bequemer ins Netz schreiben konnte, als immer eine neue HTML-Datei erstellen zu müssen.
Den 5. Januar 2001 feiere ich seitdem jedenfalls als meine Bloggererweckung.
Und mal ehrlich: Ich hätte nicht gedacht, dass ich 24 Jahre später noch immer in die Tasten haue.
Mit dem, was in den über 20 Jahren danach geschah, könnte ich Abende füllen. Aber um es kurz zu machen: ohne Blog wäre ich nicht der Mensch – weder beruflich noch privat –, der ich heute bin.
Im letzten Jahr habe ich mit 242 Beiträgen in dieses kleine, private Blog so viele Beiträge geschrieben wie schon seit 2007 nicht mehr. Und eigentlich gibt es 2025 keinen Grund, damit aufzuhören.
In den kommenden Tagen aber werde ich mal wieder die Blog-Software wechseln – auch, damit mein aktuell in Teile zerrissenes Archiv wieder zusammen kommen kann. Meine Wahl fällt dabei auf ClassicPress, einen WordPress-Fork ohne Gutenberg-Pest. Ein neues Outfit gibt es auch … Schauen wir mal, was wird.
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