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Internet ist kaputt – Ausgabe #4

Diese Woche dreht sich recht viel um KI – sorry, not sorry. Aber ein Blick lohnt trotzdem – es geht um Blogs, die Zukunft der KI, Zeitungen in Zeiten von KI und mehr. Dazu natürlich Bücher und Fernsehen.

'Internet ist kaputt' ist mein kleiner Beitrag zur Rebellion gegen die Enshittification des Internets. Hier ist, mit was ich meine Woche verbracht habe: Gelesen, Gesehen, Gehört. Du kannst per BlogRSS oder Substack folgen.


Für mich der Augenöffner der Woche: Dass sich Filme und Social Media immer mehr annähern.
Auf der einen Seite gibt es den aus Asien kommenden Trend der "Microdramas": 90-Minuten lange Filme im 9:16 Format, die in 2-Minuten-Happen geteilt werden und sich dann wie TikTok "bingewatchen" lassen. (Auf LinkedIn habe mich dem neulich genähert: Vertical Microdrama: Die neue Ära der 9:16 Mini-Serien)

Auf der anderen Seite zieht offenbar auch in "normale Filme" ein Werk an Regeln ein, die man bisher eigentlich nur aus Social Media kennt.

Das erzählt jedenfalls Matt Damon, der gemeinsam mit Ben Affleck im Podcast von Joe Rogan war. Damon (bei Minute 11:05): „Der Standardweg, einen Actionfilm zu machen, den wir gelernt haben, war: Du hast drei 'Set Pieces' (große Action-Szenen). Eine im ersten Akt, eine im zweiten und die große im dritten Akt – das Finale, für das man das meiste Geld ausgibt. Und jetzt sagen sie: 'Können wir eine große Szene in den ersten fünf Minuten haben?' Wir wollen, dass die Leute dranbleiben. [...] Und es wäre nicht schlimm, wenn ihr die Handlung drei- oder viermal im Dialog wiederholt, weil die Leute während des Schauens auf ihre Handys gucken.“

Das finde ich spannend. Denn die "Umkehrung des Storytellings" war bisher eigentlich etwas, das ich als Notwendigkeit nur in Social Media kannte: Erst mit dem BOOOM starten, um den Zuschauer zu fesseln, und dann alles auflösen.

Offenbar ist das jetzt auch im normalen Film so. Schade, irgendwie.

Ben Affleck hat sich im gleichen Podcast (rund um Minute 32:45) zum Thema KI geäußert und unterstreicht eigentlich, was ich auch immer erwidere, wenn sich Kreative Sorgen um ihre Jobs machen: „Wenn du versuchst, ChatGPT, Claude oder Gemini dazu zu bringen, dir etwas zu schreiben, ist es wirklich schlecht. Denn seiner Natur nach orientiert es sich am Durchschnitt“, erklärt Affleck. Das hat damit zu tun, dass Large Language Modelle "Annahmemodelle" sind – sie sagen, was am wahrscheinlichsten auf das Wort vorher folgen könnte. Die KI imitiert also nur, was bereits existiert. Und damit produziert sie Kunst, die eben immer median ist, weil sie den Mittelwert aus allem bildet, was sie gelernt hat.

Seine Ansicht – die ich teile –, dass KI nur ein Werkzeug ist, aber weder Künstler, noch Schauspieler oder originelle Drehbücher ersetzen kann, ist dann auch die perfekte Überleitung in meine Themen der Woche.

MEINE THEMEN DER WOCHE

1: Blogs sind cool 😎

Was ist eigentlich mit Blogs? Michael Kalina schreibt auf, weshalb die eigene Spielwiese jenseits der großen Plattformen sich auch 2026 noch lohnt: Eine eigene Website ist wie ein einsamer Naturraum – braucht vielleicht niemand mehr, hat aber ihren eigenen Wert. Basierend auf einem tollen Essay von Joan Westenberg plädiert Michael dafür, dass wir uns von der Abhängigkeit algorithmisch gesteuerter Netzwerke lösen und wieder dezentral und selbst kontrolliert online sind.
Auch ich bin ein Fan davon, weshalb ich seit nunmehr 25 Jahren blogge. Anlässlich meines Blog-Geburtstags vor drei Wochen hatte ich das etwas poetischer, geschrieben, was Michael nun ausführt: Persönliche Websites sind nicht peinlich.

2: Zukunft der KI 🔮

Wir reden derzeit viel über KI und DIE ZEIT hat Experten gefragt, wie sie die KI-Zukunft einschätzen. Die Szenarien reichen von "wird alles gut" bis "wir haben ein Problem" – lesenswert für alle, die sich nicht sicher sind, ob wir gerade Geschichte schreiben oder nur Geld verbrennen (wohl beides gleichzeitig).

