Weblog-Start / Blogroll / Feeds

10. Mai 2025

Rechte YouTuber

Auf YouTube (und TikTok) breiten sich seit Jahren Stimmen aus, die Rechtspopulismus, Frauen- und Queen-Feindlichkeit in den Mainstream drücken wollen. Rechte Influencer:innen, die Frauen an den Herd und Ausländer in ihre Herkunftsländer zurückschicken wollen.

Sie bezeichnen sich als das "politische Vorfeld" der AfD.
Vorfeld, weil sie den Weg vor allem junger Menschen zur AfD ebnen, rechte Aussagen normalisieren und verfangen wollen. Sie gehören nicht zur AfD, aber sie liegen mit der Nazi-Partei* im Bett und kuscheln sehr gern.

Das ZDF Magazin Royale nimmt sich den rechten YouTubern in der aktuellen Ausgabe an (YouTube) und deckt gemeinsam mit der ZEIT die Identität des bisher gesichtslosen rechten YouTube-Kanals Clownswelt auf: Der rechte Clown (Geschenklink)

Wichtiger Satz übrigens von Böhmermann hier, den sich alle Medien (und wir ebenso) mal zu Herzen nehmen sollten: „Für die AfD ist es sehr wichtig, dass ihre Umfrageergebnisse immer und immer wieder öffentlich geteilt werden. Sie ist ein Scheinriese, der nur groß wird durch die bloße Annahme ihrer Größe.

* Der Verfassungsschutz beugt sich einem demokratischen Vorgang und setzt die Bezeichnung der AfD als "gesichert rechtsextrem" so lange aus, wie die Klage der AfD gegen den Bericht läuft. Ich bin aber nicht der Verfassungsschutz.

Lesen ↦

6. Mai 2025

Merz' Nichtwahl ist keine Demokratie-Krise, sondern eine des Journalismus

Friedrich Merz wurde im ersten Wahlgang nicht zum Kanzler gewählt. Eine schicke Schelte für den Mann, der sich um wenig mehr als sich selbst kümmert und meint, er könne durchregieren, ohne auf jemanden zugehen zu müssen.

Dass jetzt alle von einer Demokratiekrise reden ist natürlich formidabler Schwachsinn.
Die Demokratie hat wunderbar gehalten, denn ein Wahlgang bedeutet eben nicht, dass man eine Wahl auch gewinnt. Es zeugt eher von einer Krise, wenn Söder oder irgendwelche Journalisten meinen, ein Kanzler müsse dringend im 1. Wahlgang gewählt werden und das für Demokratie halten.

Die Demokratie, das Grundgesetz, hat vorgesorgt und sieht mehr als einen Wahlgang vor. Nirgends also gibt es eine funktionale Krise. Die Krise ist einzig und allein Friedrich Merz, der Wahlversprechen direkt am Montag nach der Wahl brach und schon nach dem Ende der Koalitionsverhandlungen mit der SPD den Sozen verbal eine Watschn verteilte.

Dass die AfD direkt von Neuwahlen redet ist jetzt auch nicht überraschend. Allerdings könnte sie im 2. Wahlgang auch selbst einen Kandidaten aufstellen. Beides wollen die Nazis natürlich nicht – denn Opferrolle steht ihnen besser. Das weiß auch Alice Weidel.

Dass Journalisten indes nichts besseres einfällt, als wenige Tage nachdem die AfD für gesichert rechtextrem erklärt wurde, den Nazis als erstes ein Mikro unter die Nase zu halten, um die Situation noch vor SPD oder CDU einzuschätzen – das ist demokratiefeindlicher als irgend ein anderer Vorgang, der heute im Bundestag stattfand. Die Demokratiekrise wird herbeigeredet. Unter Level "Apokalypse" geht es in Deutschland scheinbar einfach nicht.

Wie sagte Irene Mihalic von den GRÜNEN in ihrer Rede vor dem 2. Wahlgang in Richtung CDU / SPD: „Nicht die Demokratie ist in Gefahr, sondern das Vertrauen ihrer Abgeordneten in sie - und das müssen Sie ganz alleine lösen

Geschrieben 14:00, Aktualisiert 16:30 Uhr

2 Kommentare / Lesen ↦

Eine Blogsuchmaschine von Rivva

Ein Grund, weshalb ich UberBlogr gegründet habe war, dass Google als Suchmaschine es immer schwieriger macht, Blogs zu entdecken und gut zu durchsuchen. Für UberBlog Mitglieder gibt es eine (sehr einfache) Suche. Früher™ gab es mal auf Blogs spezialisierte Suchen wie Technorati.

Frank Westphal, der Macher von Rivva will nun eine echte Blogsuche zurück bringen. Dafür sucht er Unterstützer, die sich bei Erreichen des Finanzierungsziels für 5 Euro im Monat quasi das Such-Abo kaufen. Ich habe nicht lang gezögert und ein Abo über Steady abgeschlossen. Ich drücke Frank die Daumen, dass er die 150 Unterstützer:innen findet, die er für den Start des Projektes definiert hat, findet.

