10 Oktober 2022

Informatik als Pflichtfach: Vom Wollen, Sollen und dem Können

Ein Gremium empfiehlt den Kultusministern eine dramatische Wende bei der Digitalisierung der Schulen. Ich freue mich auf die Veränderung. Allein: mein Glaube daran fehlt.

Komplett an mir vorbei gegangen ist die am 19. September von der Ständigen Wissenschaftlichen Kommission veröffentlichte „Handlungsempfehlungen zur Digitalisierung im Bildungswesen“.
Und hui, die hat es in sich: 182 Seiten voller Ambitionen.

Schule ist die wohl rückständigste Institution, wenn es um Digitalisierung geht. Seit meinen Schultagen in den 1990er Jahren hat sich nichts verändert. Ich habe drei Kinder der GenZ in unterschiedlichen Bildungsstufen des Schulsystems. Informatik fängt bei allen erst in der 10. Klasse an – und das auf einem Niveau, bei dem sich die Nackenhaare aufstellen.

Das nun vorlegte Konzept rüttelt ordentlich am schwachsinnigen Föderalismus der bundesdeutschen Bildung, in dem jedes Bundesland eine eigene Kompetenz beim Thema hat.

So schlägt es unter anderem länderübergreifende Zentren für digitale Bildung vor, die digitales Lernmaterial entwickeln, bereitstellen und schulen fördern sollen.

Für die größte öffentliche Aufmerksamkeit, schreibt Jan-Martin Wiarda in seinem Blog, dürfte die Forderung sorgen, schon zum Schuljahr 2024/25 Informatik als Pflichtfach ab Klasse 5 in allen Bundesländern einzuführen – mit mindestens vier, mittelfristig sogar mit sechs Wochenstunden. In der Grundschule sollten Informatikinhalte, etwa zur Funktionsweise von Robotern, im Sachunterricht vorkommen.

Ach, zu wünschen wäre es.
Seit Jahren spreche ich mich dafür aus Medienkompetenz an Schulen zu lehren. Auch, weil ich sehe, wie wenig Eltern selbst in meiner Altersstufe Anfang 40, dazu geeignet sind diese Inhalte jenseits von RTL-Niveauigen Zusammenfassungen zu verstehen. Geschweige den mit ihren Kindern darüber zu reden. Was mir auf Elternabenden und Gesprächen mit Kindern da manchmal entgegen kommt ist abenteuerlich.
Und ja, ich bin hier sicherlich aufgrund meines Jobs privilegiert. Ich kenne die neusten Apps, Memes und Gefahren – und (hoffe) mit der richtigen Mischung aus Vernunft, Warnung und ohne Verbote aber mit Gesprächen darauf zu reagieren.

Informatik und vor allem auch dafür kompetent geschulte Kräfte gehören verpflichtend an Schulen. In einer Gesellschaft, die zunehmend digitaler wird und Kompetenzen in Bereichen aufbauen muss, die es in der letzten Schulreform (gefühlt) 1960 nicht einmal gab.

Und doch, ich muss auch eine Lanze brechen für all die engagierten Lehrer, die heute schon mit den Kids über TikTok, Online-Mobbing und Co sprechen – und diese Themen ebenso verstehen, wie die Mentalität der Generation, die von Kindesbeinen damit aufwächst.

Allein, ich habe meine Zweifel, dass in Zeiten von Corona, Ukraine-Krieg, Inflation und Co eine Bundesregierung den Ländern viel bieten kann, um ihnen das Thema Bildung aus den föderalen Krallen zu nehmen. Oder auch nur den Kopf dafür zu haben, eine so dramatische Kehrtwende beim Thema Bildung in den nächsten zwei Jahren einzuleiten.


09 Oktober 2022

Meine Woche (KW 40/2022)

Leben

Eine Woche die irgendwie doch nicht besser sein hätte können.
Montag Feiertag, Dienstag und Mittwoch Nachmittags frei, Donnerstag und Freitag zwei ruhigere Arbeitstage.

Wieder etwas mehr mit dem Fahrrad unterwegs gewesen, nachdem das Wetter so in Richtung „Goldener Herbst“ ausschlägt. Weil mein Rennrad noch immer nicht einsatzbereit ist (ich bin faul) alle Kilometer auf dem Gravelbike gerissen. Auch mal wieder schön primär Pisten mit Schotter, Wiese und Erde zu nutzen als auf glatten Asphalt zu schielen.