3 Nutzt KI, bitte! 🥺

Das Spannende dabei ist: Langsam gibt es eine Gegenbewegung zum KI-Hype. Ich glaube, dass wir 2026 das Menschliche – Handwerkliche – wieder etwas mehr schätzen werden. Und das analoge.
Die "Gefahr" sieht auch Microsoft CEO Satya Nadella. Der appellierte auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos schon ein bisschen verzweifelt, dass man doch endlich mal einen sinnhaften Anwendungsfall für KI finden müsse. Nachdem (nicht nur) sein Unternehmen Milliarden investierte, verliere KI ohne einen echten Nutzen verlieren bald die "soziale Erlaubnis" für den Energieverbrauch, den sie verursache. Sprich: Wenn das Zeug nichts bringt, werden die Leute sauer.
Auf der anderen Seite steht dann Amazon CTO Werner Vogels, der in seinem Blog nüchtern aufschreibt, was ältere Entwickler längst wissen: Man muss nicht jedem Hype hinterherlaufen. Vogels Rat ist simpel: Sprecht mit euren Kunden, versteht ihre Probleme – und manchmal ist die Lösung eben KI, manchmal nicht. Man muss KI nicht auf jedes Problem werfen.

4 Journalismus: Es geht um Menschen 👨‍🦱

Verlage sehen sich im KI-Zeitalter ja diversen Herausforderungen gegenüber: Klick-Einbrüchen, Finanzierungslücken und natürlich der Vertrauensfrage der Glaubwürdigkeit, wenn man alles mit KI generieren kann. DIE ZEIT-Chefredakteur Jochen Wegner hat in einem Interview für seine Redaktion eine klare Linie gezogen: "Unser Journalismus wird im Kern von Menschen gemacht." Das Wichtigste dabei? Transparenz. Nico Brünjes vom Couchblog greift das auf und überträgt es aufs Bloggen: Ein Blog ist eine persönliche Sache – auf beiden Seiten. Wer KI nutzt, soll das kennzeichnen. Alles andere ist Betrug.
Und auch in dem Punkt überlappen sich ZEIT und Blogs: Wir "verkaufen" keine Informationen, sondern sind Gastgeber von Gemeinschaften. Guter Punkt, den viele Redaktionen vor allem dort vernachlässigen, wo sie ihren Vorteil ausspielen könnten: Im Lokalen, vor Ort. Da kommt nämlich keine KI hin.

5 Arbeit ist kein Lebenssinn 🤔

Während wir hier über die Zukunft reden, würde Bundeskanzler Friedrich Merz gern die Uhr zurückdrehen. Statt auf der Couch Unterhaltungen mit KI zu führen und einen Netflix-Film zu streamen, sollen wir lieber arbeiten gehen. Mehr, bitte. Und krank bist du auch zu oft! Da wird ihm sicherlich nicht schmecken, dass zwei Drittel der Deutschen ihren Job nicht mehr als zentralen Anker ihres Lebens sehen. Stattdessen sagt mittlerweile jeder Fünfte: Ich will das Leben genießen und mich nicht mehr als nötig abmühen.
… die Idee der Vollbeschäftigung, die Merz' Regierung anstrebt, halte ich für ein Märchen der 1960, dem die CDU seitdem hinterherrennt. Da passt, dass man gern den Teilzeit-Anspruch abschaffen will. Eigentlich sollten wir indes eher Diskussionen um Sozialabgaben für Roboter und KI-Agenten reden, nein?

DIESE WOCHE GELERNT

Henri Nannen, der Herausgeber des stern, veranstaltete 1963 eine Ausstellung von Fertighäusern. Mit 400.000 Besuchern gilt diese Ausstellung als wichtiger Auslöser für den dann einsetzenden Fertighausboom in Westdeutschland. (Wikipedia)

DIESE WOCHE IM BUCH

Einer meiner Neujahrsvorsätze ist: weniger Social, mehr Buch. Deshalb lese ich derzeit vermehrt Kurzgeschichten. Aktuell liegt deshalb der Kurzgeschichten-Band 'Als die Bären das Feuer entdeckten' an dem Ort, an dem ich sonst viel Zeit am Handy verbringe. Der Autor ist für seine Science-Fiction-Geschichten bekannt und mehrfach ausgezeichnet. Meine bisherige Lieblingsgeschichte aus dem in den 1990ern auf Deutsch erschienenen Buch: They're Made out of Meat – mit einer wunderbarer Pointe am Ende.

DIESE WOCHE ZU SEHEN

Ich bin diese Woche aufgrund vieler beruflicher Termine nicht wirklich zum Fernsehen gekommen; außer der neuesten Episode von Star Trek: Starfleet Academy. Auf meine Watchlist hat es aber Sandmännchen forever – Karriere einer Kultfigur geschafft – eine Doku über das Ost-Sandmännchen, mit dem ich und auch meine Kids dann aufgewachsen sind.

Kommentare

  • 4 Journalismus:

    Im Grunde ist hier das Problem das man nie ein tragfähiges Geschäftsmodell gefunden hat. Das Werbemodell hatte schon immer extrem viele Nachteile und hat die Qualität schon über Jahrzehnte sinken lassen. Und mit den Klicks hat man sich selbst den Geschwindigkeitsdruck erzeugt anstatt einzuordnen, zu sortieren, mehr Informationen zu liefern.
    Im Grunde ist es gar nicht so schwer. 2000 Leute die 5 € pro Monat für die Artikel eines Journalisten bezahlen und die Kosten sind gedeckt. Für einen hochwertigen Journalisten dann eher 5000 Leute.
    Des braucht auch keinen 10 Artikel am Tag dafür hat eh keiner Zeit die ernsthaft zu "verarbeiten/verdauen"

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