1 Kommentare / Lesen ↦

27. April 2025

Den Haag: Werbung für Fossiles verboten

Die niederländische Stadt Den Haag hat Werbung für Flugreisen, Schiffsreisen, Verbrenner-Autos und fossile Energien im Stadtgebiet verboten. Damit wolle die Stadt einen Beitrag zum Klimaschutz leisten.

Das fanden Klimaschützer gut, Werbeverbände, TUI und ANVR (Verband der Reisebüros) aber weniger. Die letzteren beiden klagten – und verloren jetzt. TUI und ANVR argumentierten, es gäbe keine direkte Verbindung zwischen der Werbung und einem Klimaeffekt. Das Gericht sah das anders.

In Amsterdam, Utrecht, Haarlem und Nimwegen darf übrigens auch nicht mehr für Fleisch geworben werden.

Ich verdiene mein Geld mit Werbung, aber ich finde diese Werbeverbote gut. Werbung beeinflusst Menschen, dann sollte Werbung auch ein Gewissen haben. Punkt.

3 Kommentare / Lesen ↦

25. April 2025

Seine Karriere als Stuntman begann Jochen Schweizer 1987 in dem Film 'Fire, Ice & Dynamite' von Willy Bogner. Die Story des hochkaratig besetzen Films ist Quatsch – reiht sich aber in so ikonische Dinge wie Bandit oder Canonball ein & beeindruckt mit sensationalen Stunts. Außerdem ist der Soundtrack die einzige CD, die ich tatsächlich besitze, weil es den nirgends digital gibt. Und rein zufällig habe ich heute entdeckt, dass der Film in voller Länge auf YouTube schlummert … Kann man an einem faulen Sonntag durchaus mal schauen.

2 Kommentare / Link ↦

23. April 2025

Ein einzelnes Buch habe für die Trainings großer Sprachmodelle wie Metas Llama im Verhältnis so wenig Wert, dass es gar keine Rolle spiele, ob Meta es illegal genutzt habe (oder nicht). Daher hätte man auch gar keine Rechte verletzt.

Mit dieser Strategie versucht sich Meta den Klagen einiger Autoren zu entziehen. Der Konzern hatte Tausende Bücher über die illegalen Portale Z-Library and LibGen geladen & ohne Genehmigung der Autoren und Verlage für das Training seiner KI genutzt hat.

2 Kommentare / Link ↦

Schreibt für euch & andere Menschen, nicht für Roboter

Joost de Valk, Erfinder des wohl meistverbreiteten WordPress-SEO Plugins Yoast "bereut" ein wenig und schreibt in einem Artikel (via):

We […] helped normalize quantity over quality. […] That led to a flood of articles that […] didn’t always add real value. […] We […] helped normalize quantity over quality. […] Publish often and optimize hard? That approach is outdated. […] The focus has shifted from more content to better content.

Ich würde behaupten, "more" war nie besser als "besser" – und man kann sich natürlich streiten, was "besser" nun wieder bedeutet. Am Ende schreibt ihr nicht für Roboter, sondern Menschen. Nichts ist schlimmer als sinnlos gestreckte Artikel, wenn man mit Google auf der Suche nach einer Problemlösung ist. Nichts ist schlimmer als SEO-optimierter Sprech, wenn man einen kleinen Erlebnisbericht liest.

Ich schrieb neulich "Website-Traffic durch Suchmaschinen ist tot" – zack, nun wenden sich alle der ChatGPT-Optimierung zu. Vielleicht können wir die einfach bitte skippen oder mit anderen Mitteln wie lustig erfundenen JSON-Files machen, die ich als echter Leser nicht sehen muss.

Schreibt für euch, oder mich. Aber bitte nicht für Roboter.

2 Kommentare / Lesen ↦

16. April 2025

Skibidi Bam Bam!

ZEIT Feuilletonist Jens Jessen seziert Skibidi Toilet und erkennt darin klassischen Surrealismus. In Skibidi steckt dick und fett auch Machinima. Sehr feines Stück: „Wenn man als Eltern sieht, dass Kinder diese Clips gucken, sollte man sich freuen“, sagt Jessen – sieht in den späteren Episoden und der Rückkehr in den Mainstream etwas Trauriges.


( YouTube Direktlink )

Empfehlenswert zum Phänomen ist übrigens auch die entsprechende Episode des Podcasts Browser History von Anfang diesen Jahres.

Und ja – angeblich will Michael Bay den Stoff jetzt verfilmen …

Lesen ↦

13. April 2025

Webseite-Traffic durch Suchmaschinen ist tot

"Gemini von Google wird uns praktisch zerstören", sagt Dennis Ballwieser, Chefredakteuer der Apotheken-Umschau. Und weiter: "Portale, die auf Reichweite abzielen, sind tot. […] Dieses Geschäftsmodell [mit Website-Traffic Geld zu verdienen], das jetzt seit 20 Jahren funktioniert hat, ist zu Ende."