Der Social Head von McDonalds. So true

Nachrichten

Elon Musk bestimmt einmal mehr die Schlagzeilen. Und ob man will oder nicht – man kommt nicht um ihn herum aktuell. Autos, Satelitten, Kriege, Roboter … und Twitter immer auch irgendwo, seit 9 Monaten im Übernahme-Zirkus. Was nun diese Woche alles so los war habe ich hier mal aufgeschrieben. 🤡

Zeitenwende: Matter 1.0 ist endlich offiziell abgesegnet und bildet damit einen Quasi-Industriestandard für das Smart Home. The Verge hat mal zusammengefasst, warum das wichtig ist.

Hat jemand "Klimawandel" gesagt?
Während wir darüber diskutieren, wie wir die Klimakatastrophe verhindern, vergibt das asiatische Olympia-Komitee die Winterspiele 2029 nach – trommelwirbel! – Saudi-Arabien! Das dafür notwendige Skigebiet liegt mitten in der Wüste, ist noch nicht gebaut und soll mit Kunstschnee ausgestattet wird.
Derweil fragte RTL neulich beim durch-zappen "Müssen die Schneekanonen (in deutschen Ski-Gebieten) wegen der Strompreise diesen Winter still stehen?". Ich frage mich eher: Wieso müssen die überhaupt existieren?

Einige Roboter-Hersteller, darunter Boston Dynamics, haben einen offenen Brief an die Branche adressiert. Darin formulieren sie, dass sie nicht vor haben Roboter zu bewaffnen – und ermuntern die anderen Hersteller, sich dieser Selbstverpflichtung anzuschließen.

Rund 20 % der Moai-Statuen auf den Osterinseln sind durch ein Feuer irreparabel beschädigt worden. Die Klimaänderungen beschädigen nachhaltig Natur und Kultur.

An Symbolkraft kaum zu überbieten: "Ausgerechnet" zu Putins Geburtstag hat es – offenbar von der Ukraine – einen Angriff auf die Kertsch-Brücke gegeben. Das Prestigeprojekt von Wladimir Putin ist das Symbol der Krim-Annexion und verbindet eben diese mit Russland. Das die Brücke jetzt zerstört wurde ist nicht nur eine Nachricht an Putin, sondern könnte auch schwerwiegende Folgen für die russische Armee haben.
Derweil spielen Russland und die USA mit den Muskeln: US-Präsident Biden hält die Gefahr eines Atomkriegs für so groß wie seit den 60er Jahren nicht mehr. Allein diese Äußerung könnte darauf hindeuten, dass die USA sich doch stärker in der Ukraine einbringen will.
Derweil gibt es ein Update zum Anschlag auf die Northstream 1 und 2 Pipelines in der Ostsee – allerdings haben die schwedischen Behörden keine konkreten Neuheiten. Sie erhärten lediglich ihre Aussage, dass es sich bei den drei Lecks um eine koordinierte Aktion gehandelt haben muss.

Vor acht Jahren ging die Ice Bucket Challenge als erste "Mitmach-Aktion" wirklich viral. Nicht nur haben sich Tausende Menschen einen Eimer Wasser über den Kopf gekippt, sondern es wurden auch Millionen Euro gespendet. Die floßen unter anderem in die Erforschung eines ALS-Medikaments – und das erste Ergebnis davon wurde jetzt von der US-amerikanischen Food and Drug Administration freigegeben: Relyvrio ist nicht ganz unkritisch, aber kann das Voranschreiten von ALS wohl ein wenig verlangsamen.

Max Verstappen ist Formel 1-Weltmeister. Nach einem sehr chaotischen Rennen, bei dem am Ende des Rennens einige Zeit nicht wirklich klar war, ob die Punkte nun reichen oder nicht … Die FIA bekleckert sich seit einiger Zeit echt nicht mit Ruhm.

Am 09. Oktober 1989 gingen Menschen in der DDR mutig versammelt auf die Straße. 70.000 Menschen waren es in Leipzig – und schaffen damit den Schlüsselmoment zur politischen Wende. In der Stadt erinnert jedes Jahr das Lichterfest daran. Dieses Jahr setzt die Propstei-Kirche ein Signal zum Lichterfest: 2022 ist nicht 1989.

