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Sachsen-Anhalt im Fokus

Detektor.fm startet den wöchentlichen Newsletter und Podcast "Dazwischen" – aus, für und über Sachsen-Anhalt.

Das Projekt wurde auch mithilfe von Förderprogrammen finanziert und wird bis Ende 2027 das Bundesland unter die Lupe nehmen. Ziel ist, „einen interessierten, ausgewogenen und differenzierten Blick auf Sachsen-Anhalt zu liefern“ – und das Besondere: Hier berichtet kein "West-Medium" über den Osten, sondern hier kommt ein ostdeutsches Team und will neutral und offen über Menschen und Land berichten - für ganz Deutschland unvoreingenommen. Das hier ist nicht die Ostdeutsche Allgemeine Zeitung mit einer Agenda (und ohne Chefredakteur) "aus dem Osten, für den Osten", sondern echter Journalismus.

Sachsen-Anhalt wird im Sommer wieder der "Zoo für Westjournalisten", die in den Osten kommen um O-Töne mit sächsischem Dialekt und Fascho-Inhalten abzugreifen, während sich Friedrich Merz erfolglos abmühen wird, die AfD klein zu machen … Am 06. September dann gibt es hier dann wohl zum ersten Mal den Fall, dass die als rechtsextrem gesicherte Partei die stärkste Partei wird und das demokratisch erwirkte Vorrecht hat, den Ministerpräsidenten zu stellen. Es sei denn, es dreht sich noch was.

Als jemand, der hier 2 Kilometer hinter der Landesgrenze innerhalb des Bundesland lebt gruselt es mich. Als links-denkender, klimabesorgter Demokrat mit queeren Familienmitgliedern stehe ich mit Sorge, Unverständnis und wachsender Wut einer Traube von Menschen in diesem Land gegenüber, die nie Ausländer sehen, alle Autos und Eigenheime haben und trotzdem "gegen die da oben" meckern und sich sehnlichst einen Diktator wünschen …

81 Jahre nach dem Ende des faschistischen Regimes in Deutschland. 37 Jahre nach dem Ende des Regimes der DDR.
Und wir stehen vor einer Zeitenwende, in der Menschen allen Ernstes – und diesmal vollständig aus eigenen Stücken und frei von Manipulation! – eine faschistische Partei wählen wollen. Na prima.

Daran wird das detektor.fm-Projekt nichts ändern. Aber vielleicht erweitert es den Horizont auch einiger betonköpfiger Politiker und Berichterstatter. Es ist kein Trost, dass "immerhin 60 % der Sachsen-Anhaltiner:innen" politisch einigermaßen stabil scheinen – oder zumindest keine Fascho-Partei wählen. Auf der anderen Seite mag ich es auch nicht, wenn an all den hier lebenden Menschen dieses Schild pappt. In Sachsen-Anhalt zu wohnen ist ein Makel – und den müssen wir überwinden, denn auch wenn ich hier wohne, bin ich familiär und politisch so weit weg von diesem Label wie nur möglich.

Insofern: Abonnieren, zuhören. Das alles ist keine Einbahnstraße. Und da geht es nicht darum, AfD-Wählern zuzuhören – mein Verständnis dafür, dass jemand diese Partei wählt mit allen Fakten, die auf dem Tisch liegen, ist mittlerweile gleich Null. Es geht darum, den Rest zu stärken statt alle hier lebenden Menschen mit dem Label zu versehen und das Land abzuschrieben.

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