Ballwieser hat Recht.
Wer sich als Website-Betreiber bisher auf Google verlassen hat, sollte dringend sein Geschäftsmodell überdenken.

Seit ChatGPT im November 2022 aufgetaucht ist wird klar: Large Language Modelle (LLM) zerstören den Web-Traffic und die traditionelle Suche. Auch wenn Sprach-Modelle wie ChatGPT eigentlich keine Suchmaschinen sind, nutzt eine zunehmende Zahl Menschen es so. Hinzu kommen junge Menschen, die eher visuelle Ergebnisse wollen statt Linklisten, weshalb YouTube und TikTok im Alltag heute schon eine massive Zahl von Suchanfragen beantworten. Und jetzt tritt Google mit Gemini und seiner Suchanfragen-Zusammenfassung in die gleichen Fußabdrücke. Dabei ist Googles Zug nur konsequent: das Unternehmen wurde nie als Suchmaschine entworfen, das Menschen Linklisten präsentiert. Im Gegenteil, Google wollte von Anfang an eine Antwortmaschine sein.

Wir erleben einen massiven Shift im Verhalten, wie wir Inhalte Suchen und Entdecken.

Das war ein Grund, weshalb ich UberBlogr vor drei Jahren gegründet habe: Um Blogs und Inhalte leichter entdecken zu können. Weil (kleine) Webseiten aus unserem Alltag verschwinden werden.

Googles neue Zusammenfassung zeigt schon wenige Wochen nach ihrer Einführung einen negativen Trend im Webtraffic: In den USA beklagen Verlage einen deutlich spürbaren Traffic-Verlust. Besonders stark betroffen sind dabei die Angebote, die bisher von Google oft am meisten profitiert haben: Nischenblogs aus Bereichen wie Reisen, Kochen oder Heimwerken.

Seit dem Auftauchen von ChatGPT erkläre ich Kunden im Marketing-Bereich, dass die wichtigste Aufgabe einer Website künftig ist, den Large Language Modellen die besten Futter-Happen anzubieten, damit die nicht von anderen, sondern von der Unternehmens-Website lernen. Suchmaschinen-Optimierung ist gestern, LLM-Optimierung ist heute.
Für Websiten, die von Traffic leben indes wird der Kampf noch schwerer. Sie müssen sich andere Modelle ausdenken und stehen dabei vor der Herausforderung, dass ihnen sowohl Social-Media-Plattformen und LLMs Traffic wegnehmen, als auch jetzt die Monopol-Suchmaschine Google.

Wir stehen nach 20 Jahren erneut vor einem krassen Shift, wie wir das Internet nutzen.
Für kleine Webseiten und das Indieweb sehe ich vor allem die Chance sich zu verbinden und eigene Angebote zum Entdecken anzubieten. Das ist ein Grund, weshalb ich vor drei Jahren UberBlogr gegründet habe. Das ist ein Grund, weshalb ich Angebote wie Rivva liebe. Es sind Projekte, die uns jenseits der Giganten die Möglichkeit geben, Inhalte und wirklich Neues zu entdecken.

13 Kommentare / Lesen ↦

11. April 2025

Kommt ein Social Media Verbot für Kinder in Deutschland?

Kommt das Social Media Verbot für Jugendliche auch in Deutschland?

Im Koalitionsvertrag von CDU und SPD betont man die Wichtigkeit von Medienkompetenz. Konkrete Maßnahmen, wie man diese stärken will hingegen – oder auch nur den Gedanken, eben diese stärken zu müssen – bleibt man schuldig.

Stattdessen will man "die Auswirkungen von Bildschirmzeit und Social Media-Nutzung auf Jugendliche schnellstmöglich wissenschaftlich bewerten" und darauf aufbauend ein Maßnahmenpaket zur Stärkung von Gesundheits- und Jugendmedienschutz erarbeiten.

So, wie ich die CDU kenne läuft das auf ein Jugendverbot für Social Media hinaus. Allein, dass die CDU einen erneuten Anlauf für Vorratsdatenspeicherung und Leistungsschutzrecht in den Koalitionsvertrag schreibt ist schon eher obsessives Verhalten als Rationalität. Beide Vorhaben hatten deutsche und europäische Gerichte bereits mehrfach kassiert.

Was spannend sein wird, sind die Diskussionen um den Schutz der Jugend in Social Media. Die Diskussion gipfelte in Australien in einem Verbot von Social bis 16 Jahre (tritt Ende des Jahres in Kraft) und Frankreich drückt auf europäischer Ebene ordentilch für ein solches Verbot. Auch in den USA werden entsprechende Diskussionen heiß geführt.

Ich halte von Verboten in diesem Bereich wenig. Eine konsequentere Handhabung gegen die Plattformen & Online-Hass sowie -Belästigung sowie die Stärkung von Medienkompetenz in jungen Jahren wären nach meinem Empfinden eher eine Lösung, als etwas bis 16 zu verbieten und dann zu meinen, die Kompetenz sei von einem auf den anderen Tag da.

Wer schützt hier eigentlich wen vor was genau?

3 Kommentare / Lesen ↦