Mich machen all jene unheimlich wütend, die seit zwei Jahren von Coronadiktatur und Co. reden, die auf Demos von der Polizei beschützt schreien, sie dürften ihre Meinung nicht mehr sagen und gleichzeitig Galgen mit Politker-Puppen in die Luft halten. Sie ziehen das Erbe der mutigen DDR Bürger in den Dreck – ebenso, wie unsere Demokratie.

Nicht vergessen sollte man trotzdem nicht, dass der 09. Oktober auch der Tag des Anschlags in Halle ist.

BrowsertabsGelesen
Meine Browsertabs gibt es künftig auf einer eigenen Seite. Hier sind die Highlights.

Gehört

  • Macht und Millionen: Hendrik Holt – Derbe Geschichte, die vor zwei Jahren vollkommen an mir vorbei ging, um einen Betrüger der Windpark-Projekte plante, oder eben nicht.

Statistik
Rad: 136 Kilometer


08 Oktober 2022

Elektromobilität: Wenn 21 Millionen Autos nur ein Anfang sind

Das aktuellste Zero-Emission Vehicles Progress Dashboard (PDF) des ZEV Councils zeigt den steigenden Anteil an elektrischen und elektrifizierten Fahrzeugen auf der Welt.

Glaubt man der Erhebung sind weltweit aktuell insgesamt rund 21 Millionen elektrifizierte Autos unterwegs - 47% davon in China, 32% in Europa; in Deutschland sind 3,6% aller Autos Hybride oder Elektroautos. Da ist noch ordentlich Potential. Vor allem auch, wenn man bedenkt, dass allein in Deutschland aktuell 48,5 Millionen Pkw auf den Straßen unterwegs sind.
Immerhin steigen die Verkäufe, auch wenn die Absätze noch nicht dort sind, wo sie eigentlich sein sollten: "EVs accounted for 13% of global passenger vehicle sales in 1H 2022, or 9% when excluding PHEVs."

Allein diese 21 Millionen Fahrzeuge aber führen bereits dazu, dass 1,3 Millionen Barrels Rohöl pro Tag eingespart werden: "Avoided oil consumption has more than doubled from 2015-2021, up from ~725,000 barrels of oil per day in 2015". Immerhin.
Entwickelt sich der Markt so weiter könnte bereits 2030 so viel Öl eingespart werden, wie Russland vor dem Ukraine-Krieg exportiert hat.


06 Oktober 2022

Social Audio, Video oder Text: "Alles nur Dateitypen - die Story zählt"

Statt dem letzten hippen Format nachzujagen, sollten sich Marketing-Verantwortliche primär damit beschäftigen, was sie eigentlich erzählen wollen.

Einer meiner Lieblings-Newsletter ist Garbage Day von Ryan Broderick. In einer der letzten Ausgaben geht es um den Hype Cycle von Podcasts (so over, also wirklich over, weil eigentlich just radio now) und anderen Dingen, die eben immer wieder durch das virtuelle (Marketing-)Dorf gejagt werden.

Er verzeiht mir sicherlich, wenn ich hier großzügig zitiere:

The current growing malaise in the podcast world is because the advertising industry, and thus the entertainment industry, still treat different kinds of digital media on the internet as entire industries that are somehow separate from each other. This is how you end up with weird micro-fads where very important people say things like “it’s all about audio now,” or “the next big thing is live video or short video or VR video,” or sit on some panel and say that everyone’s into GIFs or whatever. (It’s also the exact same mindset allowed a lot of investors to get suckered into NFTs.) All of this, inevitably, leads to massive companies dumping jaw-dropping amounts of money to over-saturate what are essentially just different file types. But none of that means anything on the internet!

Am Ende läuft es halt eigentlich darauf hinaus: Was zählt ist die Geschichte. Und in genau die solltest du investieren – und dir dann Gedanken darüber machen, in welchem Dateiformat du sie erzählst:

Everything’s just posts and all posts, within reason, have the ability to go viral (or not). Regardless of how much money or time went into making the post. And as long as those file types are supported and they fit whatever the story or the idea that’s being rendered with them, they’ll do well.

Gut gesagt.

Ihr solltet Garbage Day wirklich abonnieren.


Brooks' Law

Probleme in einem verspäteten Projekt löst man nicht mit noch mehr Entscheidern oder neuen Mitarbeitern. Diese Arbeitserkenntnis hat gar einen Namen: Brooks’sche Gesetz.

