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07 April 2024

Verschütt' im Bundesarchiv

Die fantastische Serie Kafka in der ARD geschaut. Sollte man tun, denn was man da vor die Augen und in den Kopf geballert bekommt, ist so das ziemlich beste deutsche Fernsehen, dass man seit Jahren gesehen hat.

Darin ein kleiner Seitensatz (in Episode 6) hat mich meine Ohren spitzen lassen – und ist fast ein Skandal: Im Bundesarchiv befinden sich 9 Kilometer an nicht aufgearbeiteten Akten und Dokumenten, welche die Gestapo zwischen 1933 und 1945 von deportieren Kommunisten und Juden beschlagnahmt hat. Darunter viele Schriften, Tagebücher und Aufzeichnungen von Schriftstellern, unter anderem wohl auch die letzten Tagebücher und Fragmente von Kafka.

Seit Jahrzehnten drängen Hinterbliebene um eine Aufarbeitung. Und werden ignoriert.
Ein Skandal ist es nicht wegen Kafka. Die Frage, die zwangsläufig auftaucht: Wie viele Kilometer Akten lagern eigentlich da noch im Bundesarchiv, die deutsche Geschichte ignorieren …?


05 April 2024

#WMDEDGT am 5. April 2024

„Was machst du eigentlich den ganzen Tag?“ – kurz WMDEDGT – fragt Frau Brüllen stets am 5. eines Monats. Ich antworte nicht immer, aber ab und an. Es bringt die alte Tradition des Tagebuchbloggens für einen Tag im Monat zurück. Schön. Im Blog von Frau Brüllen werden die Beiträge dann immer gesammelt. Hier ist der aktuelle Monat.

00:45 – Ich lese die letzten Zeilen von Ich träumte von einer Bestie von Nina Blazon. Das Buch war anders, als ich es mir vorgestellt hatte, aber deshalb nicht weniger toll als erhofft. Danach schlafe ich.

08:45 – Mein Wecker klingelt. Ich ignoriere ihn. Die Zeitumstellung macht mir dieses Jahr bisschen zu schaffen – ist schließlich 07:45 Uhr!

09:20 – Ich wache erneut auf und stehe diesmal auch wirklich auf. Seltsam geschlafen. Ich schaffe es in recht okayer Zeit mich menschlich aussehen zu lassen. Danach Porridge und Kaffee – normales Morgenprogramm.

10:00 – Erster Call des Tages mit dem Kunden. Dies, das, Monatsplanung für ein Projekt. Alle happy, gut. Danach kurze Chatrunden mit offenen Tasks, die Wochenzahlen an den Kunden mailen und den zweiten Kaffee.

11:20 – Kurz raus mit dem Hund. Kurze Runde um das Schloss im Dorf. Man merkt das Frühling wird: Das Wetter ist fantastisch, ich bedauere nicht viel Zeit zu haben. Man merkt das Frühling wird: Der Hund bekommt die Nase einfach nicht mehr in die Luft draußen – scheint, als würden die ersten Hündinnen im Dorf läufig.
Zuhause den kranken (Schnupfen) Sohn2 wecken, er muss Hundesitten. Ich mache mich auf den Weg nach Leipzig.

12:30 – Ankunft in Leipzig. Ich hole den Wochenend-Mietwagen von SIXT ab. Es wird ein Peugeot 308, der mich optisch wie technisch positiv überrascht. Mit dem Auto geht es ohne Umwege ins 30 Kilometer entfernten Landsberg – die Tochter abholen. Die kommt aus Naumburg zurück, wo sie in den letzten 3 Tagen am POL&IS Projekt der Bundeswehr teilgenommen hat. Eine politische Simulation um die Themen Sicherheit und politische Zusammenarbeit. Die Tochter kommt begeistert zurück und berichtet das Erlebte auf der Heimfahrt. Kurz im Supermarkt vorbei, Mittag jagen.

14:15 – Fix eine Portion Paella in den Magen und in den nächsten Call. Intern; Wochenrückblick im Führungsteam. Normale Woche, ein paar Leute aus dem Team machen sich am Wochenende auf den Weg nach Palm Springs – zum Coachella. Erinnere mich an 2019, als ich dort war. Die Sehnsucht hält sich in Grenzen, nicht zuletzt weil draussen 20 Grad sind und die Sonne scheint. Aber meine letzte US-Reise liegt echt lang zurück …
Derweil kommt die Ehefrau von ihrem 3-Tages-Seminar zu „Betriebssicherheit“ aus Dresden zurück. K.O. & sie schiebt eine kurze Pause ein.