Dass man – vor allem mehr oder minder kreative – Projekte nicht schneller beendet indem man mehr Arbeitskräfte involviert ist ein Gesetz. Ein ungeschriebenes, dachte ich bisher. Common Knowledge.

Wie ich jetzt aber lerne hat es mal jemand aufgeschrieben. Und zwar Frederick Brooks, Manager bei IBM formulierte in seinem 1975 erschienenen Buch ‚The Mythical Man-Month‘ – bezogen auf Software-Projekte – auf, was heute als Brooks‘ Law bekannt ist: „Adding manpower to a late software project makes it later“.

Richtig.

Und dann fand ich diese wunderbare Darstellung für den Grund, dass „too many cooks spoil the broth“ – von Max Sather geteilt.

Jede:r mein Held, der den deutschen Namen der als Anti-Pattern formulierten Aussage dreimal schnell hintereinander in einem Projektmanager-Meeting sagen kann: Brooks’sches Gesetz, Brooks’sches Gesetz, Brooks’sches Gesetz!


05 Oktober 2022

Abschied von Spark

Mein Mail-Client ist jetzt Teil der Subscription Economy – und deshalb nicht mehr mein Mail-Client

Der Mail-Client meines Vertrauens ist Spark. Und mit der neusten Version ändert sich in der App so einiges. Tatsächlich gleicht sich Spark mit den neuen Features der Hype-Mail-App Superhuman an.

Leider zieht Spark allerdings nicht nur in den Features mit. So führt man mit der neuen Version auch eine monatliche Abo-Gebühr ein. Wer alle Features künftig nutzen will wird monatlich mit 5 Euro zur Kasse gebeten. Damit wird Spark Teil der immer mehr um sich greifenden Subscription Economy.

Und während ich das bei manchen Dingen sinnvoll finde – durchaus auch den viel kritisierten Abos für Features in Autos -, hört mein Verständnis an anderen Punkten auf.

Ich bin BWLer – natürlich verstehe ich, dass sich mit Abo-Modellen mehr Geld verdienen lässt.
Die Frage ist nur: wie lang kann ich mir als Konsument eigentlich noch leisten zu zahlen?

Netflix, Disney+, Youtube, Amazon, Photoshop, meine Sitzheizung im Auto, mein Mail-Programm, meine Lokalzeitung, die überregionale Zeitung, Strava, Hosting, Google Drive, iCloud, Fitness-App, Tracking-App, X-Box, RSS-Reader, Bookmark-Dienst, …

Aus vielen kleinen Beiträgen werden allein bei mir im Monat aktuell über 300 Euro – allein für Abos. Und ganz ehrlich, Spark gehört in Zukunft dazu eher nicht mehr.
Sorry. But not Sorry.


Elon Musk: Imperium des Risikos oder des Wahnsinns?

Elon Musk spielt mit Autos, Robotern, Raketen – und zwischendurch mal eben noch mit Twitter und der Weltpolitik. Ist das Risiko oder schon Wahnsinn?

Seit neun Monaten zieht sich der Übernahme-Zirkus um Twitter. Elon Musk will die Plattform übernehmen, oder nicht, oder jetzt – kurz vor dem Beginn einer Gerichtsverhandlung, mit der Twitter die Übernahme erzwingen will – doch wieder? Er kapituliere, schreibt die FAZ.

Seit Monaten mischt sich Musk mit seinen Satelliten in Kriege und Konflikte ein.
Gestern ließ er seine Follower auf Twitter über eine von ihm skizzierte Lösung des Ukraine-Kriegs abstimmen – sehr zur „Freude“ der Ukraine, natürlich (nicht).

Und dann wären da noch all die Dinge, mit denen er sich im Alltag beschäftigt: Autos, Raketen, Tunnelbohrer, … seit letzter Woche Roboter. Unheimlich viele Baustellen, eigentlich.

Genau die beleuchtet Axios in seinem neusten Podcast einmal: Elon Musk’s empire of risk

Ich verfolge nicht alles, was Elon so in die Welt hinaus bläßt, aber als jemand, der seit Jahren für die Autoindustrie arbeitet, schaue ich natürlich stets auch auf Tesla. Mich fasziniert dabei vor allem auch, wie sehr die Ansichten von Tesla und Musk mit denen anderer Experten auseinander gehen, wenn es beispielsweise zu den Assistenzsystemen kommt.

Während alle anderen Autobauer auf Kamera und Radar setzen oder Assistenten erst dann in Serie geben, wenn sie reif sind schiebt Tesla eine Beta nach der anderen raus, verkauft das System als „Autopilot“ – was beim Kunden als wesentlich selbständiger wahr genommen wird, als es ist – und setzt nur auf ein Kamerasystem. Tesla liefert Fahrzeuge in Zukunft gar mit noch weniger Sensoren aus.
Das bringt Probleme mit sich die auch AXIOS beleuchtet: The National Highway Traffic Safety Administration (NHSTA) released data this summer identifying 392 reported accidents as of May 2022 involving cars operating with assisted driving features. 273, or roughly 69%, involved Teslas

Lesens- und Hörenswert.


03 Oktober 2022

Tag der Einheit

Mein #TagderDeutschenEinheit ist für mich täglich.
Er umarmt mich jeden Tag in Form meiner Kinder, die in Ost und West geboren sind.
Er blickt mich täglich in Form meiner Kollegen an, die aus der ganzen Welt kommen.

Ich bin nicht Ost oder West.
Ich bin ein Europäer; dankbar für Demokratie, Wiedervereinigung und Freiheit in Deutschland.

Und nein, ihr Schwurbler, Demokratiefeinde und Coronaleugner: 2022 ist nicht 1989.

Keiner von euch muss um seine Freiheit, Gesundheit oder gar sein Leben fürchten, wenn ihr mit euren Reden vom „Merkel-Regime“, Verschwörungstheorien, Maskenverweigerungen oder selbt gebastelten Galgen mit Politiker-Puppen daran auf die Straßen geht.
Nicht alle gingen in der DDR einst auf die Straßen, doch ihr Geschenk ist 32 Jahre danach wertvoller als jede Demo von euch Spinnern, auf denen ihr das Ende der Meinungsfreiheit beklagt, während euch die Polizei den Weg vom Verkehr frei macht und ihre Journalisten ungestraft bedrohen dürft.

von Facebook


02 Oktober 2022

Meine Woche (KW 39/2022)

Leben
Eine ruhige Woche.
Nach den 456 Kilometern auf dem Rad letztes Wochenende einen Tag etwas Ziehen in den Beinen gehabt welches Dienstag Abend dann endete. Ansonsten aber keine anderen "Nebenwirkungen". Der Körper ist mit etwas Training tatsächlich ein Wunderwerk. ^^

Lieblingsmonat beginnt.
Oktobär

Freitag wieder frei.
Nächsten Montag ebenso: 03. Oktober. So richtig zum Jubeln wird den Deutschen in diesem Jahr an dem Tag irgendwie nicht sein.

Vor genau sechs Jahren habe ich von der Paris Motor Show aus einige Vorhersagen für die Autoindustrie gemacht. Sieht gut aus dafür.

Habe mein MotorShowBlog nach ziemlich genau 17 Jahren vom Netz genommen. Ziept schon ein wenig im Herz.

Nachrichten
Friedrich Merz nennt die Flüchtlinge, die vor dem Krieg in der Ukraine fliegen, ‚Sozialtouristen‘. Der Mann bekommt echt nichts mehr mit, oder?

Oktoberfest und in München steigen die Corona-Zahlen. Nein, doch, oh!

Die AfD ist laut aktueller Sonntagsfrage jetzt die stärkste Partei in den neuen Bundesländern - mit 27% (!). Scham ist das Gefühl, welches ich ausdrücken kann. Scham und Wut. So sehr ich versuche Verständnis für meine ostdeutschen Mitbürger aufzubringen, so verstehe ich doch von Tag zu Tag weniger, wie man aktiv den Faschismus wählen kann. Gleichzeitig denken in Ostdeutschland satte 43 Prozent der Menschen ihre Meinung nicht mehr frei äußern können, ohne Ärger zu bekommen. Ich versteh den Ossi langsam nicht mehr. Der Historiker Ilko-Sascha Kowalczuk versucht es in einem Interview trotzdem den Zustand zu analysieren und schafft es, einige gute Punkte zu nennen, weshalb Ossis offenbar so sehr mit Freiheit und Demokratie fremdeln.