15:30 – Nächster Call. Intern, Wochenrückblick II mit der Agentur. Gibt ein bisschen was zu erzählen, aber keine Überraschungen. Dann eine halbe Stunde arbeiten, offene Tasks vom Mittagsausflug erledigen.

16:30 – Nächster Call. Kundenthema, wird schwierig zu lösen sein.

16:50 – Fix die Tagesrunde mit dem Hund – 2 Kilometer ums Dorf rundrum.

17:30 – 2-Wocheneinkauf mit Frau und Tochter erledigen. Zudem braucht es Zeug für den Brunch & Kuchenessen mit dem Sohn1, der morgen Geburtstag hat. Globus, Lidl, REWE. Danach, weil sich der kranke Sohn2 es gewünscht hat beim McDonalds das Abendessen holen. Für mich der erste Burger seit Anfang März – nach meinem Radunfall war 3 Wochen nur „flüssiges“ angesagt, seit dem Fäden-ziehen vor Ostern geht es aber wieder; obwohl sich die Zähne und Mund noch seltsam anfühlen ist aber alles wieder okay.

20:30 – Nach dem Essen und Planen – Kind3 muss am Sonntag um 06:30 Uhr vor der Schule sein, es geht auf Klassenfahrt  – will die Tochter noch den Kuchen für Kind1 backen. Es fällt auf: Butter vergessen. Ich düse also nochmal mit dem Auto los … 

21:20 – Dieser Text entsteht. Danach schnappe ich mir den Arbeitsrechner und werde die Präsentation fertig machen, die Montag Morgen stehen muss und mein „Tageswerk“ für heute sein wird. Nebenher wird es denke ich mindestens ‚Star Trek: The Next Generation The Chase‘ geben – nachdem das die Grundlage für gestern gestartete ‚Star Trek Discovery‘-Staffel ist, muss die gefestigt werden …  Hab stattdessen Christopher Robin angeschaltet und nicht gearbeitet. 😅

gegen 00:30 – Werde nach der Backaktion der Tochter die Küche aufräumen, alle Einkäufe verräumen und nochmal mit dem Hund raus.

wohl 01:30 – Werde im Bett liegen und schlafen. Schätze, ohne neues Buch.


Von der männlichen Überschätzung

YouGov hat 1.224 US-Amerikaner gefragt, gegen welches von 34 Tieren sie denken, einen Kampf ohne Waffen gewinnen zu können. Und tatsächlich denken 9 von 100 Männern, sie würden in einem Kampf einen Elefanten oder Gorilla besiegen.

Besser kann man männliche Überschätzung eigentlich nicht aufzeigen.
/via


04 April 2024

Zur Buchmesse in Leipzig hat der Bayerische Rundfunk einen eigenen #Booktok TikTok-Kanal namens Literally gestartet. Dieser will eine journalistische Perspektive auf #BookTok-Genres und moderne Klassiker bieten.

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03 April 2024

Catan – Neue Energien

29 Jahre nach dem ersten Catan erscheint jetzt eine Adaption des erfolgreichen Brettspiels, die den Klimawandel ins Zentrum des Handelns stellt.

Haters Gonna Hate: Es gibt mit „Catan: Energien“ jetzt eine woke Version von Catan. Bei der geht es nicht mehr darum, um alles in der Welt die eigenen Städte hochzujazzen und mit wildem Rohstoffverbrauch die längste Straße zu bauen.

Catan: Energien legt Wert auf eine nachhaltige Wachstumsstrategie. Fährt man die nicht und verwüstet die kleine Insel zu sehr ist das Spiel irgendwann dank einer umumkehrbaren Umweltkatastrophe für alle beendet.

Benjamin Teuber, der Sohn des vor einem Jahr verstorbenen Catan-Erfinders Klaus Teuber, hat das Spiel noch gemeinsam mit seine Vater entwickelt. Das Thema „Umwelt“ zieht sich in der neuen Catan-Version von der Spielidee bis zum Brett durch. „Catan: New Energies“ ist aus nachhaltig gewonnenem Holz und Papier hergestellt, selbst die Spielschachtel ist nicht in Plastikfolie eingeschweißt.

The outcome of this game won’t change the world. But maybe your way of thinking will change, and you can later go and change the world“, sagt Benjamin Teuber im Interview mit Forbes – und besser kann man es eigentlich nicht sagen.

Die englische Version von „Catan: New Energies“ erscheint im Frühjahr. Auf Deutsch soll es im Sommer im Kosmos Verlag erscheinen.