Nachdem Russland in den letzten Wochen jede Menge Gründe vorbrachte, die Deutsch-Russischen Gaspipelines Nordstream 1 und 2 nicht wieder ans Netz nehmen zu können, sind beide Pipelines jetzt beschädigt worden. Einen Unfall schließen Experten eigentlich aus, nicht zuletzt weil auf Erdbebensensoren eine Explosion ersichtlich war. Die Bundesregierung hält Sabotage für möglich. Bester Kandidat: Russland, um öffentlich weiter Gründe zu haben, die Pipeline nicht zu nutzen. Auf Twitter derweil kursiert die Theorie, dahinter steckten die Amerikaner. Man erinnere sich: Wenige Tage vor Ausbruch des Ukraine-Krieges hatte Joe Biden gedroht, die Inbetriebnahme von Nordstream 2 zu verhindern. Wäre dem tatsächlich so, dann: Gute Nacht. Der kriegerische Akt eines NATO-Mitglieds auf die Infrastruktur eines anderen NATO-Mitglieds wäre der GAU. Derweil befürchten Experten schwere Umweltauswirkungen auf das Ökosystem der Ostsee, weil Millionen von Tonnen Methan ausgetreten sind. Nach ein paar Tagen scheint heute (Sonntag) zumindest kein Gas mehr in den Rohren zu sein.

Nach dem Rücktritt von Boris Johnson hat seine Nachfolgerin Liz Truss ihren "wir kurbeln die Wirtschaft wieder an"-Plan vorgestellt - und dafür gesorgt, dass das Pfund abschmiert, weil die Anleger und Investoren nicht überzeugt sind. Dank des Neuverschuldungsplan notiert die britische Währung auf den tiefsten Stand seit 37 Jahren. Und nicht nur UK steht unter Druck. Auch der Euro ist seit Monaten wegen des Ukraine-Kriegs nicht gefragt und sackte zum ersten Mal seit 20 Jahren unter die 1-Dollar-Marke. Nicht die besten Tage für Europa aktuell - wirtschaftlich, wie politisch (siehe letzte Woche).

Happy Birthday, Star Trek: The Next Generation.

RIP, Coolio. You are now in Gangsta’s Paradies, I guess.

Bei McDonalds in den USA gibt es bald ein Happy Meal für Erwachsene. Und ja, es hat auch ein Spielzeug mit massiven Retro-Vibes. Geschickt.

Porsche ist jetzt an der Börse und damit wieder eigenständig, auch wenn VW als Konzern noch eine Menge der Stammaktien hält.

Elon Musk - diese ewige "Mischung aus Flammenwerfer und Luftpumpe“, wie ihn Patrick Beuth beschreibt - hat diese Woche einen wackeligen Roboter gezeigt, der binnen kurzer Zeit zu Tausenden in den Tesla-Fabriken zum Einsatz kommen soll. Ich habe Zweifel. Viele. Schwere. Und nicht nur ich.

Browsertabs - Gelesen
Meine Browsertabs haben eine eigenen Seite. Hier die Highlights.

  • Elon Musk’s Texts Shatter the Myth of the Tech Genius - Im Rahmen der Gerichtsverhandlung zur gescheiterten Übernahme von Twitter durch Musk wurden einige SMS von Musk veröffentlicht. Dabei fällt auf, wie unscheinbar, phantasielos und schlecht Musk mit einem Kreis von anderen "mächtigen" Männern agiert: "_Whoever said there are no bad ideas in brainstorming never had access to Elon Musk’s phone_"
Gehört Gesehen
  • Endlich The French Dispatch von Wes Anderson gesehen. Ich glaube das ist der Anderson‘schste aller Anderson Filme. Jede Szene ein Gemälde an dem man sich nicht satt sehen kann. Jeder Satz Poesie. Mal zum Lachen, mal zum seufzen. Hab ihn auf Amazon geliehen, bevor ich sah, dass ich ihn auf Disney+ hätte kostenlos schauen können.

Statistik
Rad: 42 Kilometer
Aktivität: Viel Wind. Spazieren gehen am Cospudener (Freitag) und Werbeliner See (Sonntag). Erste Herbstrunde mit dem Gravelbike. Freitag frei. Erstmals einen Hyundai (Kona) gefahren übers Wochende - keine Offenbarung, das ganze Getüdel des Autos nervt kolossal.


01 Oktober 2022

MotorShowBlog; das Blog | Ende

Das MotorShowBlog legte 2005 den Grundstein für meine Karriere, doch es ist an der Zeit ‚auf Wiedersehen‘ zu sagen

Jedes Projekt hat seine Zeit.
Nach dem Aus meines Weblogs medienrauschen Ende 2016 und dem Ende meines Autoblogs autokarma im März 2018 ist es nun Zeit, das nächste Projekt abzuschalten. Mit dem Ende des MotorShowBlogs gibt es eine weitere Zäsur in meinem beruflichen Leben.

Denn mit diesem Weblog begann alles.
Mein Leben als professioneller Blogger, Social Media Experte und Selbständiger. Dieses Weblog war die Basis auf der ich mich im Jahr 2005 selbständig machte.

MotorShowBlog Screenshot

„MotorShowBlog“ hieß es dabei nicht immer. Es begann als IAABlog, wurde dann zum Paris Motor Show Blog, zum BMW Motor Show Blog und schließlich zum MotorShowBlog. Und während sich der Name über die Jahre änderte, blieb doch immer etwas gleich: über die Jahre berichtete ein Team von Menschen im Auftrag von BMW im Blog über die Neuheiten von den Messen dieser Welt.

Die ersten Schritte des Blogs machte ich gemeinsam mit dem Team von vi knallgrau. Einige Zeit danach übernahm ich das Steuer im Blog als Herausgeber und baute die Präsenz in Zusammenarbeit mit BMW aus. Auf Facebook, Instagram, Twitter – und mehr Events.
Im ersten Jahr wurde das Blog von Katharina Borchert und Don Dahlmann mit flankiert, zu manchem Event begleitete mich später der BMW Influencer Todor Todorov und zum Ende hin übernahm Jonas Eling für einige Events die Feder.
Seit 2018 allerdings liegt das MotorShowBlog mehr oder minder auf Eis. Auch natürlich, weil sich Zeiten, Prioritäten und Budgets ändern. Statt ins Blog flossen Inhalte von den Messen zunehmend in andere BMW Kanäle auf Plattformen wie Instagram und Co.
Bis zu meinem Wechsel zu Jung von Matt im Juli 2021 war ich für diese Aufgaben in meiner Rolle als Social Experte aber stets mit verantwortlich.

Mit den Jahren verließen das Blog und ich die Grenzen von Frankfurt. Es ging mehrfach nach Genf und Paris. Nach Detroit. Und sogar nach Shanghai und Beijing.

Dank des Blogs durfte ich quer durch die Welt reisen – oft auch meinem Traum langer Roadtrips folgend – und zahlreiche einzigartige Erinnerungen machen. So ging es nicht nur im Flieger um die Welt. Unvergessen sind ebenso drei Wochen mit einem BMW 5er GT durch Schweden, Norwegen und Deutschland, um BMW Fans zu treffen.
Und 2014 durfte ich mit einem BMW M6 Competition Cabrio von München über Mailand, Saint Tropez und Lyon nach Paris und zurück fahren.

Mit dem BMW M6 unterwegs

Mit dem Blog habe ich meine ersten Agentur- und Kundenprojekte gemacht. Meine ersten langen Reisen, meinen ersten Podcast und Vlogs. Ich habe tolle Menschen getroffen, Orte gesehen und nicht zuletzt viele Grundsteine für Weiteres gelegt.

Denn aus dem MotorShowBlog entstand am Ende ein Geschäft, dass meinen Kollegen Daniel Große und mich über Jahre beschäftigt gehalten hat: Weblogs und Social Media Dienstleistungen über Events für Kunden wie die Leipziger Messe, den Zweiradmessen, den Westfalenhalen oder MAN Bus & Trucks umsetzen zu dürfen.
Nicht zuletzt haben wir mit Projekten wie dem GC Blog und dem AMI Blog für die Leipziger Messe gemeinsam die Grenzen für die Live-Begleitung von Events verschoben. Und darauf bin ich stolz.

Vielleicht trägt all das dazu bei, dass es mir selbst nach vier Jahren „nicht mehr ins Blog schreiben“ unheimlich schwer fällt, den Schalter umzulegen und das MotorShowBlog abzuschalten. Aber außer der Nostalgie gibt es eben auch keinen Grund mehr, es nicht zu tun.
Nicht zuletzt im Internet Archive wird das Blog seine Stelle behalten. In all seinen Inkarnationen: IAABlog, BMW Motor Show Blog und MotorShowBlog.

Es war eine verrückte Reise. Von 2005 bis 2018 war das MotorShowBlog nicht nur ein Teil meiner Arbeit, oder gar die Basis. Es war auch ein Teil von mir, irgendwie.
Danke.


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