Spielebeschreibung von Kosmos: Die Spielerinnen und Spieler sind verantwortlich für den Bau von Kraftwerken, um den Energiebedarf der modernen Insel zu decken. Doch Vorsicht: Wenn sie sich für Kraftwerke mit fossilen Brennstoffen entscheiden, steigt die Umweltverschmutzung auf Catan. Auch der Bau von Siedlungen und Städten hat negative Auswirkungen auf die Umwelt. Glücklicherweise können Kraftwerke, die erneuerbare Energien nutzen, die Verunreinigungen neutralisieren. In diesem eigenständigen Spiel liegt es ganz bei jeder Person, wie die Umwelt auf Catan gestaltet wird.


That’s gold, Jerry. Gold!
watchseinfeld.net streamt die beste Show der Welt 24/7. Man könnte sie natürlich auch legal auf Netflix schauen, aber da nervt die Frage ob man noch schaut aller paar Episoden …

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Nico Semsrott darüber, wie man sich in Brüssel die Taschen voll machen kann

Nico Semsrott ist als Kabarettist vor fünf Jahren ins EU-Parlament eingezogen, hat dort als Politiker gelernt und kommt jetzt als Kabarettist zurück. Er hat ein Buch geschrieben (das seit Samstag hier liegt) und veröffentlicht Videos – zum Beispiel über die wahnsinnige Richtlinie zur Reisekostenerstattung, mit deren Hilfe sich quasi jede:r Abgeordnete ein schickes zweites Einkommen herbeireisen kann ohne dabei all zu viel Arbeit mit Belegen zu haben.

Das öffentlich-rechtliche Format ‚Die da oben‘ hat sich dazu auch mal mit Semsrott unterhalten.


Jon Stewart über KI & mit Lina Khan

Jon Stewart moderiert die Daily Show einmal in der Woche.
Dieses mal arbeitet er sich an The False Promises of AI ab, was an sich bereits sehenswert ist. Richtiges Pflichtfernsehen für jeden US-Bürger sollte aber sein Gespräch mit Lina Khan sein, der Vorsitzenden der FTC, Federal Trade Commission. Im Gespräch zeigen die beiden auf, wieso Regulierung nicht zwangsläufig schlimm ist, und wo die FTC versucht die aktuellen AI-Entwicklungen schneller einzufangen als damals beim Web 2.0 …


02 April 2024

Kafka. Serienhighlight aus Deutschland.

Kafkajahr.
Am 03. Juni 1924 verstarb Franz Kafka.

Anlässlich dessen hat die ARD ein – man muss es so sagen – Mammutprojekt realisiert. Basierend auf der mehr als 2000 Seiten umfassenden Kafka-Biografie von Rainer Stach haben David Schalko (Regie) und Daniel Kehlmann (Drehbuch) eine der besten deutschen Serien der letzten Jahre geschaffen.

Was hätte an so vielen Stellen schief gehen können, ist fantastisch erzählt und umgesetzt.
Joel Basman in der Titelrolle als Franz Kafka ist großartig. Er stellt Kafka als Sonderling dar, mit Humor, Tiefe, Drama und Liebe.
Die Serie ist auf mehreren Ebenen erzählt, inklusive der Off-Stimme des tollen Michael ­Maertens. Fast mag man nicht glauben, dass hier wirklich eine deutsche Produktion vor einem abläuft.

Die Serie zeigt Kafkas Leben, so nah verfilmt, wie man das tun kann. Nicht chronologisch, sondern an Weggefährten aufgehangen. Episode 1 nähert sich Max Brod, ohne den es Kafka wie wir ihn kennen, nicht gegeben hätte. Danach geht es mit Familie und Frauen weiter. Episode 3 haut einen am Ende aus den Schuhen. Episode 5 kommt so wunderschön poetisch, lieb und fast schon unschuldig daher, bevor es aus der tollen Liv Lisa Fries herausbricht: „Der beschissene Zugfahrplan!“ und in einer Anklage Kafkas endet, dessen Verhältnis zu den Frauen wohl recht kompliziert war – Bindungsängste würde ich diagnostizieren.
Nach 6 Episoden endet die Serie mit einem zunehmenden Verschwimmen zwischen Leben und dem letzten Werks-Fragment ‚Das Schloss‘ während die Geschichte von Kafkas letzten Jahren und seine Verbindung zu Dora Dymant erzählt wird.

Sechs Episoden erweisen sich für die Kafka-Verfilmung als gut gewählte Länge: dicht erzählt, gut umgesetzt, tolle Dialoge und zwischen Humor, Menschlichkeit und Dunkelheit hervorragend austariert. Sollte man schauen. Ist bis März 2025 in der Mediathek.


01 April 2024

Töten gehört zum Geschäft.
Und die Liste der Services, die Google in den letzten 25 Jahren gelauncht oder übernommen und eingestellt hat, ist lang. Killed by Google listet sie auf. Ein Friedhof an Google Diensten quasi.

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